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Flying Fox in Oberaudorf-Hocheck: Fliegen wie ein Vogel

Datum: 19. September 2016 . Autor: Sandra Berthaler . Kategorie: Aktiv . Ausflugsziele . Gleitschirmfliegen & Luftsport
Start beim Flying Fox
Sandra Berthaler

Eine wunderschöne Berglandschaft und jede Menge Action für die Kinder – es gibt wohl kaum ein Wandergebiet, das diese Vorzüge so perfekt vereint wie das Hocheck in Oberaudorf. Neben idyllischen Wanderwegen gibt es hier die 2014 eröffnete Flying Fox-Anlage „Oberaudorfer-Flieger“, mit der man mit bis zu 80 km/h ins Tal hinabrauschen kann. Das muss ich ausprobieren!

Die Talstation der Hocheck-Bergbahnen liegt etwa fünf Fahrminuten von der Autobahnausfahrt Oberaudorf (Inntalautobahn A 93) entfernt. Hier gibt es kostenlose Parkplätze und ein gemütliches Café mit Sonnenterrasse. Aber ich bin nicht zum Cappuccino schlürfen hier, sondern zum Fliegen! Schon von der Talstation aus wirkt die Flying Fox-Anlage äußerst imposant. Nur an einem Drahtseil befestigt, stürzen sich die Fluggäste über eine Bergwiese 700 Meter hinunter zum so genannten „Ziel-Tower“ an der Talstation und der wirft mit seinen 14 Metern Höhe einen ordentlichen Schatten.

Herrlicher Ausblick auf Oberaudorf

Herrlicher Ausblick auf Oberaudorf

Die sicherste Flying Fox-Anlage der Alpen

Mir wird etwas mulmig und ich frage Hannes Rechenauer, ob er schon selbst geflogen ist. „Ja freilich, schon mehrmals“, antwortet der Geschäftsführer der Hocheck-Bergbahnen lässig. Selbst bremsen kann man übrigens nicht.  „Fakt ist, dass jeder etwa 70 bis 80 Stundenkilometer erreicht. Da man sehr ruhig gleitet, unterschätzt man die Geschwindigkeit.“ Das beruhigt mich jetzt nicht. Doch nach eigenen Angaben ist der „Oberaudorfer-Flieger“ die modernste und sicherste Flying Fox-Anlage der Alpen. Sie hat über 500.000 Euro gekostet und wurde als erste Flying Fox-Fluganlage weltweit nach den strengen Normen der „Vergnügungsgeräte/Fliegende Bauten“ vom TÜV abgenommen. „Es gibt auch keine Gefahr, mit anderen Fliegern zusammenzustoßen, weil die Anlage mit einem Lichtschrankensystem funktioniert. Die obere Schranke geht erst auf, wenn unten alles frei ist.“ Die Fluggäste sitzen in einem speziellen Gurt wie man ihn vom Gleitschirmfliegen kennt. Dieser wird dann mit einer Rolle am Stahlseil angebracht und ab geht die wilde Fahrt ins Tal. Abbrecher gibt es laut Herrn Rechenauer kaum. „Die Typen, die unten am lautesten tönen, dass das ja gar kein Problem ist, haben oben meistens die größte Angst“, erzählt er lachend. Mir ist gar nicht nach Lachen zumute. Doch bevor ich losfliegen kann, geht’s erst mal mit dem 4er-Sessellift nach oben.

Der Flug: Nichts für Angsthasen!

Die Schafe bleiben unbeeindruckt von der ganzen Action um sie herum!

Die Schafe bleiben unbeeindruckt von der ganzen Action um sie herum!

Nach etwa fünf Minuten bequemer Fahrt vorbei an satten Bergwiesen, Schäfchen und der legendären 360-Grad-Schleife der Sommerrodelbahn am Hocheck, erreichen wir die Mittelstation. Dort thront, direkt mit Blick auf das Kaiser-Gebirge, der „Start-Tower“. Oben angekommen, erwartet mich ein sagenhafter Blick auf Oberaudorf und das Inntal. Doch der Blick 13 Meter in die Tiefe lässt meine Knie butterweich werden. Kaum zu glauben, dass es Fluggäste gibt, die hier gezielt herkommen, um ihre Höhenangst zu überwinden. Doch zum Glück gibt es Flugassistentin Kati, die mit ihrer fachkundigen Routine sofort Ruhe und Sicherheit verströmt. Nach einem geschulten Blick auf meine Größe – der Flying Fox ist für Gäste ab 8 Jahren zwischen 1,20 und 2,10 Metern geeignet – muss ich mich auf die figurfreundliche Waage stellen. Figurfreundlich, weil das Ding keine Zahlen anzeigt, sondern nur zwischen S, M, L und XL unterscheidet.

Ab in die Tiefe - wie ein Vogel

Ab in die Tiefe – wie ein Vogel

Danach gibt mir Kati den passenden Gurt, hängt ihn an der Rolle am Drahtseil ein und bringt mich in die richtige Startposition. „Sag Bescheid, wenn du bereit bist“, meint sie und ohne groß zu überlegen flüstere ich „Okay“ und kippe vornüber in die Tiefe. Das unangenehme Magenkitzeln wie beim Achterbahnfahren bleibt erstaunlicherweise aus. Stattdessen gleite ich wie ein Vogel über die Bergwiesen nach unten und genieße den traumhaften Ausblick – ein wahnsinnig angenehmes Gefühl, das mich sogar dazu verleitet die Hände wie beim Kettenkarussell auszustrecken. Nach etwa 60 Sekunden Fahrt und einer sanften Bremsung erreiche ich den „Ziel-Tower“ an der Talstation, wo mir Katis kompetenter Kollege aus dem Gurt hilft. Schade, dass der Flug schon wieder vorbei ist!

 

 

screenshot für tipp
Tipp

Kurz vor der Bremsung fotografiert ein Kamerasystem den Fluggast. Das Foto mit individueller Geschwindigkeitsangabe kann man sich online kostenlos auf sein Handy herunterladen. Wer hier – im Gegensatz zu mir –  darauf achtet nett zu lächeln, kann das Bild auch herzeigen.


Datum: 19. September 2016 . Autor: Sandra Berthaler . Kategorie: Aktiv . Ausflugsziele . Gleitschirmfliegen & Luftsport
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