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Gleitschirmfliegen im Chiemgau – die Leidenschaft eines Bürgermeisters

Datum: 30. Oktober 2014 . Autor: Nina Glasow . Kategorie: Aktiv . Gleitschirmfliegen & Luftsport . Marquartstein . Orte . Region
Gleitschirmfliegen über Bayern Bürgermeister Portrait
Nina Glasow

Andreas Scheck liebt seine Heimatgemeinde Marquartstein. Im Tal lenkt der Bürgermeister die Geschicke des Ortes und in den Lüften bewahrt er den Überblick. Er ist einer von vielen Gleitschirmfliegern – die hoch über dem schönen Chiemgau – den faszinierenden Weitblick über die beeindruckende Landschaft genießen. 

Atemberaubende Aussicht am Rechenberg 

Hike and Fly beim Gleitschirmfliegen über dem Chiemgau

Andreas Scheck beim Aufstieg auf den Rechenberg

Wir treffen uns vor der Arbeitsstelle von Andreas Scheck, dem Rathaus Marquartstein. Sportlich gekleidet kommt mir Andreas Scheck in Marquartstein entgegen und begrüßt mich herzlich mit einem festen Händedruck. Wir fahren gemeinsam ein paar Kilometer in den Nachbarort Oberwössen, den Ausgangspunkt für unsere heutige Tour auf den Rechenberg. Rauf geht es zu Fuß, runter soll es nach dem Willen des Kommunalpolitikers leicht und gelenkschonend gehen. In seinem knapp 15 kg schweren Rucksack transportiert er eine komplette Flugausrüstung.

Mit dem Gleitschirm – viele dünne Leinen verbunden mit einem knapp 25m² großen Flügel aus Nylon – möchte er ins Tal gleiten. Aber zunächst müssen wir hinauf und steigen über schmale, schattige Forstwege zur sonnigen Burgau auf, von dort geht es über einen schönen Steig weiter zu den Rechenberg Almen. Die traumhafte Aussicht über das obere Achental und zum Wilden Kaiser im nahen Tirol ist einfach phänomenal. Sogar die schneebedeckten Tauern am Alpenhauptkamm scheinen heute zum Greifen nah. 

Faszination Paragleiten in Bayern

Rucksack auspacken beim Paragleiten in Bayern

Der junge Bürgermeister packt den 15 kg schweren Rucksack aus und beginnt mit der Vorbereitung

Der junge Bürgermeister erzählt mir, dass Marquartstein mit der Hochplatte ein Pionier-Ort des Drachenfliegens ist. Doch ihn fasziniert das Paragleiten mehr, weil es unkomplizierter ist. „Einfach mit meinem Rucksack den Berg rauf, bei einer Brotzeit die Aussicht genießen und nach dem Abheben in die Luft für eine gewisse Zeit alles andere unter sich lassen.“, schwärmt mir Andreas vor. Die Varianten des Gleitschirmfliegens sind dabei vielfältig. Von der reinen „Abstiegshilfe“ bei der Bergtour, dem Ursprung des Paragleitens, bis hin zu stundenlangen Thermik-Flügen.

Die Cracks unter den Streckenfliegern nutzen diese Aufwinde vom frühen Vormittag bis zum Sonnenuntergang und legen so mehrere hundert Kilometer zurück. Andere wiederum finden Spaß an atemberauben Kunstflug-Figuren, dem sogenannten Acrofliegen. „Fliegen war schon immer ein Traum von mir.“, so der frühere IT-Fachmann. Mit der Ausbildung zum Gleitschirmpiloten kann man sich diese Faszination relativ einfach und kostengünstig erfüllen. 

Früh morgens schon auf einen Berg im Chiemgau

Fürs Gleitschirmfliegen Leinen sortieren

Vor dem Flug sortiert Andreas Scheck gewissenhaft die Leinen

Seit gut drei Jahren ist das Paragleiten nun der bevorzugte Outdoor-Sport von Andreas Scheck.  Das sogenannte „Hike & Fly“ ist für ihn eine optimale Kombination aus Ausdauersport und der Möglichkeit, mal wieder richtig abzuschalten. „Wenn man mal mit dem Flieger-Virus infiziert ist, möchte man die Gelegenheiten zum Fliegen natürlich auch nutzen.“, so der Rathaus-Chef.

Beim Paragliding über Bayern werden noch die Leinen sortiert.

Beim Leinen-Check vergewissert man sich, dass keine Knoten vorhanden sind

Seit seinem Amtsantritt kommt er wegen der vielen Wochenendtermine nicht mehr so viel dazu. Manchmal ging er seitdem schon ganz früh am Morgen auf den Berg. Wie zuletzt vor der Arbeit mit einigen Leuten des Teams von Skywalk, einem Marquartsteiner Hersteller von Gleitschirm-Ausrüstung. Selbst im Familienurlaub nimmt er Gelegenheiten zum Paragleiten wahr. Es sind besondere Erlebnisse zum Beispiel über der Altstadt von Assisi oder einer Felsenküste auf der Insel Bali im Aufwind der Meeres-Brise zu fliegen.

Der Chiemgau ist ein Eldorado für Gleitschirm-Flieger

Beim Paragleiten über Bayern braucht man warme Kleidung

Trotz warmer Temperatur zieht sich Andreas Scheck warm an. Er weiß wie kalt es in den Lüften ist

Gerade die moderaten Voralpenberge Bayerns schaffen ideale Bedingungen für Gleitschirm-Flieger aller Könnerstufen und sind zum Großteil auch per Bergbahn zu „erklimmen“. Zwischen Kampenwand und Rauschberg gibt es eine ganze Reihe von geeigneten Startplätzen für alle Windrichtungen. Der Hochfelln ist beliebter Ausgangspunkt für internationale Streckenflieger, die von hier aus über die Kitzbüheler Alpen, den Pinzgau, das Gasteiner Tal und das Steinerne Meer zurück zum Ausgangspunkt nach Bergen mehr als 200 km zurücklegen.

Beim Paragleiten im Chiemgau ist Sicherheit immer ein Thema

Nachdem der Helm festgeschnallt ist kann es gleich losgehen

„Ich bin kein ambitionierter Streckenflieger“ sagt Andreas, „aber so kleine Rundflüge über die heimischen Berge, wie etwa vom Hochfelln über die Hörndlwand, den türkisfarbenen Weitsee, das Dürrnbachhorn und über den Hochgern zurück ins Achental, das geht schon ganz gut und bringt einem ganz neue Perspektiven auf die heimische Bergwelt.“  

 

 

„Absaufen“ und „Trampen“ beim Paragleiten

Beim Gleitschirmfliegen über dem Chiemgau eröffnet sich ein wundervolles Panorama.

Ein herrliches Panorama eröffnet sich Bürgermeister Scheck


Manchmal kann es aber auch passieren, dass man „absäuft“. So nennen es Paragleiter, wenn man aufgrund fehlender Thermik an Höhe verliert und vorzeitig landen muss. Andreas sagt schmunzelnd, während er den Schirm vorbereitet: „Mir ist das auch schon mal passiert. Da war es dann so, dass ich Autos stoppen musste um nach Hause zu kommen. Schlimm war das nicht, man braucht nur Zeit dafür.“ 

Sicherheit geht vor

Andreas beobachtet aufmerksam den Wind. Es herrscht Südwind und es ist leicht föhnig. Er blickt in Richtung Alpenhauptkamm und zeigt mir die schwache Föhnwand, die sich über den Hohen Tauern auftürmt. Er erklärt mir: „Ein Pilot muss einfach über meteorologische Verhältnisse Bescheid wissen. Bei richtigem Föhn wäre das Fliegen gefährlich. Heute ist die Differenz des Luftdruckes so gering prognostiziert, dass das Fliegen hier bei uns gefahrlos möglich sein sollte. Die letztendliche Entscheidung muss der Pilot aber immer vor Ort am Startplatz treffen. Hier gilt es die Wetterbedingungen genau zu studieren und etwaige Risiken abzuschätzen. Die Sicherheit ist extrem wichtig. Man muss für sich selbst entscheiden, wann es besser ist abzubrechen und zu Fuß ins Tal abzusteigen.“, so der Bürgermeister. Das ist zwar manchmal nicht leicht, aber in jedem Fall besser, als bei schwierigen Bedingungen in der Luft zu sein.

Heute aber passt es. Es dauert knapp eine Viertelstunde, bis Andreas startbereit ist. Nach dem Auslegen seines Schirms, sortiert er gewissenhaft die dünnen Leinen. Ein Knoten oder Fremdkörper in den Leinen könnte fatale Folgen im Flug haben. Er zieht sich trotz der milden Temperaturen warm an und checkt seine Ausrüstung. Schirm, Leinen, Gurtzeug, Rettungsschirm und Helm – alles in Ordnung. Ein kräftiger Zug an den Leinen und schon steht der Gleitschirm wie ein Flügel über ihm. Umdrehen, ein paar Laufschritte und er hebt ab – und entschwindet langsam unseren Blicken. Wir verlassen den Startplatz und beginnen mit dem Abstieg ins Tal, wo Andreas auf uns warten wird.

Beim Paragleiten über Bayern die dritte Dimension erleben

Ausblick beim Gleitschirmfliegen ueber den Chiemgau

Andreas Scheck genießt die Aussicht über den Chiemgau

Motorlos, aus eigener Kraft im Spiel mit den Naturgewalten zu fliegen – das macht die Faszination des Paragleitens aus. Wer die vielen Seen auch aus der Luft funkeln und die wunderschöne Berglandschaft des Chiemgaus von oben sehen will, der hat hier viele Gelegenheiten dazu. Die erfahrenen Gleitschirm-Schulen in der Region bieten eintägige Schnupperkurse und natürlich die komplette Ausbildung an.

Wer erst einmal das Gefühl des Fliegens kennenlernen möchte, hat mit den zahlreichen Angeboten an Tandemflügen die Möglichkeit – auch ohne Schein – ein unvergessliches Abenteuer zu erleben und den wunderschönen Chiemgau von oben zu betrachten.

 

Ausblick beim Gleitschirmfliegen ueber den Chiemgau
Tipp

Wem es am Gleitschirm zu luftig ist, der kann auch zu einem Flug mit dem Segelflieger starten. Die deutsche Alpen-Segelflugschule in Unterwössen DASSU bietet auf Nachfrage auch Rundflüge an.


Datum: 30. Oktober 2014 . Autor: Nina Glasow . Kategorie: Aktiv . Gleitschirmfliegen & Luftsport . Marquartstein . Orte . Region
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