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Marita Protte und der Trostberger Rosengarten

Rosa Alba Semiplena im Trostberger Rosengarten im Chiemgau
Dorothea Steinbacher

„Ich bin in einem großen Garten aufgewachsen“, erzählt Marita Protte auf die Frage, woher ihre Blumenleidenschaft kommt. „Meine Mutter hat alles selber gezogen: unser Gemüse, Obst, Beeren, Blumen – wir waren Selbstversorger. Und wir Kinder mussten natürlich helfen.“ Sie kommt ins Schwärmen: „Ich habe es geliebt – und das ist bis heute so – das Arbeiten mit den Händen in der Erde.“

Marita Protte ist die Leiterin und die Gründerin des Trostberger Rosengartens – ein Ort, an dem es jetzt im Juni am schönsten ist: Hunderte von blühenden und duftenden Rosen, umschwärmt von Schmetterlingen und Bienen. Ein kleines Paradies.

Die Gründerin des Rosengartens im Chiemgau: Marita Protte

Die Gründerin des Rosengartens: Marita Protte

Warum aber hat sich die studierte Biologin den Rosen gewidmet, warum züchtet sie nicht Kohlrabi oder verdient ihr Geld in der Genforschung? In der Biologie stand sie zu oft im Labor, war zu selten draußen und mit lebenden Wesen beschäftigt, wie sie sagt. Deshalb hängte sie ein zweites Studium an und wurde Sozialpädagogin. Die Liebe zur Rose erwachte auch erst auf den zweiten Blick, sozusagen. Das kam so: Als sich die gebürtige Ostwestfalin zunächst des Studiums und dann der Liebe wegen in Bayern niederließ, schenkte ihr eine Freundin eine Rose zum Einzug in Trostberg.

Keiner wusste, wie die Sorte hieß. Protte, die mit den üblichen hochgezüchteten Edelrosen wenig anfangen kann, war schon nach kurzer Zeit begeistert von ihrem neuen Zögling. Die Rose blühte und duftete üppig und gedieh ohne große Pflege. Es handelte sich um eine alte Sorte, das fand Marita Protte heraus, nachdem sie sich ins Thema eingearbeitet hatte – und ihre Leidenschaft für diese ganz besonderen Rosen war geboren.

Kulturgut alte Rosen

Denn es geht in Trostberg nicht um irgendwelche Rosen, sondern um alte Rosen, Fundrosen, die oft erst mühsam identifiziert werden müssen. Früher waren Rosen im Garten der Stolz der Bäuerinnen, die Zierde von Biedermeiergärtchen und Höhepunkt prunkvoller Schlossgärten. Heute würden sich Gartenbesitzer freuen über einen solchen Garten. Doch zwischen einst und jetzt liegen viele Jahre, die den Rosen nicht gut bekommen sind: Kriege, Zerstörung – und eine Gartenmode, die sterilen Rasen und Zwergkoniferen in bayerische Gärten brachte. Allenfalls neue, robuste Edelrosenzüchtungen durften den Vorgarten in Reih und Glied bewachen. Die alten, üppig wachsenden, duftenden Rosen starben vielfach mit ihren Besitzern oder dem Abriss der alten Häuser. Diese alten Rosen wiederzufinden und zu bewahren hat sich der Rosengarten Trostberg zum Ziel gesetzt.

Rosenblüte im Juni

Am schönsten ist der Rosengarten im Monat Juni. Dann blühen Hunderte von Rosensorten üppigst, sie erklettern alte Bäume und überziehen diese mit weißen Puschelblüten, andere bleiben klein und präsentieren ihre duftenden rosa Blütenteller auf Augen- und Nasenhöhe.

Der Trostberger Rosengarten besteht zwar erst seit dem neuen Jahrtausend, aber der Ort hat eine lange Gartenhistorie.

Große, prachtvolle Blütenköpfe beeindrucken die Besucher des Chiemgauer Rosengartens

Große, prachtvolle Blütenköpfe beeindrucken die Besucher

Er liegt zu Füßen des alten Trostberger Schlosses Schedling, das im Jahr 1361 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. Der jetzige Rosengarten war in seinem unteren Teil zu dieser Zeit vermutlich Wiesen- oder Ackerland. Im Jahr 1862 richteten die Englischen Fräulein in dem alten Schlossgebäude eine Schule ein und legten Gemüse- und Obstgärten an. Einige ihrer alten Obstbäume stehen noch heute im Rosengarten. Als die Englischen Fräulein Trostberg 1998 verließen, übernahm die Stadt erneut das Schloss und den Garten.

Marita Protte sammelte zu dieser Zeit bereits zehn Jahre lang historische Rosen der Region und vereinbarte mit der Stadt, den alten Klostergarten in einen öffentlichen Rosengarten umzuwandeln. Sie gründete einen Verein, der bis heute den Garten liebevoll pflegt, und zwar ohne Kunstdünger und ohne chemische Spritzmittel. Über dreihundert Rosensorten wachsen und blühen derzeit im Rosengarten. Die meisten sind Fundrosen aus Bayern, Österreich und zunehmend auch aus anderen europäischen Ländern. Es sind Rosen mit Geschichte, Rosen von außergewöhnlicher Lebenskraft. Sie haben Vernachlässigung und raue Witterung überstanden, den Abriss alter Gebäude in ihrer unmittelbaren Umgebung überlebt und sind oft Jahrhunderte alt.

Die alten Sorten durch Stecklinge bewahren

Trostberger Rosengarten im Chiemgau

Marita Prottes Lieblingsrose: Rosa Alba Semiplena

Auf Anfrage können RosengärtnerInnen für eine Spende Stecklinge von Fundrosen bekommen. Oberstes Anliegen des Rosengartens ist es, die alten Sorten zu erhalten – auch durch möglichst viele Rosenfreunde, die sich um ihre Lieblinge kümmern. Der Rosengarten steht in engem Kontakt mit dem Europa-Rosarium in Sangerhausen, das die weltgrößte Rosensammlung besitzt, und tauscht Ableger seltener Fundrosen aus. Alle zwei Jahre, wieder 2016, findet im Juni ein großes Rosenfest statt, bei dem Stecklinge abgegeben werden. Der genaue Termin kann bei der Stadt Trostberg oder bei Marita Protte (08621-7184) erfragt werden.

Und was ist – ganz zum Schluss – die Lieblingsrose der Rosenspezialistin? „Die Rosa Alba Semiplena!“, kommt es ganz spontan. Die wunderbar duftende halbgefüllte weiße Strauchrose liegt ihr ganz besonders am Herzen – ein paar Hundert andere alte Rosensorten kommen allerdings gleich danach.

Trostberger Rosengarten im Chiemgau
Tipp

Der Rosengarten ist jederzeit frei zugänglich – er soll keine kommerzielle Einrichtung werden, sondern allen Natur- und Rosenliebhabern ganz einfach Freude machen.

 

Damit ist es der perfekte Platz für einen romantischen Tag mit eurem/r Liebsten. Entspannung, Ruhe und duftende Rosenblüten eignen sich hervorragend, z.B. für ein schönes Picknick. Genießen Sie Ihre Zweisamkeit –  im Trostberger Rosengarten!


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