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Wie Biathlon nach Ruhpolding kam – Anton Plenk war dabei

Datum: 22. Oktober 2015 . Autor: Siegi Huber . Kategorie: Ausflugsziele . Langlaufen . Orte . Region . Ruhpolding . Winter . Winterevents
Anton Plenk war von Anfang an dabei
Siegi Huber

Wenn am 12. Januar 2016 der Biathlon-Weltcup im Ruhpoldinger Championspark feierlich eröffnet wird, dann ist das der mittlerweile 32te. Dazu kommen vier Weltmeisterschaften in der Chiemgau Arena am Zirmberg. Doch die eigentliche Wiege des Biathlons liegt in Inzell, genauer gesagt im Bereich der Schmelz. Dort hatte die Bundeswehr Bad Reichenhall ihren Stützpunkt.

Anton Plenk mit seinen Erinnerungen

Anton Plenk mit seinen Erinnerungen

Erst 1970 sind in Ruhpolding zum ersten Mal Wettkämpfe ausgetragen worden. Mit den Bayrischen Meisterschaften hat man klein angefangen. Einer, der von Anfang an dabei gewesen ist, ist Anton Plenk. Der heute 83-jährige ist seit dieser Zeit als ehrenamtlicher Helfer dabei. Mit einem Schmunzeln erinnert er sich an die ersten Versuche am sogenannten Maurerhals mit Ziel an der Ampel beim Hallenbad.

„Da haben wir immer darauf gehofft, dass dort die Fußgänger stehen bleiben und zuschauen.“ Anstrengend ist das alles auch für die Helfer gewesen. Schließlich mussten unter anderem rund 1.000 Luftballons aufgeblasen werden. Diese wurden in Löchern hinter einer Wand verstaut und dienten als Zielscheiben. Geschossen wurde mit Großkalibrigen Waffen aus einer Entfernung von 150 Metern. „Da hat kaum einer was getroffen“, weiß Plenk und berichtet von manchem Schützen, den der Rückstoß des Gewehrs umgeworfen hat. Ausgewertet wurde in mühsamer Kleinarbeit und auch die Zeit musste mit der Hand gestoppt werden.

Erste Pläne für eine Anlage am Zirmberg gab es 1972. Treibende Kräfte waren unter anderem Hans Pichler (Oberhauser) und der unvergessene Theo Merkel. Merkel hat 1968 in Grenoble als Biathlet an den Olympischen Spielen teilgenommen und ist leider 2002 viel zu früh verstorben.

Peter Angerer mit Axt und Säge

Der damals 14-jährige Herbert Fritzenwenger weiß noch ganz genau, wie er und die Mitglieder der Trainingsgruppe zu Axt und Säge gegriffen haben. Mit dabei gewesen sind Walter Pichler und ein gewisser Peter Angerer, der spätere Olympiasieger von Sarajevo, 1984. „Das war keine Frage, ob wir da mit anpacken. Das ist uns egal gewesen, wir haben das wie ein Training gesehen“, sagt Fritzenwenger, der seit Jahren die Biathlonübertragungen beim ZDF mit kommentiert. Nach dem Bau des Schießstandes folgte kurze Zeit später eine Asphalt-Rollerbahn. Der Lohn der Anstrengungen: der Zuschlag für Ruhpolding, im Jahr 1979 die Weltmeisterschaft ausrichten zu dürfen.

Dazu wurde ein Jahr zuvor ein Vorwettbewerb durch den SC Ruhpolding zusammen mit der Bundeswehr durchgeführt. In diesem Jahr erfolgte auch die Umstellung auf die Kleinkalibergewehre. So nahmen an dieser WM knapp 300 Sportler aus 26 Nationen teil und an fünf Wettkampftagen zählten die Ruhpoldinger etwa 4.000 Besucher. Auch das Fernsehen ließ sich am Zirmberg blicken, worüber sich Anton Plenk jedoch noch heute ärgert: „Wenn die immer behaupten, sie sind Biathlonpioniere, dann stimmt das einfach nicht. Zuvor hat sich da nie jemand blicken lassen.“

Fritz Fischer führt 1992 Deutschland zu Gold

Immerhin haben die Ruhpoldinger mit dieser WM international Eindruck hinterlassen und schon 1985 bekamen sie erneut den Zuschlag. Diesmal waren es bereits um die 30.000 Fans und sie sahen einen dritten Platz der westdeutschen Staffel mit Herbert Fritzenwenger, Walter Pichler, Peter Angerer und Fritz Fischer. Letzterer hatte 1992 bei Olympia in Albertville seinen großen Auftritt, als er als Schlussläufer Gold für Deutschland in der Staffel holte. Unvergessen, als er mit der deutschen Fahne ins Ziel gelaufen ist.

Ein nächster Meilenstein für den Biathlonsport in Ruhpolding war die dritte Ausrichtung einer Weltmeisterschaft 1996. Mit 50.000 Zuschauern wurde eine neue Dimension bei den Zuschauerzahlen erreicht. Diese Zeit ist unter anderem von Uschi Disl, Martina Zellner und Ricco Groß geprägt worden. „Ruhpolding ist mein Wohnzimmer“, bemerkte Groß. Er ist kurz nach der Wende aus Sachsen nach Ruhpolding gekommen. Wegen seiner vier olympischen Goldmedaillen und neun Weltmeistertiteln hat ihn der SC Ruhpolding zu seinem Ehrenmitglied ernannt. Eine Bronzestatue in der Chiemgau Arena erinnert ebenfalls an seine Erfolge.

Den endgültigen Durchbruch zur Wintersportart Nummer 1 schaffte der Biathlon zur Jahrtausendwende. Ungläubig hat auch Anton Plenk diese Entwicklung verfolgt. Seit 40 Jahren schickt er die Athleten aus dem Starthaus auf die Loipe. „Von manchem habe ich schon den Vater oder Großvater gekannt. Das alles ist mit früher nicht zu vergleichen. Es ist damals halt weitaus familiärer zugegangen. Auch die Sportler haben sich verändert. Ansprechen ist nicht erlaubt, sie sind sehr konzentriert. Jeder zupft an ihnen und will was wissen.“

WM 2012 der Meilenstein

WM 2012 aus der Vogelperspektive (Foto von Peter Faßbender)

WM 2012 aus der Vogelperspektive (Foto von Peter Faßbender)

Vor allem die Weltmeisterschaft 2012 hat bei dem 83-jährigen bleibende Eindrücke hinterlassen. Der Umbau der Chiemgau Arena kurz davor zu einer der weltbesten Anlagen, hunderte von VIP-Gästen, die im großen Zelt für viel Geld verköstigt wurden. Hochrangige Politiker und Sportstars wie Franz Beckenbauer lassen sich bei solchen Gelegenheiten gerne sehen. 220.000 Zuschauer pilgerten zu den Rennen in die Arena.

 

 

Nicht zu vergessen, der Wirbel um die bisher beste deutsche Biathletin, Magdalena Neuner. 2006 hat sie ihr Debüt im Weltcup in Ruhpolding gegeben. Nach zwei Goldmedaillen bei Olympia und

Neuner bei der JWM 2008

Magdalena Neuner bei der JWM 2008

12 WM Titeln hat sie 2012 in Ruhpolding Abschied von ihrer aktiven Karriere gefeiert. Da ist sie gerade mal 25 Jahre alt gewesen und hatte alles gewonnen, was es in ihrer Sportart zu gewinnen gibt. Noch keinen Abschied plant Anton Plenk, was seine Biathlonkarriere betrifft. „A bisserl mach ich noch“, sagt er lachend und gibt auch gleich sein Ziel bekannt: „2020 wird der Skiclub Ruhpolding 100 Jahre alt, da möchte ich schon noch dabei sein.“

 

 

Abendrennen in der Chiemgau Arena im Chiemgau
Tipp

Siegi Huber berichtet bereits seit 20 Jahren über den Biathlon in Ruhpolding und durfte schon einige interessante Interviews geben. In seiner G’schichte erzählt er über die aufregende Zeit beim Biathlon.

 


Datum: 22. Oktober 2015 . Autor: Siegi Huber . Kategorie: Ausflugsziele . Langlaufen . Orte . Region . Ruhpolding . Winter . Winterevents
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