Fritz Fischer hat mit der Staffel 1992 ein goldene Olympiamedaille gewonnen.

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Das Training
der Profis
Biathlon-Legende Fritz Fischer im Interview über professionelles Training, die „Schule des Lebens“ und Sportlerernährung.

Fritz Fischer ist ehemaliger Top-Biathlet, Olympiasieger und früherer Nationaltrainer. Er hat die Kombination aus Langlaufen und Schießen perfektioniert. Beim Staffellauf der Olympiade 1992 in Albertville lieferte er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Teams aus Russland und Norwegen. Im entscheidenden Moment bewahrte der bayerische Sportler einen kühlen Kopf: In nur 5,8 Sekunden traf er fünf Mal ins Schwarze, noch immer absoluter Schießrekord! Kurz vor dem Ziel überreichte ihm seine Mannschaftskollegin Uschi Disl die deutsche Flagge. Damit war der heute 62-Jährige wahrscheinlich der erste Sportler, der mit einer Nationalflagge in der Hand in ein olympisches Ziel einlief. Das Bild ging um die Welt.


Fritz Fischer ist nicht nur aus sportlicher Sicht eine Legende. Seine Fans lieben vor allem seine menschliche Seite, bis heute stehen sie ihm besonders nahe. Er war (und ist) stets gut gelaunt, immer für einen Spaß zu haben und sich nicht zu schade, die im Regen stehende Fangemeinde am Streckenrand aufzumuntern. Ein Biathlet mit Leib und Seele. Er verrät im Interview, wie Profis trainieren, warum Biathlon das Leben bereichert und wie man seinen inneren Schweinehund überwindet.

Fritz, du warst Biathlet und später Nationaltrainer. Wie trainieren Profis? 

Fritz Fischer: „Jedenfalls die meiste Zeit nicht im Schnee. Nach dem Urlaub im April beginnen die Sportler am 1. Mai mit dem Grundlagen-Ausdauertraining. Sie müssen ihren Körpern die Chance geben, sich nach dem Rennzirkus zu erholen. Es stehen Belastungen im untersten Stabilisierungsbereich am Programm, also Radfahren und Joggen. In vier bis sechs Wochen legen die Profis so die Grundlage für das eigentliche Training. In dieser Zeit trainieren sie auch das Schießen ohne Belastung und Stress. Es ist wie in der Natur, alles wird langsam von Neuem aufgebaut.“ 

Das meiste Training findet also im Sommer statt. Wie trainieren Athleten Wintersport bei bis zu 30 Grad Celsius? 

„Dafür gibt es den Skiroller, der ist genauso schnell wie der Ski und auch Material und Stock sind dieselben. Damit machen die Athleten viele, viele Kilometer. Wenn der erste Schnee fällt, ist das meiste Training schon passiert.“
 

Fritz Fischer ist ehemaliger Nationaltrainer.

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Auch der Trainer ist maßgebend für den Erfolg. Du kennst die Seite des Athleten und warst selbst Trainer. Was macht einen guten Trainer für dich aus?

„Der beste Trainer bist eigentlich du selbst, der Athlet. Dein Trainer muss dich ins Boot holen und Rückmeldung von dir verlangen. Das ist auch bei der Ernährung wichtig. Ich musste immer Milch trinken und habe sie überhaupt nicht vertragen. Das macht doch keinen Sinn, ein Trainer muss auch auf den einzelnen Sportler eingehen.“

Apropos Ernährung: Dazu gibt es so viele Meinungen und Studien, das kann man ja gar nicht richtig machen. Wie wichtig findest du dieses Thema? 

„Man soll’s nicht übertreiben. Eine gesunde Mischkost ist immer gut. Für das Krafttraining ist eine eiweißhaltige Ernährung und für den Konditionsaufbau eine kohlenhydratreiche Kost wichtig. Ob ein Athlet aber Kartoffeln, Nudeln oder Reis isst, das ist mir egal. Zwei bis drei Tage vor dem Wettkampf gilt es, vermehrt Kohlenhydrate zu sich zu nehmen, damit der Akku immer voll ist. Und nach dem Wettkampf darf es dann auch mal ein Schweinsbraten sein, wenn es den Sportler glücklich macht.“ 

Glücklich macht dich ja bekannterweise nicht nur der Schweinsbraten, sondern auch der Chiemgau. Warum ist diese Region aus deiner Sicht der ideale Ort für Biathlon? 

„Die Atmosphäre hier ist besonders. Wir haben ein Stadion, wo der Zuschauer den Sportlerinnen und Sportlern so nah wie sonst nirgends kommt. Dazu die Landschaft, die Atmosphäre, die Aura des Tals und die Tradition, die Ruhpolding zu einem besonderen Ort machen. Biathlon ist hier über die letzten 40 Jahre gewachsen. Die Leute helfen einfach ‚zamm’ und der Athlet spürt die Wertschätzung der Fans. Was Wimbledon im Tennis ist, ist für mich Ruhpolding im Biathlon.“

 

Ein stolzer Olympiasieger 1992: Fritz Fischer

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Fritz Fischer bei Olympia 1992: Mit der Nationalfahne läuft er ins Ziel.

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Fritz Fischer war Trainer des deutschen Biathlon-Nationalteams.

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Biathlon scheint wirklich dein Leben zu sein. Kannst du in Worte fassen, was den Biathlon für dich ausmacht? 

„Biathlon ist die Schule des Lebens. In der heutigen Zeit gibt es immer mehr Stress und Hektik. Sport in der Natur wirkt dem entgegen. Ich kann nur jedem empfehlen, einmal diese Kombination aus Langlauf und Kopfarbeit zu probieren, um zu merken, wie wichtig der eigene Körper und die eigene Konzentration sind. Das wird im Leben immer bedeutsamer. Und das kann Biathlon vermitteln.“ 

 

Die Moas Alm in Ruhpolding

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Okay! Und wie triffst du mit einem Puls von 180 ins Schwarze? 

„Für einen Biathleten ist das Schießen unter Belastung der tägliche Job. So wie du beim routinierten Autofahren nicht mehr über Gas, Bremse und Gangschaltung nachdenken musst, hilft dem Sportler auch sein Unterbewusstsein. Bei einem Puls von übrigens meist nur 160 – denn Sportler fahren automatisch mit dem Puls herunter, wenn sie zur Schießanlage kommen – musst du die Bewegung abfangen. Atemstopp, dann bricht der Schuss. Das ist G’spür und Training.“

G’spür und Training – ist das die Zauberformel?

„30 Prozent sind Talent und 70 Prozent harte Arbeit. Die Seriensieger haben erkannt, dass sie ein Talent haben und fangen dann erst mit der Arbeit an.“

 

Schießtraining mit Fritz Fischer

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Hast du noch einen abschließenden Tipp für angehende Biathleten?

„Auch Fehler gehören dazu. Ich habe bei meinem ersten Wettkampf mein Gewehr statt auf Einzelfeuer auf Feuerstoß gestellt. Damit hatte ich mit einem Schuss meine ganze Munition verpulvert. Das passiert und gehört dazu. Um zum Berg zu kommen, musst du durch das Tal gehen und der Sport hilft dir da durchzukommen.“

 

Ein spaßiges Interview mit Fritz Fischer

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Nachgefragt-BOX: Die sportliche Laufbahn von Fritz Fischer


Unsere Autorin Verena hat Fritz Fischer an einem winterlichen Januartag in seiner „Moas Alm“ zum Weißwurstfrühstück getroffen. Dorthin lädt der ehemalige Biathlet und Trainer gerne Freunde ein. Die Hütte ist auch Treffpunkt für Fischers Jedermann-Trainings wie beispielsweise "Biathlon erleben". Gelaufen und geschossen wird gleich ums Eck in der Chiemgau Arena. Dazu kamen Verena und Fritz Fischer allerdings nicht, weil sie sich auf gut bayerisch „verratscht“ haben. Hier noch ein paar Fakten: Fritz Fischer, geboren am 22. September 1956 in Kelheim, gewann drei Olympiamedaillen, holte sich sieben Medaillen bei Weltmeisterschaften und schaffte einen Gesamtweltcup-Sieg. Seine Trainerlaufbahn begann 1994 als Nachwuchstrainer des DSV und endete 2014 als Bundestrainer der Herren. Seither begeistert er mit seinem Biathlon-Camp Hobbysportler für den Zweikampf

Olympische Winterspiele:

  • 1984: 1 × Bronze (Staffel)
  • 1988: 1 × Silber (Staffel)
  • 1992: 1 × Gold (Staffel)

Gesamtweltcup-Sieg: 1 × 1987/88

Weltcupsiege: 10

Weltmeisterschaften:

  • 1981: 1 × Silber (Staffel)
  • 1985: 1 × Bronze (Staffel)
  • 1987: 1 × Bronze (Staffel)
  • 1989: 1 × Silber (Mannschaft), 1 × Bronze (Einzel)
  • 1991: 1 × Gold (Staffel)
  • 1993: 1 × Gold (Mannschaft)

Trainerlaufbahn:

  • Ab 1994: Nachwuchstrainer des DSV
  • 1994 - 1996: Ausbildung zum Diplomtrainer
  • 2000 - 2003: Nationaltrainer der Junioren
  • 2003 - 2007: Nationaltrainer der Herren
  • 2007 - 2010: Nachwuchstrainer des DSV
  • 2010 - 2014: Bundestrainer der Herren
Die Moas Alm und Fritz Fischer gehören zusammen.

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