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Leise Eroberung des Chiemgauer Luftraums mit einer Ballonfahrt

Datum: 23. Januar 2017 . Autor: Judith Schmidhuber . Kategorie: Aktiv . Gleitschirmfliegen & Luftsport . Inzell . Veranstaltungen . Winterevents
Ballonfahrt im Chiemgau
Judith Schmidhuber

Der Chiemgau ist das Eldorado der Ballonpiloten – zu jeder Jahreszeit. Das liegt an der sensationellen Aussicht und reichlich Landeplätzen.

Ein Ballon fliegt nicht, er fährt.“ Die erste Belehrung erfolgt schon, bevor ich den Ballon überhaupt zu Gesicht bekommen habe. Mit Theo Mayerhöfer vom Ballonclub Truna werde ich heute in die Luft gehen.

Theo Mayerhöfer bereitet die Ballonfahrt vor

Theo Mayerhöfer bereitet die Ballonfahrt vor

Ein alter Hase in dem Geschäft: Der pensionierte Polizeihubschrauberpilot hat bald 1000 Starts mit dem Heißluftballon im Luftfahrtbuch stehen, die meisten Fahrten absolvierte er über dem Chiemgau. Nicht nur, weil er hier wohnt. „Der Chiemgau ist das Eldorado für uns Ballonfahrer“, sagt der Truchtlachinger. Schon klar, die Aussicht auf Seen und Berge ist wird phänomenal sein, darauf freue ich mich schon. Der Gedankengang des Pilots ist da weniger romantisch: „Die vielen Wiesen sind wichtig. Damit man leicht einen Landeplatz findet.

Ballonfahren bedeutet: Propangas und 90 Grad

Vor der Landung müssen wir erst mal starten. Alle Mitfahrer packen an, um die Ballonhülle auszubreiten. Theo Mayerhöfer platziert einen überdimensionalen Ventilator am unteren Ende und im Nu füllt sich die bunte Hülle mit Luft. Dann lässt er den Brenner am Ballonkorb fauchen: Das Propangas erhitzt die Luft in der Hülle auf 90 Grad und der Ballon richtet sich auf. „Wer mitfahren will, muss jetzt einsteigen“, ruft er mir zu. Ich eile zum Korb, er hilft mir hinein und schon macht der Pilot die Sicherungsleine los: Wir heben ab und die Ballonfahrt beginnt.

Der Chiemsee wirkt bei der Ballonfahrt nur eine Hand breit

Meine Mit"fliegerin" bei der Ballonfahrt im Chiemgau

Meine Mitfahrerin bei der Ballonfahrt im Chiemgau

Der Ballonkorb steigt mit einem Tempo, das mich an eine Aufzugfahrt erinnert. Binnen Sekunden schweben wir über den Fichtenwald hinweg. Mit jedem Höhenmeter verblasst der Unterschied zwischen Hügeln und Tälern zunehmend. Wälder, Felder, Weiden und Wege unter uns wirken mit einem Mal so klein. Dörfer sehen aus, als lägen sie nur ein paar Meter auseinander. Ich sehe Kirchtürme, Siedlungen und Straßen mit Spielzeugautos, die wie Ameisen auf der Bundesstraße Richtung Traunstein schleichen. Ich zähle die Schleifen der Alz, der einzige Abfluss des Chiemsee schlängelt sich in etliche Kurven durch die Landschaft. An den Details kann ich mich kaum satt sehen. Und auch nicht an der Tatsache, dass der Chiemsee nur eine Hand breit ist. Zumindest in 2000 Metern Höhe. Oder 6000 Fuß, wie Ballonpiloten zu sagen pflegen. Das Sonnenlicht lässt die Wasseroberfläche glitzern. Ich erkenne den Seeoner See, den Griessee, den Obinger See. Wer braucht da noch Landkarten, wenn er Ballonfahren kann?

Aussicht in fast völliger Stille

Bei der Ballonfahrt genießt man die Aussicht in fast völliger Stille. Nicht einmal den Wind hört man rauschen. Nur Theo Mayerhöfers Funkgerät macht auf sich aufmerksam. Ein paarmal nimmt er es zur Hand und gibt unsere Position durch. „Salzburg Radar will immer wissen, wo sich ein Ballon befindet“, erklärt er. Ein Lenkrad gibt es freilich nicht, die Richtung gibt die Natur vor. „Aber man kann Steigen und Sinken. In verschiedenen Höhen herrschen unterschiedliche Windrichtungen.“ Heute ist Hochdruckwetter vorhergesagt, lasse ich mir erklären. Der Wetterbericht scheint ohnehin der beste Freund eines Heißluftballonpiloten zu sein. „Die Berechnungen sind mittlerweile sehr genau. Dank Internet bekommt man schnell Infos von Meteorologen über Windgeschwindigkeiten und -richtungen in allen Höhenlagen. Die stimmen aber nicht immer ganz genau. Wie es wirklich ist, das spürt man erst oben.“ In der Regel treibt der Wind den Ballon in den Morgenstunden Richtung Norden, erklärt Theo Mayerhöfer. „Da strömt die Luft von den kalten Bergen zum warmen Chiemsee. Abends ist es anders herum.

Ballonwoche in Inzell

Nach eineinhalb Stunden geht der Treibstoff zur Neige, eine Wiese nahe Traunstein wird zum Landeplatz. Und es stellt sich nur eine Frage: „Wann fahren wir wieder?“ Zum Beispiel in der letzten Januarwoche in Inzell, da sind ab Sonntag, 24. Januar, 17 Heißluftballon-Teams zu Gast im Chiemgau. Zur Ballonwoche treffen sich traditionell eine ganze Reihe Piloten aus den Niederlanden. Sie haben vor vielen Jahren Gefallen an dem Urlaubsort gefunden und treffen sich seitdem jedes Jahr in Inzell. Sie heben – vorausgesetzt Petrus spielt mit – täglich ab und haben reichlich Platz für Fahrgäste.

Ein herzliches Dankeschön geht an die Inzell Touristik GmbH, die uns die Bilder der Ballonwoche zur Verfügung gestellt haben!

Konzentration, damit kein Gewirr entsteht
Tipp

Wer den Chiemgau von oben sehen möchte und gleichzeit aktiv sein will, der kann auch das Gleitschirmfliegen ausprobieren. Lesen Sie in unserer G’schichte, wie ich mit einem Tandemflug die Landschaft erkunde.


Datum: 23. Januar 2017 . Autor: Judith Schmidhuber . Kategorie: Aktiv . Gleitschirmfliegen & Luftsport . Inzell . Veranstaltungen . Winterevents
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