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Die beste Aussicht auf den Chiemgau: Ein Gleitschirmflug

Datum: 15. August 2015 . Autor: Judith Schmidhuber . Kategorie: Aktiv . Bergen . Gastbeitrag . Gleitschirmfliegen & Luftsport . Orte . Region . Reit im Winkl
Über dem Chiemsee im Chiemgau
Judith Schmidhuber

Freilich bin ich schon geflogen. Mit dem Flugzeug. Und einmal die Treppe hinunter. Aber so richtig in der Luft war ich noch nie. Das wird sich gleich ändern: Die Gondel der Hochfellnseilbahn rauscht der Bergstation entgegen. Drei Gleitschirmpiloten haben riesige Rucksäcke dabei, der von Robert Bönisch ist am größten. Robert ist Fluglehrer und Tandempilot. Mit ihm gehe ich heute in die Luft. „Das kann jeder“, meint er ganz lapidar.

„Aber meistens macht man es nicht nur einmal.“

Na da bin ich ja gespannt! Nur Fliegen ist schöner, heißt es ja immer. Eigentlich habe ich mir noch gar nicht groß Gedanken gemacht, wie das wohl sein wird in der Luft. Alles was ich im Kopf habe ist die Aussicht. Die stell‘ ich mir einmalig vor! Und dabei ist sie das ja schon am Gipfel des Hochfelln: Unten sieht man ein Meer aus Wiesen, Wäldern, Orten, Feldern, Wasser. Und das bayerische Meer natürlich! Die Größe des Chiemsees wird einem von oben erst richtig bewusst. Gut, der Hochfelln gilt ja nicht umsonst als „Dach des Chiemgaus“. Deshalb schätzen ihn die Gleitschirmflieger auch so.

Robert Bönisch und der Traum vom Fliegen

Konzentration, damit kein Gewirr entsteht

Konzentration, damit kein Gewirr entsteht

An der Südostseite, neben dem Hochfellnhaus und der Kapelle, da breiten die Piloten ihre Schirme aus. Der Stoff raschelt, die Männer machen Witze und ratschen. Ideales Flugwetter ist das heute, strahlend blauer Himmel: „Da hält‘s einen Gleitschirmflieger nicht am Boden“, erzählt mir einer, der seinen blau-weißen Schirm im Gras ausbreitet. Wie die Piloten es schaffen, das Gewirr aus lauter dünnen Seilen ordentlich zusammenzulegen ist mir ein Rätsel. „Das geht ganz einfach, alles Routine“, meint Robert. Gut, er hat es ja gelernt. Vor zehn Jahren hat der Aschauer mit seiner Gleitschirmkarriere begonnen.

Als wäre er von einem Virus infiziert worden, so sei das gewesen, sagt er. „Ich wollte das einfach machen. Fliegen, alleine in der Luft sein, die Ruhe und Sicht genießen. Und seitdem kann ich gar nicht mehr aufhören.“ Wie oft er schon geflogen ist, kann er gar nicht sagen. „Da zählst du irgendwann nicht mehr mit.“ Mehrere tausend Mal bestimmt. Nicht nur im Chiemgau, sondern auf Bergen in der ganzen Welt. Der Fluglizenz folgten damals der Tandemschein und die Fluglehrerausbildung. Seitdem sorgt Robert Bönisch dafür, dass Nachwuchspiloten in der Chiemgauer Bergwelt das nötige Rüstzeug erlangen. Wissen über Auf- und Abwinde, Flugtechniken und jede Menge Fachbegriffe, die mir rein gar nichts sagen. Aber die braucht’s, damit sich der Traum vom Fliegen erfüllt.

Countdown zum Gleitschirmflug

Von meinem bin ich nur noch ein paar Minuten entfernt. Und das ohne große Schulung. Tandemfliegen macht’s möglich. Ich brauche lediglich einen Helm aufsetzen, den Rucksack anlegen und werde mit mehreren Gurten gesichert. Robert erklärt mir noch, durch welche Schlaufen ich in der Luft meine Hände stecken kann und wie ich mich dann am besten hinsetze. Wie das gehen soll, ist mir zwar noch schleierhaft, aber ich habe da vollstes Vertrauen. „Da schau her, darfst du heut mit dem Profi fliegen?“ hat ein grauhaariger Gleitschirmpilot vorher in der Gondel anerkennend gemeint. Also habe ich absolut keine Bedenken: Das wird geil!

Fluglehrer Rober Bönisch beim Tandemflug mit Judith Schmidhuber

Fluglehrer Rober Bönisch beim Tandemflug mit Judith Schmidhuber

Vor dem Start hakt Robert sein Gurtzeug ein, wir hängen jetzt aneinander. Dann zieht er mit beiden Armen den riesigen rot-weißen Tandemschirm nach oben. Der ist viel größer, als die Schirme derer, die vor uns gestartet sind. Aber er muss ja auch zwei Personen tragen. Es ist ziemlich windig, es geht jetzt alles ganz schnell. „Lehn‘ dich nach vorne und mach ein paar Schritte“, weist er mich an. Ich bewege also den rechten Fuß – und da hebt der linke schon von selber ab! Es geht so schnell, dass ich es erst nach ein paar Sekunden realisiere: Da ist ja gar nichts dabei!

 

Keine Überwindung, keine Schrecksekunde, ja wow! Ich hänge also in der Luft und bin baff. Jetzt kann ich mich auch so hinsetzen, wie Robert es mir vorher erklärt hat. Der Rucksack hing ja ziemlich tief, er dient mir jetzt als Sitz. Bequem nach hinten gelehnt, steigen wir in die Höhe. Und die Piloten unten am Hang werden immer kleiner. Wir rauschen in den Himmel, ein Fahrstuhl ist ein Witz dagegen! Neben meinem linken Ohr piepst es, der Höhenmesser überschlägt sich fast. Robert kann es selber kaum glauben: „Heute ist ein unglaublich guter Wind, das erlebt man selten. Da können wir ewig in der Luft bleiben.“ Ewig? Hört sich gut an!

Hoch hinauf im Tandemflug

In Nullkommanix lassen wir den Berg hinter uns, wir steigen stetig nach oben, es piepst und der Wind rauscht. Kalt ist es nicht, obwohl wir uns mittlerweile auf 1.800 Metern befinden. Wir sausen mit 40 Kilometern pro Stunde über die Gipfel hinweg. Meine Beine baumeln, mehrmals muss ich überlegen, ob ich meine Schuhe gut genug geschnürt habe. Der Bergwald ist direkt unter uns, die Seilbahn nur noch als dünner Strich zu erkennen. Ich schaue in den Himmel, zum Gleitschirm hoch. Robert zieht rechts und links an den Seilen, wir fliegen ein paar Kurven. Die Ortschaften sind gut zu erkennen. Das langgezogene Übersee liegt direkt vor uns, Traunstein und den Hochberg kann ich ausmachen, die Talbrücke bei Bergen. Robert zählt sämtliche Berggipfel auf, auch die österreichischen. Mir ist das immer ein Rätsel, wie man die alle kennen kann. Bei ihm wundert’s mich nicht. Ein Gleitschirmpilot kennt die Berge wie seine Westentasche.

Manöver wie bei einer Achterbahnfahrt

Wieder festen Boden unter den Füßen - nach einem berauschenden Gleitschirmflug

Wieder festen Boden unter den Füßen – nach einem berauschenden Flug

Irgendwann wird es aber Zeit, die luftigen Höhen zu verlassen. Robert lässt den Gleitschirm wie in einer Spirale nach unten sinken, zeitweise lassen wir uns von rechts nach links pendeln. Was er normalerweise mit Tandemgästen nicht macht – ich bestehe aber darauf, alle Manöver kennenzulernen. Schlecht wird mir nicht leicht, auch in der Achterbahn nicht. Das Trudeln kommt mir ganz ähnlich vor. Es macht riesigen Spaß! Und dann liegt schon der Landeplatz vor uns, Robert steuert mittig darauf zu, wir schweben langsam nach unten – und schon hat uns die Erde wieder. Im Flugzeug applaudiert man bei butterweichen Landungen ja gerne. Das wäre jetzt wohl auch angebracht. Ich lass‘ es bleiben. Beim nächsten Mal vielleicht.

 

Traum vom Fliegen
Tipp

Der Traum vom Fliegen kann ganz einfach Wirklichkeit werden. Unter www.geh-fliegen.de finden Sie alle Voraussetzungen für einen Tandemflug. Außerdem informiert Robert Bönisch auf seiner Internetseite auch über die Ausbildung zum Gleitschirmpiloten.


Datum: 15. August 2015 . Autor: Judith Schmidhuber . Kategorie: Aktiv . Bergen . Gastbeitrag . Gleitschirmfliegen & Luftsport . Orte . Region . Reit im Winkl
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