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In 40 Minuten auf den Gipfel des Hochfelln

Datum: 2. September 2015 . Autor: Judith Schmidhuber . Kategorie: Aktiv . Almen . Ausflugsziele . Bergen . Genuss . Klettern & Bergerlebnisse . Orte . Region . Veranstaltungen . Wandern
Helmut Schiessl beim internationalen Hochfelln-Berglauf im Chiemgau
Judith Schmidhuber

Einer der bekanntesten Berge des Chiemgaus ist auch einer, den man aus weitem Umkreis sieht. Sogar das Hochfellnhaus und die Bergstation der Hochfellnseilbahn in 1674 Metern sind gut zu erkennen. Dreieinhalb Stunden bin ich unterwegs, wenn ich von der Talstation zu einer Wanderung aufbreche. Und eigentlich dachte ich immer, das sei ein ganz passabler Schnitt für den Chiemgauer Hausberg. Bis ich das erste Mal beim Hochfellnberglauf zugesehen habe.

Die Laufsportler schaffen dieselbe Strecke in einer dreiviertel Stunde. Rennend! Zu Fuß! Kein Witz! Hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, würde ich es nie glauben. Das Tempo ist ein Wahnsinn! Das ist der Grund, warum an jedem letzten Sonntag im September hunderte Zuschauer den Hochfelln bevölkern, um sich das spektakuläre Rennen bergauf anzusehen. Die besten Bergläufer der Welt treffen sich in Bergen. Der Hochfellnberglauf hat eine lange Tradition und gehört zu den angesehensten Berglaufveranstaltungen überhaupt. Heimische Starter trainieren das ganze Jahr über, um mithalten zu können. Wer sich schon mal gewundert hat: Deshalb begegnen einem auf dem Wanderweg auch immer so viele Läufer. Deren zu hunderten sind am 27. September bei der 42. Auflage des Hochfellnberglaufs dabei.

Die Idee zum Hochfellnberglauf stammt von Bibi Anfang

Die Idee zum Hochfellnberglauf stammt von Bibi Anfang

Bibi Anfang, der Erfinder des Hochfellnberglaufs

Zu Beginn stand der Anfang: Bibi Anfang. Er hat den Hochfellnberglauf aus der Taufe gehoben. Eigentlich heißt der Bibi Georg. Aber so nennt den Bergener hier niemand. Er war 1974 Übungsleiter der Nordischen Abteilung des SC Bergen. Und er wollte das Sommertraining aufpeppen – so wurde Bibi zu Deutschlands Berglaufpionier. „Die Langläufer sind ja immer auf den Gletscher gefahren. Daheim mussten sie auch eine Möglichkeit haben, ihre Kondition zu verbessern. Deswegen habe ich sie mit Skistöcken den Hochfelln hinauf laufen lassen.“ Daraus entwickelte sich die Idee eines Wettbewerbs und des allerersten Berglaufs in Deutschland. Waren es anfangs noch 60 Wintersportler, meldeten sich im Laufe der Jahre immer mehr Teilnehmer. „Da waren die ersten Jahre sogar Touristen mit Bergschuhen dabei“, erinnert sich Bibi Anfang. Noch heute nutzen Spitzensportler den Hochfellnberglauf als Vorbereitung auf die Wintersaison. Mittlerweile haben die Leichtathleten das Sagen. Zwischen 300 und 500 Teilnehmer sind jedes Jahr dabei. Sie kommen aus Spanien, Italien, Großbritannien, sogar aus Eritrea und Neuseeland – und freilich auch aus dem Chiemgau. In einem Affenzahn den Berg rauf rennen, da muss man schon ein bisschen verrückt sein. Der Bibi hat von Anfang an dafür gesorgt, dass die Verrücktesten dabei sind. Deshalb ist der Hochfellnberglauf dermaßen angesehen: Hier startet das Who is Who der internationalen Berglaufszene. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes hat es sogar geschafft, dass die deutsche Berglaufmeisterschaft dreimal am Hochfelln ausgetragen wurde – und sogar die Weltmeisterschaft.

Ruhm und Ehre nach 8,9 Kilometern

Der Neuseeländer Jonathan Wyatt hat die Favoritenrolle inne. Er hält mit 40 Minuten und 48 Sekunden auch den Rekord am Hochfelln

Der Neuseeländer Jonathan Wyatt hat die Favoritenrolle inne

Ortskundige hatten in den Anfangsjahren einen entscheidenden Vorteil: Nur Start und Ziel waren vorgegeben, den Weg konnte man sich selber suchen. Und so kürzten natürlich die meisten Läufer durch den Bergwald ab – auch wenn die Route dann viel steiler war. Eine Sache, die der Deutsche Alpenverein Wanderer ja tunlichst bittet zu unterlassen. „Wir haben das dann auch irgendwann verboten“, erzählt Bibi Anfang. Vom Start an der Talstation bis zum Gipfel sind es 8,9 Kilometer – und 1000 Höhenmeter. Erst 800 Meter Teerstraße, dann der Wanderweg bis zur Mittelstation. Von dort aus führt ein Pfad zum Gipfel. Einmal meinte ein Funktionär vom Leichtathletikverband die Strecke verkürzen zu können: Ohne Bibi Anfang zu fragen, hätte er das Ziel unterhalb des letzten steilen Anstiegs vor dem Hochfellnhaus errichtet. „Da ist es zum Raufen geworden“, erinnert sich der Bergener noch gut. Das Ziel blieb schließlich dort wo es immer war und niemand traute sich mehr, sich dem Bibi entgegenzustellen.

Den Rekord von 40 Minuten und 48 Sekunden hält der neuseeländische Bergläufer Jonathan Wyatt. Acht Mal hat er schon gewonnen. Zu ihm wie zu anderen Spitzensportlern hält Bibi Anfang das ganze Jahr über Kontakt, verschickt sogar Weihnachtskarten oder Geburtstagsgrüße. „Sie sollen sich ja bei uns wohlfühlen und wieder an den Start gehen.“ Unzählige Top-Läufer unterstützt er, übernimmt sogar Anreisekosten. Damit auch heimische Hobbyläufer einen Anreiz haben, gibt es für sie eine eigene Chiemgau/Inn-Wertung. „Wir haben eine gute Mischung aus Weltklasseläufern und Breitensportlern“, sagt Bibi Anfang. Ein Sieg beim Hochfellnberglauf bringt Ruhm und Ehre – und steigert den Marktwert des Sportlers. Viele haben ja Sponsorenverträge und verdienen mit dem Sport ihren Lebensunterhalt.

Hochfellnseilbahn fährt schon ab 7 Uhr früh

Bis zur Mittelstation laufen die Teilnehmer durch den Bergwald. Auf dem Foto kann man den Streckenverlauf zwischen den Almen und dem Hochfellnhaus gut erkennen.

Der Streckenverlauf zwischen den Almen und dem Hochfellnhaus

Die Zuschauer haben einen entscheidenden Vorteil: Sie brauchen nicht zu rennen. Wobei man schon zeitig am Berg sein sollte. Der Start erfolgt um 10 Uhr. Wer mit der Seilbahn zur Bergstation möchte, muss eine halbe Stunde Fahrzeit einrechnen. Am Gipfel angekommen, braucht man sich nur noch einen guten Platz an der Strecke zu suchen und schon trifft die Spitzengruppe im Ziel ein. Um dem Ansturm gerecht zu werden, fährt die Hochfellnseilbahn in Bergen an diesem Sonntag schon ab 7 Uhr. „Wir haben ja eine ganze Menge Helfer, die auch hinauffahren müssen. Und die Taschen der Teilnehmer bringen wir auch mit der Bahn rauf, das sind ja ein paar hundert“, gibt Bibi Anfang zu bedenken. Der Wanderweg ist auch für Nicht-Läufer ganz normal begehbar. „Bergläufer haben heute Vorfahrt“ steht dann auf Schildern entlang der Strecke. Viele Zuschauer radeln auch bis zur Bründlingalm oder dem Bachschmiedkaser auf Höhe der Mittelstation, um die Vorbeilaufenden von dort aus anzufeuern. Auf den Almen spielt am Wettkampftag die Musikkapelle. Ein solches Ereignis weiß man am Hochfelln eben zu zelebrieren.

Kornspitz mit Salami und 500 Euro Preisgeld

Viele Zuschauer entlang der Strecke feuerten die Sportler an.

Zuschauer entlang der Strecke des Hochfellnberglaufs

Wer am Ziel steht, wird folgendes beobachten: Die ersten Läufer machen einen topfitten Eindruck. Als würden sie die Strecke gleich nochmal schaffen. Daran ist unschwer zu erkennen, dass es wirklich Profis sind. Der Großteil des Startfelds kommt nach einer Stunde an. Ihnen ist die Erschöpfung schon eher anzusehen. Wobei man schon sagen muss: Viel dran ist an den Bergläufern nicht – im Gegenteil. Um solche Zeiten zu schaffen, da kommt es auf jedes Kilo Körpergewicht an. Nach dem Rennen können sie die Reserven aber wieder aufladen. Kornspitz mit Salami oder Käse, Trockenfrüchte, Kaffee und Kuchen haben die Helfer vom SC Bergen im Ziel parat. Die ersten drei sind die Blumensieger, denen überreichen wir gleich einen Strauß“, erklärt Bibi Anfang. Sie haben damit 500, 450 und 400 Euro Preisgeld gewonnen – so hohe Summen zahlen andere Veranstalter nicht. Die offizielle Siegerehrung findet stets um 14 Uhr im Tal statt, im Kurpark oder bei schlechtem Wetter im Bergener Festsaal. Wobei: Schlecht ist das Wetter nie, wenn der Hochfellnberglauf stattfindet. Auch das gehört offenbar zur Tradition. Nur gerauft worden ist schon länger nicht mehr.

Nach fast 9 Kilometern und 1000 Höhenmetern kommen die Teilnehmer am Gipfel an. Die meisten brauchen dafür nicht einmal eine Stunde.
Tipp

Wer sich selbst mal auf die Probe stellen möchte, kann die Strecke ab Bergen ausprobieren. Runter bringt euch dann sicher die Hochfellnseilbahn!


Datum: 2. September 2015 . Autor: Judith Schmidhuber . Kategorie: Aktiv . Almen . Ausflugsziele . Bergen . Genuss . Klettern & Bergerlebnisse . Orte . Region . Veranstaltungen . Wandern
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