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Der Klettersteig „Eisenweg“ im Chiemgau

Datum: 6. Juni 2014 . Autor: Stephan Semmelmayr . Kategorie: Ausflugsziele . Klettern & Bergerlebnisse . Orte . Region . Reit im Winkl . Wandern
Stephan Semmelmayr

Via Ferrata – was klingt wie ein Fernwanderweg quer durch Italien ist schlicht und ergreifend die italienische und zugleich gängige Bezeichnung für Klettersteige. Seit geraumer Zeit sind unzählige Bergsportler, alpine Vereine und Gemeinden dabei, Routen zu planen, Zustiegswege zu präparieren und Stahlseile in Felswänden zu verankern. Schon vor Jahrhunderten begann die Geschichte dazu, wenn auch der Zweck noch ein ganz anderer und die Nutzung zum einen mühsamer und zum andern gefährlicher war. Heutzutage boomt der Trend im Tourismusgeschäft.

So entstand auch im Chiemgau der erste Klettersteig

Ein schönes Plätzchen dafür war mit der Schlucht des Hausbachfalls bei Reit im Winkl schnell gefunden. Nicht allzu schwer, nicht allzu lang und trotzdem eine Herausforderung für die meisten Urlauber. Das ist es, was der ambitionierte Tourist sucht und im Chiemgau findet, ein Gesamtpaket aus Anspannung und Entspannung, aus Sport und Erholung. Beides gibt es auf nur ein paar hundert Quadratmetern am Ortsrand von Reit im Winkl.

Der Hang vom Klettersteig

Den Fels hinauf am Seil entlang

Der Ort selbst bietet alles was man für einen bevorstehenden Erlebnistag braucht. Am Morgen noch einen Cappuccino und eine Marmeladensemmel auf einer der Café-Terrassen und dann ab ins Sportgeschäft, ausrüsten für den Tag. Sport Dorner heißt die Adresse für Material und Service rum um sportliche Aktivitäten. Das herzliche Personal kümmert sich um Klettergurt, Klettersteigset, Helm und alle nötigen Infos und Tipps zur Tour. Wenn alles sitzt und passt kann es losgehen. „Einfach hoch zur Kapelle, am Seerosenteich und dem Barfußpark vorbei! Den Einstieg könnt ihr nicht verfehlen.“, meinte Andi Mühlbacher, der Inhaber des Geschäfts. Stimmt, alles ist gut ausgeschildert und die Schlucht von weitem zu sehen. Eine Tafel am Einstieg des Klettersteiges gibt nochmals Auskunft über die Gegebenheiten am Fels und Hinweise zur Sicherheit. Über eine Brücke gelangt man nun auf die andere Seite des Hausbachs und somit zum Beginn der Route.

Schnell kommt man dem Wasser näher und wird vertrauter mit dem Fels

3-Seilbrücke über eine kleine Schlucht.

Die Überquerung einer kleinen Schlucht über eine 3-Seilbrücke

Mit einer Eisenleiter geht es los, die ersten Meter hinauf. Über einige Querungen geht es weiter hinein in die Schlucht. Als Unterstützung für die Füße um einen Halt in der teils steilen und abbrechenden Felswand zu finden wurden unter anderem Holzbalken verankert. Hier und da verhelfen auch einfach herausstehende Eisenstangen zum Aufstieg. Schnell kommt man dem Wasser näher und wird vertrauter mit dem Fels. Immer wieder befindet man sich über dem Wasserlauf, spürt die Gischt des Hausbaches auf der Haut. Leider besteht die Felswand aus einem sehr rauen Gestein, das wenige Möglichkeiten bietet, einen guten Halt für die Hände zu finden. Außer, man ist natürlich Sportkletterer, dann sollte es gehen. Die meisten hangeln sich allerdings am Seil entlang und haben nicht den Anspruch, dass Seil nur als Sicherung zu nutzen. Warum auch nicht, schließlich befindet man sich nach der originalgetreuen Übersetzung auf einem ‚Eisenweg‘ und somit ist es Sinn und Zweck, das Metall für die Beschreitung des Weges zu nutzen. Deutlich wird dies vor allem bei der Überquerung einer kleinen Schlucht über eine 3-Seilbrücke. Hier zeigt sich, wer nun wirklich schwindelfrei ist und wer es vielleicht sogar hinbekommt, einige Schritte balancierend voranzukommen, ohne sich am Seil festzuklammern. Während man sich immer weiter die Schlucht hinein entlang bewegt, rauscht der Hausbach unermüdlich über Wasserfälle und Gumpen talabwärts. Ein schönes Geräusch, das die wilde Natur widerspiegelt und ein angenehmes Klima, das den Schweißausbruch, ob nun vor Anstrengung oder Anspannung, mildert.

Kleiner Gumpen am Klettersteig

Wasserfälle und Gumpen spiegeln die schöne Natur am Klettersteig wieder

Die letzten Meter bis zum Aushaken der Karabiner verlaufen über einen Baumstamm als Brücke zurück auf die andere Seite des Bachs. Geschafft. Nun heißt es Helm ablegen, raus aus dem Klettergurt und über einen kleinen Pfad die paar Meter hinunter zum Bach. Das kalte klare Wasser, das man schon die ganze Zeit, allerdings unerreichbar neben sich hatte, sorgt jetzt für eine wunderbare Erfrischung. Rund 400 Meter Klettersteig im Schwierigkeitsgrad B bis C, für kleinere Personen C bis D, liegen hinter einem. Die meisten werden etwa eine Stunde gebraucht haben.

Über einen Wanderweg, der schon seit über hundert Jahren durch die Schlucht am Hausbach entlang führt, geht es in rund 15 Minuten wieder hinunter zur Kriegerkapelle und von dort zurück nach Reit im Winkl. Immer wieder gibt es einen schönen Blick auf die gegenüberliegende Seite der Schlucht und den Verlauf des Klettersteigs. Immer wieder bleibt man stehen, schaut hinüber, diskutiert die ein oder andere kniffelige Stelle und freut sich über das Erreichte.

Der erste TÜV geprüfte Klettersteig Deutschlands

Der TVB Reit im Winkl kümmert sich um die Sicherheit und die Pflege des noch recht jungen und ersten Klettersteiges im Chiemgau. Für das gute Gefühl ist es auch noch interessant zu wissen, dass der Hausbachsteig bei Reit im Winkl der erste TÜV geprüfte Klettersteig Deutschlands ist.

Der Weg zurück in den Ort führt direkt am relativ neu angelegten Natur-Barfußpark vorbei. Genau das richtige für einen Stopp zur Entspannung und Erholung. Ein schöner Ausklang der Tour.

Klettersteig Reit im Winkl
Tipp

Hier finden Sie weitere Informationen zum Klettersteig im Chiemgau in Bayern


Datum: 6. Juni 2014 . Autor: Stephan Semmelmayr . Kategorie: Ausflugsziele . Klettern & Bergerlebnisse . Orte . Region . Reit im Winkl . Wandern
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