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Seiltanz im ersten Chiemgauer Klettersteig

Datum: 20. Juni 2014 . Autor: Andrea Obele . Kategorie: Aktiv . Ausflugsziele . Klettern & Bergerlebnisse . Orte . Region . Reit im Winkl . Wandern
Andrea Obele

(An-)spannung – ja, die gehört wohl immer dazu, bevor man sich in einen Klettersteig wagt. Und so kann ich mich noch genau daran erinnern, dass neben Vorfreude auch eine Art Lampenfieber dabei war, als ich neben der Holzbrücke in Reit im Winkl, die am Weg zum Startpunkt liegt, mein Klettersteigset auspackte. Klein, fein, kurz und mit wunderbaren Highlights: So wurde mir der erste TÜV geprüfte Klettersteig Deutschlands beschrieben. Als erstes „Frühjahrsziel“ nach einem eher faulen Winter also durchaus das Richtige, um seine Extremitäten und vor allem den Kopf wieder an das „Klettergefühl“ am Fels zu gewöhnen.

Bereits seit 100 Jahren existiert in der Schlucht des Wasserfalls am Hausbach ein Wanderweg. Immer wieder dachte sich der Bürgermeister von Reit im Winkl, Josef Heigenhauser, dass sich die Felswände gegenüber dieses steilen Wanderweges auch ideal zum Klettern eignen würden. Er ist selbst erfahrener Bergsteiger und Kletterer, und so entstand aus dieser wagen Idee schließlich der erste Klettersteig im Chiemgau. Dieser wird von der Gemeinde unterhalten, und die wollte auf Nummer sicher gehen. So wurde der Klettersteig am Hausbachfall auch zum ersten TÜV-geprüften und zertifizierten Klettersteig Deutschlands.

Aber zurück zur Spannung, denn nicht nur die Drahtseile im Klettersteig sind fest gespannt, sondern auch die Nerven: Gleich nach oben erwähnter Holzbrücke beginnt der Einstieg zum Klettersteig über einen steilen Grashang. Gut ausgerüstet mit Klettersteigset, Helm und natürlich Schuhen mit griffiger Sohle sehe ich von hier schon die erste Hürde, eine senkrechte Eisenleiter, die das erste, steile Eingangsstück entschärft. Nach der Leiter geht es erst dann traversal in den durchaus glatt zu nennenden Felsen auf in die Schlucht.

Aber ich wusste ja, auf was ich mich einlasse, denn es macht Sinn, sich vor einer Klettersteig-Tour die sogenannte „Topo“ anzusehen. Das ist ein Plan, der mit plakativen Zeichnungen über die zu erwartenden Schwierigkeiten in den einzelnen Teilen des Steiges Auskunft gibt. Die Kategorien sind üblicherweise von A (leicht) bis E (extrem schwierig) eingeteilt.

Der Einstieg mit Stahlleiter.

Der Einstieg mit Stahlleiter.

Der Steig in Reit im Winkl hat die Schwierigkeiten A bis C zu bieten, ist an zwei Stücken durchaus etwas anspruchsvoller. Da der Weg eine Stunde in Anspruch nimmt und „nur“ 170 Höhenmeter überwindet, kann man durchaus von einem Genußklettersteig sprechen. Höhenmeter sammle ich aber erst einmal nicht, eben, weil es quer an einer Felswand entlang geht, und zwar auf Eisenbügeln, die mit Holzbalken verbunden sind. Fast wie auf einem Gerüst geht es hier, immer hoch über dem Wasserfall, am Felsen entlang. Wer noch nie in einem Klettersteig war, wird, mit so viel Luft unter den Füßen, schon mal die Luft anhalten. Meine Spannung legt sich allerdings allmählich, zu schön ist die Aussicht und die Erfahrung, direkt am Wasserfall entlang nach oben steigen zu können.

 

Drahtseilakt über einem Bach

Nach den Balken beginnt dann eine etwas steilere, bröseligere Passage, bei der ich durchaus aufpassen muss, wo ich meine Füße hinsetze. Hat ein bisschen was von Rollsplitt, der Untergrund, und so fordert der Weg hier wieder volle Konzentration. Die Mühen werden mit einer 3er-Seilbrücke belohnt, die sich über einen kleinen Bachlauf spannt.

Wackelige Angelegenheit: Seilbrücke.

Wackelige Angelegenheit: Seilbrücke.

Wie man sich das vorstellen muss? Mit links und rechts, je einen Karabiner der Klettersteigsets über die beiden oberen Stahlseile gespannt, hält man sich fest und setzt einen Fuss vor den anderen auf das dritte, unten gespannte Seil. Eine wackelige Angelegenheit, zugegeben. Nach diesem Adrenalinkick führt die „Via Ferrara“, wie Klettersteige auch genannt werden, in eine Querung auf platten Felsen, die beste Ausblicke auf den Wasserfall bietet.

Der begleitet übrigens den ganzen Anstieg mit seinem monotonen, aber sehr angenehmen Rauschen und Tösen. Toll: Voll ausgesetzt am Felsen fühle ich mich hier, als ob ich über dem Wasserfall schwebe und kann auch einen wunderbaren Blick auf die Steinplatte genießen. Auf alle Fälle sollte man sich nun eine Verschnaufpause gönnen und das Ambiente in der Klamm in sich aufsaugen!

Ein letztes, steiles Stück (C) führt erst durch einen engen Schlupf, vor dem ich erst mal tief Luft holen muss, und dann zu einer Brücke aus einem Holzstamm. Diese führt über den Wasserfall zu einem alpinen Steig, der ganz bequem für den Rückweg zum Ausgangspunkt genutzt werden kann.

Wer sich noch ein besonderes Gipfelerlebnis gönnen möchte, hält sich am Wanderweg weiter bergauf, dann links, und folgt dem Wegweiser zum Wetterkreuz. Innerhalb von etwa 30 Minuten ist dieser Aussichtspunkt erreicht, der beste Blicke ins umliegende Bergland bietet.

 Ideal für Familien und beste Aussichten vom Steig gegenüber

Der Klettersteig am Hausbachfall bietet sich übrigens auch für Familien an, denn wer sich nicht in den Klettersteig traut, kann vom gegenüberliegenden Wanderweg jederzeit die Kletterer im Steig beobachten und trifft oben wieder auf den Rest der Familie. Von dort kann eine gemeinsame Wanderung weiterführen.

Parken: Am Festsaal Reit im Winkl Tiroler Str. 37. Von hier aus erreicht man den Klettersteig in ca. 15 Minuten. Der Klettersteig befindet sich hinter der Kirche beim Natur-Barfußpark neben der Kriegerkapelle (Wegweiser Hausbachfall/Barfußpark).

 

Tipp

Mehr Infos zum Klettersteig, zum Parken und Ausleihen der Kletterrüstung finden sie unter Reit im Winkl


Datum: 20. Juni 2014 . Autor: Andrea Obele . Kategorie: Aktiv . Ausflugsziele . Klettern & Bergerlebnisse . Orte . Region . Reit im Winkl . Wandern
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1 Kommentar
  1. Ich bin diesen Klettersteig schon relativ oft gegangen. Hab ja nur 5 Minuten Anstieg. Er fasziniert mich immer wieder.

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