Wir suchen die schönsten G’schichten aus dem Chiemgau.

Teilen Sie Ihre Geschichte und schenken Sie ein Lächeln.
» zum Gast-Autor Formular

Aprilausflug zum Chiemsee

Frühlingserwachen auf dem Chiemsee
Raphaela Jakob

Endlich ist es wieder soweit und das Wetter präsentiert sich wieder von seiner sonnigsten Seite. Nach dem Frühstück breche ich an den Chiemsee auf, um das schöne Wetter zu nutzen.

Ganz kann ich der Ruhe noch nicht trauen, deshalb packe ich zur Sicherheit meinen Regenschirm ein als ich mit dem Dampfer zunächst auf die Herreninsel übersetze. Zwar sind nur sieben Passagiere auf dem Schiff, aber anscheinend hatten wir alle den gleichen Gedanken: Das T-Shirt-Wetter ausgiebig zu nutzen.

Der Frühlingsausflug beginnt

Was meinem Vorhaben sehr zu Gute kommt, ist, dass die Schiffe auch vor der Hochsaison im Stundentakt die beiden Hauptinseln des Chiemsees anfahren. Nach einer knapp 30-minütigen Fahrt erreichen wir die Herreninsel und mit ihr eine unglaubliche Ruhe. Im Sommer ein absoluter Touristenmagnet, kann ich hier heute fast alleine gemütlich flanieren. Also Umrunde ich die Insel einmal zu Fuß, ehe ich mich dem Augustiner Chorherrenstift nähere. Weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen. Lediglich ein Segelschiff kann ich durch das Schilf am Chiemsee entdecken. Meinen Spaziergang, vorbei an herrlich blühenden Bäumen, begleitet fröhlich klingendes Vogelgezwitscher. Wie verlassen liegt das Alte Schloss vor mir. Zwar sehe ich immernoch keine Spur von Touristen, dafür jedoch umso mehr wunderbar riechende Wiesenblumen.

Als ich am Herzstück der Herreninsel – dem Märchenschloss Ludwigs des II. – ankomme, treffe ich meine italienischen Bootsgenossen, eine sechsköpfige Familie, von der Überfahrt wieder. Auf einer Bank im Schatten lasse ich mich nieder und genieße bei meiner mitgebrachten Brotzeit den Blick auf die Anlage: Vor den Brunnen, denen bereits ihr Wintermantel abgenommen wurde, sind zehntausende Stiefmütterchen gepflanzt. Zusammen mit roten Tulpen ergänzen sie sich zu einem farbenfrohen Ensemble. Ich versuche mich zu erinnern, wann ich das letzte mal auf Herrenchiemsee eine solche Ruhe und Harmonie gespürt habe und freue mich schließlich, dass ich bereits April für meinen Ausflug gewählt habe.

Auf geht’s zur Fraueninsel

Zurück an der Schiffsanlegestelle angekommen, ist es immernoch sonnig und warm. Lediglich über der Kampenwand sind einige Wolken zu sehen, die sich bei meiner Überfahrt auf die Fraueninsel zunehmend verdichten. Auch ein leichter Wind kommt auf. Jacke? – Pah!

Zu meinen Reisegefährten kommt nun eine Gruppe japanischer Touristen. An der Fraueninsel angekommen entscheiden wir uns allesamt die Insel gegen den Uhrzeigersinn zu umqueren, weshalb ich mich schnell vor dem Klostergarten wiederfinde. Blühende Narzissen, Tulpen und Magnolien fesseln meinen Blick und schreien förmlich Frühling. Doch auch in den privaten Gärten herrscht reges treiben. Fast scheint es mir als verliehen die Inselbewohner ihren Beeten noch schnell den letzten Schliff ehe das Wochenende weitere Bewunderer der Gartenpracht bringt.

Sturmwarnung am Chiemsee

Als die Japaner und ich die halbe Insel hinter uns gelassen haben, wird der Wind plötzlich sehr böig und stark und ein paar Minuten später blinken die am Ufer des Chiemsees verteilten Signallampen und verkünden eine Sturmwarnung. Ich beschleunige meinen Schritt – vorbei an weiteren Narzissen und Magnolien, Gasthäusern, die heute vergeblich auf die Japaner und mich gewartet haben, und kehre zur Schiffsanlegestelle zurück. Da die Sonne nun von Wolken bedeckt ist, merke ich dass es kühler wird. In Jacke und Pullover warte ich am Ufer auf die Ankunft des Schiffs, das uns wieder nach Prien bringt. Die sechs Stunden auf den beiden Inseln sind so schnell vergangen, dass ich kaum gemerkt habe, wie der Tag verging.

Aprilwetter am Chiemsee von seiner schönsten Seite

Aprilwetter am Chiemsee von seiner schönsten Seite

In den zunehmend stürmischer werdenden Wogen des Chiemsees spiegeln sich die nun dicht gewordenen, dunklen Regenwolken. Von der untergehenden Sonne werden sie in einem zarten Rot angeschienen und sind mit ihrer Gewalt fast magisch. Als wir auf dem Schiff sitzen prasseln die Regentropfen bereits fest gegen die Fensterscheiben. Über die Herreninsel, von der aus auch die sechsköpfige italienische Familie sowie zwei weitere Pärchen die Rückreise antreten wollen, geht es zurück ans Festland. In unserer kleinen Gruppe ausgewählter Tagesausflügler sehe ich viele zufriedene Gesichter. Sogar den ein oder anderen Sonnenbrand entdecke ich. Wir – Besucher und Schiffscrew – kleben an den Fenstern, denn so tosend präsentiert sich der Chiemsee einem nur selten. Ein wunderschöner Mittwoch im April geht zu Ende und morgen werden die wunderbaren Blumen auf der Herren- und Fraueninsel die nächsten Besucher erfreuen.

 

Tipp

Einen weiteren interessanten Blick auf den Zauber des Frühlingeinzugs auf der Herren- und Fraueninsel bietet eine Erkundung aus der Luft. Im Chiemgau können Sie neben Ballonfahrten auch Drachen- oder Paraglider-Tandemflüge buchen.


Hinterlassen Sie einen Kommentar

Nach Absenden des Kontaktformulars erfolgt eine Verarbeitung der von Ihnen eingegebenen personenbezogenen Daten durch den datenschutzrechtlich Verantwortlichen zum Zweck der Bearbeitung Ihrer Anfrage auf Grundlage Ihrer durch das Absenden des Formulars erteilten Einwilligung. Weitere Informationen