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Folge dem „Capricorn“!

Datum: 31. Oktober 2015 . Autor: Kaiman . Kategorie: Ausflugsziele . Kultur . Museen . Orte . Region . Seeon-Seebruck-Truchtlaching . Tradition & Handwerk
Bedaium-Museum im Chiemgau
Kaiman

Der „Archäologische Rundweg“ von Seebruck-Seeon-Truchtlaching

Wenn Sie durch Seebruck fahren, überqueren Sie auf vorgeschichtlichem Weg die Alz, denn schon zu Kelten- und Römerzeiten überspannte eine Brücke die Flussmündung am Chiemsee. Hier lag ein antiker Verkehrs- und Handelspunkt und zugleich das kultische Zentrum zur Verehrung des Seegottes BEDAIUS. Die Tempelanlagen sowie ein römisches Kastell ruhen im Hügel am See, überbaut von der heutigen Seebrucker Kirche und nur partiell freigelegt. Doch gleich nebenan zeigt das BEDAIUM-Museum diese und zahlreiche andere Fundstellen und -stücke aus der näheren Umgebung.

Das Museum zur lokalen Vor- und Frühgeschichte besteht seit 25 Jahren und fasst die Ergebnisse der seit den 1960er Jahren sehr intensiven lokalen Ausgrabungen und Forschungen zu BEDAIUM, der römerzeitlichen Siedlung. So gilt Seebruck heute als einer der besterforschten Römerorte Bayerns. Die Umgebung jedoch gab auch viele prähistorische Relikte aus weitaus früheren und späteren Zeiten preis. Sie ist der Hort eines 3000-jährigen Kulturerbes.
Insgesamt 10 wichtigste Fundstätten verbindet der vom Museum ausgehende „Archäologische Rundweg“ auf einer Länge von 27 Kilometern verkehrsarmer Radwege. All dem bin ich heute auf der Spur und rechne dafür mind. fünf Stunden Erkundungszeit, inkl. Bade- und Brotzeitpausen ein, was bei den für heute angesagten 30°C gut tun wird.

Ausgangspunkt BEDAIUM-Museum in Seebruck

Gebäudefundament "Darre" im Chiemgau

Gebäudefundament „Darre“

Viele Originalfunde der Rundweg-Stationen sehe ich hier in der herausragenden Ausstellung. Die Leiterin Frau Krammer, Archäologin, erläutert mir die Exponate und auch, welche Veranstaltungen hier im Jahreslauf stattfinden: BEDAIUS-Familienfest, Römertage, Vorträge (im Herbst) und immer wieder Erlebnis-Führungen zu den nahen Teilen des Rundwegs.
Nach diesem interessanten Besuch bin ich sehr gespannt auf die Fundorte selbst!

 

Ich beginne vor dem Museum mit römerzeitlichen Architekturteilen und der Kastellmauer, die den Kirchhof begrenzt. Im Inneren weiß ich nun den römischen BEDAIUS-Tempel, in dessen Zentrum man wiederum seinen keltischen Vorläufer vermutet. Ein wahrhaft mystischer Ort!
Nun folge ich den Wegweisern mit dem fabelhaften „Capricorn“-Emblem, die den Rundweg im Gelände leicht auffindbar machen. (Das Capricorn – ein Mischwesen, halb Fisch, halb Bock – ist das Wahrzeichen des BEDAIUM-Museums und des Römerortes Seebruck. Es geht auf einen Fund zurück, der im Museum zu sehen ist.)

So gelange ich zum Römisch-Norischen Gräberfeld nahe dem Strand von Seebruck. Die Inschriften der hier gefundenen „Pfeilgrab-Monolithen“ beginnen jeweils mit „DIS MANIBUS“ (Den Totengöttern!). Infotafeln erläutern Glaubenskontext und Beisetzungsriten der Zeit vor ca. 1800 Jahren, in die man hier eintaucht.
Um weiter in dieser römischen Zeit zu verweilen, wende ich mich – die Richtungsfolge der Stationen ist unerheblich – dem Gebäudefund „Darre“ zu. Das Fundament dieses romanischen Trocken- und Räucherhauses ist schützend überbaut und Informationen erhält man hier sogar als Tonaufnahmen.

Noch einmal „Römerzeit“

Mein dritter Halt ist „Station 8“, die Römerstraße, welche unweit am See bei Esbaum gelegen, in ihrem Querschnittaufbau gezeigt und in Ihrer zentralen Rolle erläutert wird.
Überhaupt, die Infotafeln: Sehr anschaulich, in Bildern und Texten, werden an jeder Station nicht nur die Exponate und Fundstellen erläutert, sondern auch ihre Bedeutung in den Kulturstufen. So werden auch die Übergänge und Zusammenhänge der einzelnen Epochen schlüssig – bis in unsere Zeit!
Weiter radle ich durch eine Landschaft, die nun selbst zum Exponat wird. Die frühmittelalterlichen Hochäcker sind im Waldstück zwischen Burgham und Roitham erkennbar.

Ein Sprung in die früheste Geschichte vor 4000 Jahren

Das altbajuwarische Gräberfeld im Chiemgau

Das altbajuwarische Gräberfeld

Beim Hof „Heimhilgen“ (selbst einem lebendigen Bauernhofmuseum gleich) ist die Fundstelle des im BEDAIUM-Museum gesehenen bronzezeitlichen Hortfundes dokumentiert. Der „Heimhilger“-Bauer erzählt mir, wie seine Vorfahren hier per Zufall fündig wurden. (Seine Frau dagegen zeigt mir den zauberhaften Bauerngarten; eine andere Geschichte …)
Parallel zur Ischler Ache rolle ich durch das schöne Dorf Ischl und finde anhand der Capricorn-Wegweiser das altbajuwarische Gräberfeld. Gruselig: das Skelett eines hier vorgefundenen Kriegers ragt – als Replik – aus der Erde. Die Infotafeln erzählen seine Geschichte.
Mich lädt die nahe Alz am Bifuß zum Bad ein. Die Sonne brennt vom Zenit herunter und eine schattige Pause tut gut.

Sagenhafte Keltenzeit

Ein Hügelgrab bei Steinrab gibt quer durchschnitten sein Inneres preis. Zehn dieser typischen Gräber der frühen Eisenzeit (Hallstattzeit) fand man hier im Wald.
In Truchtlaching die Alz querend (und die verführerischen Biergärten heute lassend) gerate ich zurück ins Mittelalter, zur Fluchtburg im Alzknie. Vor wem sich die Einwohner damals in Sicherheit brachten, erfährt man gespannt vor Ort.
Etwas weiter im Wald komme ich zur freiliegenden Keltenschanze. Hochinteressant, über die genaue Bedeutung dieser riesigen Anlagen streiten die Gelehrten immer wieder.
Ganz eindeutig ist es jedoch bei der anschließenden Station, dem keltischen Gehöft nahe Stöffling, das mit vier umfriedeten Gebäuden ein eigenes Freilichtmuseum darstellt und das Leben der keltischen Urbevölkerung, unserer frühen Vorfahren, spürbar macht. (Hier finden immer wieder auch Erlebnisfeste statt.)
Den Staub des Weges und die Hitze des Tages spüle ich in Seebruck mit Chiemseewasser ab und mit einem wohlverdienten „Radler“ und einem italienischen Rotwein hinunter. Die in traumhafter Landschaft erradelten, vor Ort gesammelten Eindrücke aus 3000 Jahren Menschheitsgeschichte hingegen bleiben für immer.

Seebruck Sonnenuntergang im Chiemgau
Tipp

Bergpanorama, Seerundwege und Schmankerleinkehr: der Archäologische Rundweg ist einer von 20 Themenradwegen im Chiemgau. Fahren Sie mit!


Datum: 31. Oktober 2015 . Autor: Kaiman . Kategorie: Ausflugsziele . Kultur . Museen . Orte . Region . Seeon-Seebruck-Truchtlaching . Tradition & Handwerk
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