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Der Friedhof Ruhpolding und was ihn so besonders macht

Datum: 12. Dezember 2016 . Autor: Raphaela Jakob . Kategorie: Ausflugsziele . Kirchen & Schlösser . Region . Ruhpolding
Der herrschaftliche Bergfriedhof von Ruhpolding
Raphaela Jakob

Der alte Bergfriedhof ist mit seiner Lage auf einem Plateau inmitten der Gemeinde Ruhpolding sehr sehenswert. Rund um eine Gruftkapelle sind inmitten eines wunderschönen Bergpanoramas die Gräber des Bergfriedhofs auf einem steilen Hang angeordnet. Auf einer Führung – beispielsweise nach der Sonntagsmesse oder auf Anfrage – lässt sich Genaueres über die ungewöhnliche Entstehung der Anlage und die interessante Persönlichkeiten, die hier ihre letzte Ruhe fanden, erfahren.

Der herrschaftliche Bergfriedhof von Ruhpolding

Pfarrkirche St. Georg

Wer glaubt, er hätte beim steilen Aufstieg der Treppen zur Pfarrkirche St. Georg ein Déjà-vu, darf sich nicht wundern. „Die Treppe ist auch in einem Film verewigt. Marcus H. Rosenmüller drehte hier für seinen Film Wer früher stirbt ist länger tot“, erzählt Manfred Hertl, Pfarrgemeinderatsvorsitzender in Ruhpolding. Und ein Blick in die ältere Vergangenheit des Ruhpoldinger Friedhofs verheißt noch mehr Interessantes: Neben Mahngräbern, „die von der Gemeinde gehalten werden, um die Erinnerungen wach zu halten“, so Hertl, „gibt es auch etliche Gräber von besonderem, historischem Wert.“ So findet sich hier neben den Gräbern von Verleumdungsopfern, Regionalhelden, Kriegsflüchtlingen und auch das Grab von Eva Brauns Eltern.

Terrassenartiger Aufbau des Friedhofs

Besonders auffällig an dem Friedhof sind die Terrassen, die sich über das gesamte Gelände erstrecken. „Die Terrassenbauart war auch noch nicht immer. Früher wurden die Menschen ja noch nicht im Sarg beerdigt, sondern lediglich in ein Leinentuch gewickelt und in einer leichten Aushebung mit Erde bedeckt.“, so Manfred Hertl. Und Hermann Weigand ergänzt: „Mit Sicherheit waren die Gräber schon damals quer gelegt, denn sonst wären die Bestatteten bei Regen durch die Spargelfurchen vom Wasser freigelegt worden.“ Als die katastrophalen Zustände auf dem Bergfriedhof ihren Höhepunkt erreicht hatten, reichte es den Bürgern. In einem Bittbrief schrieb die Ruhpoldinger Pfarrgemeinde – noch vor der Fertigstellung der Kirche St. Georg 1738 – an ihre Obrigkeit. Darin ist zu lesen, dass es unzumutbar sei, dass die Gebeine freilägen und der Gestank der Toten auch nicht mehr auszuhalten ist. Sie äußerten den Wunsch nach einer Mauer und festen Wegen auf dem Friedhof, um die Grabmäler auf dem unbefestigten Plateau zu erreichen. Die Obrigkeit gab dem Wunsch statt und der Umbau auf dem damaligen Hügel begann. Auch die baufällig gewordene alte Pfarrkirche – auf deren Platz die heutige Gruftkapelle zu finden ist – wurde abgetragen und die Georgskirche errichtet.

Arbeit des Künstlers Andreas Schwarzkopf

Auch in den darauffolgenden Jahren wurde der Friedhof mehr und mehr verschönert. Der in Augsburg geborene Andreas Schwarzkopf war lange als künstlerischer Berater im Beirat für die Gestaltung des Ruhpoldinger Bergfriedhofs tätig. Er war maßgeblich für die Anordnung und Gestaltung des Friedhofs verantwortlich und fertigte eine Vielzahl von Grabsteinen. Auch das Grab der Familie Plenk – im Bild zu sehen – geht auf den Künstler Schwarzkopf zurück.

Lange Warteliste

Doch ein bisschen trübt die idyllische anmutende Anlage: Der Friedhof, der sich inmitten eines wunderbaren Bergpanoramas befindet, platzt heute aus allen Nähten.

Der Ruhpoldinger Friedhof und was ihn so besonders macht

Traditionelle Handwerkskunst: Die Grabstätte von Bartholomäus Schmucker

Das ist wenig verwunderlich, so verdoppelte sich die Bevölkerungszahl in der Gemeinde seit dem zweiten Weltkrieg beinahe. „Wir haben eigentlich fast immer eine Warteliste für Grabstätten. Hier steht keine Grabstellen leer.“ so Manfred Hertl. Und auch allgemein finden die Bestattungen heute in einem wesentlich toleranterem Maße statt: „Dennoch wurde der Friedhof erst im letzten Jahrhundert erweitert und die Mauer um die gesamten Gräber gezogen. Davor hatten ungetaufte Personen und Andersgläubige noch eine eigene, separate Ecke“ erklärt Hermann Weigand, ehemaliger Gemeinderat in Ruhpolding.

Schöne Handwerksarbeiten

Zu den schönsten Gräbern des Friedhofs zählt das von Bartholomäus Schmucker. „Schmucker war Ehrenbürger der Gemeinde, Bürgermeister und der Begründer des Heimatmuseums, weil er schon seit jungen Jahren an alles sammelte, was er als Erhaltenswert erachtete. 1911 gründete er die heute noch aktive Historische Gruppe von Ruhpolding, also zu einer Zeit, in der die ganzen Trachtenvereine gegründet wurden, um die Gewänder aus der damaligen Zeit zu erhalten.“ so Hertl. „Heutige Gräber sind häufig standardisiert, aber Schmuckers Grab hat zum Beispiel noch den ursprünglichen Zustand und ist feinste Handwerksarbeit.“ Und auch weitere handwerkliche Prunkstücke sind auf dem ganzen Bergfriedhof verteilt.

Pfarrkirche St. Georg und die Ruhpoldinger Madonna

Wer den Bergfriedhof in Ruhpolding besucht, sollte auf jeden Fall einen kurzen Abstecher in die Georgskirche machen. Nicht nur der Altar ist imposant, sondern auch die romanische Madonna am rechten Seitenaltar.

Der Ruhpoldinger Friedhof und was ihn so besonders macht

Pfarrkiche St. Georg

Der Ruhpoldinger Bergfriedhof: geprägt von einer interessante Entwicklungsgeschichte, großen Persönlichkeiten und einer imposanten Lage. Für Besucher des Chiemgaus auf jeden Fall einen Besuch wert.

Windbeutel Lohengrin bei der Windbeutelgräfin in Ruhpolding
Tipp

Wie wäre es anschließend mit einem schmackhaften Windbeutel bei der Windbeutelgräfin?


Datum: 12. Dezember 2016 . Autor: Raphaela Jakob . Kategorie: Ausflugsziele . Kirchen & Schlösser . Region . Ruhpolding
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