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Nostalgie pur: Mit der „Grande Dame der Alpen“ auf den Predigtstuhl

Datum: 19. Juni 2017 . Autor: Sandra Berthaler . Kategorie: Almen . Ausflugsziele . Wandern
Presigtstuhlbahn
Sandra Berthaler

Imposant ist sie, die Predigtstuhlbahn in Bad Reichenhall. Sie ist die älteste im Original erhaltene Großkabinenseilbahn der Welt und steht unter Denkmalschutz. Ihren altehrwürdigen Charme hat die „Grande Dame der Alpen“ bis heute nicht verloren: Schon von weitem kann man ihre gewaltigen in Fels gehauenen Monumentalstützen bewundern, an deren massiven Tragseilen die schönen alten Nostalgie-Kabinen hängen.

Ergriffen nach achteinhalb Minuten

Gerade für Gäste, die zum ersten Mal mit der Predigtstuhlbahn unterwegs sind, hat die Fahrt auf die 1583 Meter hohe Bergstation etwas Faszinierendes, berichtet Geschäftsführer Andreas Hallweger: „Wir starten direkt aus Bad Reichenhalls städtischem Umfeld und schweben innerhalb von achteinhalb Minuten in eine völlig andere Welt. Die Fahrt in diese fast schon unwirkliche alpine Region entspannt auch die Gäste: Je weiter sie hochfahren, desto ruhiger und ergriffener werden sie. Sie genießen den Weitblick in die Berge, nehmen die Tiefe der Felsklüfte wahr und wie weit weg das Tal ist. Es ist ein sehr ruhiges Schweben, weil die ganzen Seile gespannt sind und auf Zug gehalten. So fährt man wie auf Schienen die ganzen tausend Höhenmeter nach oben.“

Gebaut für die Ewigkeit

Tragseil der Predigtstuhlbahn im Jahr 1928

Tragseil der Predigtstuhlbahn im Jahr 1928

Mit dem Bau der Predigtstuhlbahn von 1927 bis 1928 gelang dem Ingenieur Alois Zuegg, Erfinder der modernen Seilschwebetechnik, und dem Fabrikanten Adolf Bleichert, damals der größte Seilbahnhersteller der Welt, das Muster einer vollkommenen Seilschwebebahn. Bei ihrer Einweihung am 1. Juli 1928 übertraf die „Grande Dame der Alpen“ alle bisherigen Seilbahnen an Geschwindigkeit, Eleganz und Lautlosigkeit. Wie aber war es möglich, in nur zwei Jahren ein solches Bauwerk zu schaffen – gerade zur damaligen Zeit?Am Bau der Bahn haben einige hundert Männer mitgewirkt. Sie haben das Material mit Hilfsbahnen nach oben geschafft, mit Milchkübeln den Beton dort oben angemischt und mit einfachen Schalungsmethoden die Stützen gebaut“, sagt Hallweger. „Die Männer sind auch nicht vom Berg runtergekommen. Sie haben irgendwo in einer Schutzhütte übernachtet und am nächsten Tag weitergearbeitet. Damals hat niemand genau hingeschaut, was den Arbeitsschutz angeht. Aber es ist zum Glück niemand zu Schaden gekommen.“ Für die Fahrgäste hatte das Thema Sicherheit von Anfang an höchste Priorität.

Sicherheit hat Vorrang

Ein Schaffner begleitet die Gäste auf ihrer Fahrt in den zwölfeckigen Nostalgie-Kabinen. Er erzählt von der Geschichte und Technik der Predigtstuhlbahn und stellt die Städte, Berge und Seen vor, die man durch die großen Plexiglasfenster bewundern kann. Im Notfall kann er die Gäste aus der Kabine abseilen. Das war noch nie nötig, denn die Predigtstuhlbahn verfügt über „verschiedene Möglichkeiten zu Tal zu kommen“, erklärt Hallweger. „Der klassische Fall ist natürlich, dass wir mit unserem elektronischen Antrieb nach unten fahren. Zusätzlich ist oben ein Dieselaggregat, sollte mal der Strom ausfallen. Und letztendlich könnten wir auch mit der Schwerkraft nach unten fahren. Wir müssen nur bremsen. Man kommt also immer runter.

Auf dem Predigtstuhl: Ausblicke und Wanderwege

WanderwegeOben angekommen, lockt der Predigtstuhl mit vielen Spazier- und Wanderwegen. In 10 bis 15 Minuten erreicht man ohne Anstrengung den 1613 Meter hohen Gipfel des Predigtstuhls. Von dort hat man einen fantastischen Ausblick auf das Watzmannmassiv und den Hochkalter, die zentralen Hochalpen und die Tiroler und Chiemgauer Alpen. Im Norden sieht man den Rupertiwinkel und das Salzburger Land. Zwischen den Gipfeln kann man den Chiemsee erkennen und an klaren Tagen sogar bis nach München schauen. Natürlich ist auf dem Predigtstuhl auch für das leibliche Wohl gesorgt. Nach einer weiteren Viertelstunde wartet die urige Almhütte auf der Schlegelmulde mit regionalen Schmankerln, hausgemachten Kuchen und einer gemütlichen Sonnenterrasse mit Liegestühlen.

Kulinarischer Höhepunkt: Das Bergrestaurant

Das Bergrestaurant und frühere Hotel war einst Treffpunkt der gehobenen Gesellschaft. Den Charme vergangener Tage verströmt es bis heute: Auf der sonnigen Aussichtsterrasse können Gäste in Loungesofas aus den 50er Jahren einen Cappuccino trinken und den Blick auf den Wilden Kaiser genießen – das ist auch im Winter, wenn Berge, Täler und Wälder zu einer märchenhaften Schneelandschaft werden, ein Genuss. Im altehrwürdigen Kaminzimmer sieht man durch riesige Panoramafenster auf die Seilbahn und Bad Reichenhall bis zum Salzburger Flughafen. Hier zaubern die Küchenchefs Reinhold Thalhammer und Michael Daus für ihre Gäste saisonale Köstlichkeiten wie hausgemachte Maroni-Gnocchi mit Petersilienwurzelcreme oder rosa gebratenen Hirschkalbsrücken mit Rahmwirsing. „Unsere Essensrichtung ist alpin-mediterran mit italienischem Anhauch“, erklärt Michael Daus. „Wir verwenden Bio-Produkte aus der Region, denn Geschmack und Frische ist unser Hauptaugenmerk.“ Die Logistik wird dabei oft unterschätzt: „Wir müssen die Lebensmittel mit der Gondel aus dem Tal hier hoch bringen. Wenn sich der Lieferant verspätet, ist das Zeitfenster für uns oft schon zu. Wir verarbeiten nur beste, frische Ware und müssen so organisiert sein, dass alle Speisen für das Bergrestaurant und die Almhütte Schlegelmulde rechtzeitig zubereitet sind. Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis behalten wir dabei natürlich immer im Auge.

Übernachten auf dem Predigtstuhl? Hoteleröffnung ist geplant

Trotz des einmaligen Ausblicks und des guten Essens ist das Restaurant nie überlaufen. „Das Bergrestaurant ist kein Massenobjekt“, sagt Michael Daus. „Die Gondeln sind ja nicht so riesig. Mit einer Bahnfahrt können gerade einmal 25 Gäste auf den Berg gebracht werden. Aber das macht es gerade aus, denn so können wir einen viel persönlicheren Kontakt zu unseren Gästen pflegen.“ Im Bergrestaurant kann man übrigens auch Hochzeiten oder Geburtstage feiern und vielleicht auch bald wieder übernachten. Das Bergrestaurant will seinen Hotelbetrieb wieder aufnehmen, aber das ist gar nicht so einfach, wie Andreas Hallweger erklärt: „Wir müssen zunächst eine Lösung für die Gebäudestruktur finden. Das Berghotel steht unter Denkmalschutz. Wir können also nicht alles abreißen und komplett neu bauen. Ich hoffe, dass wir im nächsten halben Jahr zu einer Entscheidung kommen. Das große Ziel ist, dass wir zum 1. Juli 2018 – wenn die Predigtstuhlbahn 90 Jahre alt wird – auch wieder die ersten Übernachtungsgäste im Berghotel begrüßen dürfen.“

Presigtstuhlbahn
Tipp

Sie wollen im Bergrestaurant essen und dabei den legendären Ausblick aus dem Kaminzimmer genießen? Dann reservieren Sie sich doch telefonisch +49 8651 9685 14 einen Tisch direkt am Fenster.


Datum: 19. Juni 2017 . Autor: Sandra Berthaler . Kategorie: Almen . Ausflugsziele . Wandern
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