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Salinenwegführung mit Sepp Knott: Auf den Spuren des weißen Goldes

Datum: 16. September 2015 . Autor: Andrea Obele . Kategorie: Almen . Ausflugsziele . Genuss . Kultur . Museen . Orte . Region . Traunstein . Wandern
Mit dem Salinenexperten Sepp Knott geht es auf die Salinenwegführung.
Andrea Obele

Kulturführer und Salinenexperte Sepp Knott nimmt seine Gäste mit auf die kurzweilige Reise in die Traunsteiner Salinengeschichte. Er führt zu Originalschauplätzen, berichtet von der damals technisch herausragenden Meisterleistung, dem Bau der ersten Soleleitung mit Pumpwerken und erzählt anschaulich von der schweren Arbeit der stolzen, kurfürstlichen Salinenarbeiter. Wer mag, kann am Ende der Führung auch noch den speziellen Salzkrustenbraten verkosten.

Die Salinenkapelle ist Deutschlands größte ihrer Art.

Die Salinenkapelle ist Deutschlands größte ihrer Art.

Sepp Knott (66) hat viele Gründe, sich zusammen mit seinen Gästen auf die Salinenwegführungen durch die frühe Salinenstadt zu begeben. Zum einen war Heimatkunde schon als Kind sein Lieblingsfach, zum zweiten wollte er in der Rente geistig fit bleiben und sich sinnvoll beschäftigen. Da er als gebürtiger Traunsteiner aus der „Oberstadt“ viel über seine Heimat zu erzählen weiß und mit reichlich spitzbübischen Humor gesegnet ist, sind bei seinen Salinenwegführungen neben interessanten Details lustige Anekdoten keine Mangelware.

Treffpunkt ist das Traunsteiner Heimatmuseum, das neben seiner auffälligen Farbe (lachsrosa) ein historisches Relief der Stadt Traunstein und viele weitere interessante Ausstellungsstücke zu bieten hat. Hier beginnt die Reise auf den Spuren des weißen, flüssigen Goldes, das schon die Römer sehr zu schätzen wussten. „Es gab damals nur das Salz, um Lebensmittel haltbar zu machen, deshalb war es für unsere Vorfahren so wichtig“, weiß Knott. „So kam es, das Traunstein schon im Mittelalter ein Zentrum des Salzhandels war.“

Bau der revolutionären Soleleitung war billiger als Holztransport

Die Salinenkapelle.

Die Salinenkapelle.

Der Waldreichtum im Traunsteiner Hinterland und die Holzknappheit bei der Saline in Bad Reichenhall führte dazu, dass im frühen 17. Jahrhundert Traunstein auch Salinenstandort wurde. 130.000 Gulden kostete es, die Saline zu errichten, im Jahr 1619 erfolgte der erste Sud. „Damals wurde eben festgestellt, dass der Bau der ersten Soleleitung billiger wäre als der ständige, beschwerliche Holztransport zwischen den Wäldern der Wittelsbacher bei Traunstein und der Saline in Bad Reichenhall“, so Knott.

Noch im Museum kann man sehen, wie die sogenannten „Deicheln“ aussahen. Das sind vier Meter lange Baumstämme, deren Kern in Handarbeit auf einen Durchmesser von 30 Zentimeter ausgehöhlt wurde. 8.400 dieser Baumstämme wurden benötigt, um die Strecke von 32 Kilometern zwischen Bad Reichenhall über Inzell und Siegsdorf nach Traunstein zu überwinden.

Um die Sole auch bergauf pumpen zu können, wurden sieben Pumpstationen auf der Strecke der Soleleitung errichtet, die einen Höhenunterschied von 238 Metern wieder wettmachten – und zwar mit Druck aus Gebirgsbächen. Das war für damalige Verhältnisse eine revolutionäre Erfindung.

Mit diesem Vorwissen startet die Stadtführung nun über den Stadtplatz Richtung „Au“. Vorbei am Salzmaieramt, von wo aus die Oberaufsicht über die Saline geführt wurde, geht es zur Salinenkapelle. „Diese Kapelle ist wohl Deutschlands größte Kapelle, die nur für eine spezielle Bevölkerungsgruppe zugänglich war, nämlich die Salinenarbeiter“, erklärt der Salinenexperte. Für die Teilnehmer der Salinenwegführung wird die Salinenkapelle sogar extra aufgesperrt.

Hartes Leben der kurfürstlichen Salinenarbeiter für freie Kost und Logis

Südlich der Salinenkapelle liegen die ehemaligen Wohnungen der kurfürstlichen Salinenarbeiter. Im Erdgeschoss dieser Wohnstöcke wurde das gewonnene Salz ausgehärtet, darüber gab es Salzbehälter sowie die Werkstätten und Wohnungen. „Die Salinenarbeiter waren sehr stolz auf ihre Arbeit“, erzählt Knott beim Betrachten der inzwischen renovierten und als Sozialwohnungen genutzten Wohnstöcke.

In den Salinenstöcken wohnten die kurfürstlichen Salinenarbeiter. ©Andrea Obele

In den Salinenstöcken wohnten die kurfürstlichen Salinenarbeiter.

„Sie lebten hier auf engem Raum, bekamen in den ersten 50 Jahren der Saline keinen Lohn, sondern nur freie Kost und Logis sowie Holz und Getreide. Die Arbeit an den Sudpfannen war hart. Es war heiß, salzig, rußig und feucht. Die Arbeiter mussten schwere Schutzanzüge tragen und immer wieder damit in das heiße Wasser der Sudpfannen steigen. Diese waren 10 mal 20 Meter groß und wurden eine Woche lang Tag und Nacht befeuert, um das Salz aus der Sole zu gewinnen. Das war nicht ungefährlich, es ist viel passiert damals. Trotzdem legten die Arbeiter großen Wert darauf, kurfürstliche Salinenarbeiter genannt zu werden.“

600 Holzknechte schlugen das Holz für die Trift auf der Traun

Bis in die siebte Generation wurde das jeweilige Berufsfeld des Vaters an den Sohn weitergegeben. Die Saline war ein großer Arbeitgeber: Während in der Stadt Traunstein damals 1.000 Bürger wohnten, lebten und arbeiteten allein 500 kurfürstliche Salinenarbeiter in der Saline. Dazu mussten noch 600 Holzknechte in Ruhpolding dafür sorgen, dass 65.000 Ster Holz jährlich geschlagen wurden. Das diente zum einen als Brennmaterial zur Versiedung der Sole, zum anderen als Lohn für die Arbeiter.

Das Hößenstöckl diente den Triftknechten als Herberge. ©Andrea Obele

Das Hößenstöckl diente den Triftknechten als Herberge.

Wie aber kam das Holz nach Traunstein? „Über die Trift“, wie Sepp Knott versiert erklärt. „Zweimal im Jahr, zur Schneeschmelze und noch einmal später bei hohem Wasserstand wurden – auf etwa 75 Zentimeter gekürzte – Baumstämme auf dem Wasserweg von Inzell und Ruhpolding über die weiße und rote Traun nach Traunstein gebracht. Im ersten Jahr mit hohem Verlust.”

Knott schmunzelt: „Da wurde ziemlich viel Holz geklaut, so dass zukünftig Reiter die Trift überwachten.“ Damit das Holz in der Traunsteiner Au richtig aufgefangen werden konnte, wurde bei der Nepomukkapelle, übrigens einer der letzten Stopps der Führung, ein 400 langer Triftrechen quer über die Traun gebaut.

Das Salz selbst wurde mit Holzfässern, die 65 Kilogramm fassten, auf Pferden transportiert. Jeweils zwei Fässer konnten diese tragen, später übernahmen Fuhrwerke den Salztransport.

1912 wurde die Saline mit ihrem letzten Sud geschlossen. Die Produktion von Steinsalz aus dem Norden Deutschlands war weitaus günstiger und die Sudhäuser und Wohnungen in Traunstein zu marode, um von dem schlechten Ertrag der Saline noch renoviert zu werden. Mit dem Ende der Salinengeschichte endet auch die Salinenwegführung.

Im Winter gehts mit Fackeln auf die Erkundung des Salinenweges.

Im Winter gehts mit Fackeln auf die Erkundung des Salinenweges.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Karl Surrer, Wirt vom Aubräu, bereitet sein Schmankerl, den Salzkrustenbraten, vor.
Tipp

Wer will, kann sich im Anschluss der Salinenwegführung noch einen echten Traunsteiner Salzkrustenbraten gönnen. Den gibts im Rahmen der Stadtführung mit Knödel und Speck-Krautsalat serviert im Wirtshaus zum Aubräu.


Datum: 16. September 2015 . Autor: Andrea Obele . Kategorie: Almen . Ausflugsziele . Genuss . Kultur . Museen . Orte . Region . Traunstein . Wandern
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