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Zum Fraubrunn in Traunwalchen

Dorothea Steinbacher

Fraubrunn in Traunwalchen – kaum jemand kennt diese Kapelle heute noch – einen ganz besonderen Ort im nördlichen Chiemgau. Früher kamen Scharen von Wallfahrern hierher, um sich mit dem verehrten heiligen Wasser aus der Brunnenkapelle die Augen auszuwaschen und zur Muttergottes zu beten.

Kurz vor dem höchsten Marienfeiertag der katholischen Bayern, Mariä Himmelfahrt am 15. August, statten wir dem alten Heilbrünnlein Fraubrunn einen Besuch ab.

Die achteckige Frauenbrunn Kapelle

Die achteckige Frauenbrunn Kapelle

Wir finden die achteckige Frau(en)brunnkapelle mit der hölzernen Zwiebelhaube direkt neben dem Friedhof von Traunwalchen. Heute fast ganz von Wohnhäusern umbaut, lag die Kapelle früher einsam auf dem Weg der Wallfahrer hoch zur Traunwalchener Pfarrkirche.

Direkt neben der Kapelle mit dem Wunderwasser errichtete der Hofmarksherr Graf Törring 1770 ein kleines Häuschen, das Mesnerhaus oder – im Volksmund – Schneiderhäusl.

 

Ruhige Idylle rund um die Kapelle

Sobald der Besucher am Frauenbrunn angelangt ist, spürt er nichts mehr von der Betriebsamkeit im Ort Traunwalchen. Hier ahnt man, wie es in der Vergangenheit gewesen sein muss. Zwischen Kapelle und Mesnerhaus ist ein Gärtlein angelegt mit Blumen, Gemüse und Johannisbeersträuchern. Der Weg ist mit Fundsteinen gepflastert, die Bienen summen und der Ort erscheint wie aus der Zeit gefallen.

Der heutige Besitzer des Frauenbrunn, der gemeinnützige Heimatbund Schloss Pertenstein, ist darauf bedacht, Kapelle und Mesnerhaus nur behutsam nach den Vorgaben des Denkmalschutzes zu renovieren. Ins Mesnerhaus wurde ein wenig Komfort eingebaut, mit einem großen Grundofen und besserer Isolierung. Nach über zwanzig Jahren, in denen das Haus lediglich notdürftig in Stand gehalten und selten bewohnt wurde, ist nun wieder ein dauerhafter Mieter eingezogen, ein junger Schreiner und Holzschnitzer, der mit großer Umsicht auch die Quellkapelle betreut.

Kunst erweckt die Kapelle und das Mesnerhaus von Fraubrunn zum Leben

Mathias Schneider heißt er, und er kennt auch die Geschichte vom Fraubrunn und vom Mesnerhäuschen:

Das Innere von Fraubrunn

Votivbild für die heilige Mutter Maria

Die Pfarrkirche von Traunwalchen, erzählt er, war schon um 1500 herum eine wichtige Marienwallfahrt, von der Hunderte von Wunderheilungen verzeichnet sind. Besonders viele Frauen sind darunter, die mit ihren Sorgen und Nöten rund um Schwangerschaft, Geburt und Kinderwunsch zur Muttergottes pilgerten. Damals gab es wohl auch schon eine Quelle auf dem Weg nach oben auf den Kirchenhügel. Diese Quelle wurde 1606 vom Grafen Törring neu gefasst und es gab die ersten Berichte über Wunderheilungen durch das Fraubrunn-Wasser. Auch als in den 1630er Jahren die Pest grassiert, vertraut man gegen die Seuche auf das heilige Wasser. Zahlreiche Votivbilder aus vier Jahrhunderten hängen heute noch in der Kapelle.

Das alte Schneiderhäusl ist allerdings nicht nach seinem neuen Bewohner benannt – es handelt sich, wie Mathias Schneider erzählt, um einen kuriosen Zufall: Ursprünglich sollte das Haus als Schulhaus und Wohnung für den Lehrer dienen. Im 19. Jahrhundert wird es an den Schneider Sebastian Feilnreiter vermietet und deshalb „Schneiderhäusl“ genannt. Eine Enkelin und eine Urenkelin des ersten Schneiders, Theresia Feilnreiter und Theresia Gastager, leben später ebenfalls im Fraubrunn-Haus. Die letzte „Fraubrunn-Resl“, Theresia Gastager, starb 1989. Das Grab der beiden Resls besuchen wir, wenige Meter neben ihrem Häuschen, auf dem nahen Friedhof.

Der neue Bewohner Mathias Schneider hat seine Werkstatt nicht im winzigen Mesnerhäusl, sondern ein paar Minuten entfernt, in der Halle eines holzverarbeitenden Betriebs mitten in Pertenstein. Der Absolvent der berühmten Berchtesgadener Holzschnitzerschule richtete in den letzten Jahren mehrere Ausstellungen seiner freien Arbeiten aus und machte auch mit Auftragsarbeiten im sakralen Bereich auf sich aufmerksam. Unweit seiner Werkstatt, in Pertenstein, kann man zwei seiner monumentalen Kunstwerke in freier Natur besuchen: das Ross, das sich direkt vor der alten Walzmühle aufbäumt, und den „Schwimmer von Pertenstein“, der uns besonders gut gefällt: Er steht, angetan mit roter Badehose, vorm Pertensteiner Mühlbach und scheint sich gerade fertigzumachen für einen Sprung ins kühle Wasser.

Am Abend begleiten wir Mathias Schneider wieder nach Hause, in „sein“ Schneiderhäusl. Oft warten Besucher, denen er dann noch die Fraubrunn-Kapelle zeigt. Das Wasser, das zu Füßen der Marienstatue austritt, lässt inzwischen oft auf sich warten. Manchmal nützt alles Pumpen nichts – die neuen Wohnhäuser rundherum brauchen viel Grundwasser. Doch bis jetzt hatte die Muttergottes immer wieder ein Einsehen – ab und zu lässt sie den Menschen wieder heiliges Wasser zukommen.

 

Tipp

Jedes Jahr am Mariä-Himmelfahrts-Tag, werden in der Pfarrkirche Traunwalchen traditionell während der Heiligen Messe am Vormittag die Kräuterbüschel geweiht, die die Frauen in die Kirche bringen. Am Abend findet um 20 Uhr eine Andacht in der Kirche statt, anschließend ziehen die Gläubigen mit Kerzen in einer Lichterprozession zum Fraubrunn hinunter.

Der Holzschnitzer Mathias Schneider, Bewohner des Fraubrunn-Häusls, freut sich über Besucher in seiner Schnitzwerkstatt und im Fraubrunn (Tel. 0152 22178639).

Es gibt noch weitere schöne Kirchen und Klöster im Chiemgau – eine Liste finden Sie auf unserer Website.


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