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Bäuerin mit Leib und Seele – Urlaub auf dem Bauernhof

Sennerinnen
Sepp Späth

Der Großrachlhof ist ein Bauernhof wie aus dem Bilderbuch. Ein gepflegtes Anwesen wo alles seinen Platz hat. Der einladende Anblick ist die Handschrift der Hausherrin Sabine Sichler. Sie ist Bäuerin mit Leib und Seele. Wenn Frau Sichler von der Arbeit und dem Leben am Hof erzählt strahlt sie über das ganze Gesicht. So auch während unserem Gespräch am Großrachlhof.

Hallo Frau Sichler, erzählen Sie uns doch bitte einleitend etwas zur Geschichte Ihres Hofes?

AhnentafelDer Großrachlhof wird heuer 900 Jahre alt. 1114 wurde er das erste mal erwähnt. Den Namen hat der Hof von den Brüdern Reichl, aus deren Nachnamen im bayrischen Dialekt dann „Rachl“ wurde. Als sie sich den Hof teilten, entstanden der Großrachlhof und der Kleinrachlhof.

Die Familie Sichler ist hier seit 1429 ansässig, allerdings nicht gleich unter diesem Namen, denn der wechselte noch je nach Erbe und Heiratsverhältnissen. Da gab es dann mal eine Familie Zeisl oder eine Familie Aufinger – bis eine Tochter 1834 einen gewissen Herrn Josef Sichler heiratete. Im Detail kann man sich die Liste der Besitzer hier an unserer Hauswand ansehen.

Wie führen Sie den Hof heute?

Wir haben eine Milchwirtschaft – also Milchkühe – und eine Alm, die Rachlalm. Das ist besonders schön, finde ich, eine Alm zu haben, wo Tiere gehalten werden. Ich mag es wenn Leben am Hof ist und wenn sich etwas rührt. Deshalb habe ich auch fünf Kinder. (lacht) Zudem haben wir dank unserer Ferienwohnungen, die wir vermieten, immer Gäste und spielende Kinder am Hof.

Die Kombination aus Alm, intaktem Hof und Ferienwohnungen ist natürlich ideal: Unsere Gäste können hier je nach Belieben ein Stück weit im Alltag mitgehen. Unser Leitbild ist: Wir wollen nicht Asche verwahren, sondern die Flamme am Brennen halten. Die Leute sollen sehen, dass da nix gekünstelt ist. Uns ist wichtig, dass das, was sie bei uns machen können, tatsächlich dazugehört zum Leben und Arbeiten auf dem Hof.

Der Großrachlhof wird 900 Jahre alt.

Der Großrachlhof, ein Hof wie aus dem Bilderbuch, wird 900 Jahre alt.

Was haben Sie für einen Eindruck, was gefällt Ihren Gästen am besten im Urlaub am Bauernhof?
Kühe melken ist für die Besucher oft das Highlight.

Die Kühe sind für viele Gäste das Highlight

Vor allem bei den Kindern ist die Antwort da eindeutig: Kühe melken – und überhaupt alles, was mit den Kühen zu tun hat! Wir haben Kinder, die stehen morgens täglich um halb sechs auf und gehen mit in den Stall. Andere Kinder wollen gar keine Ausflüge machen, weil ja am Abend um fünf die Kühe wieder zurückkommen und da müssen sie unbedingt dabei sein.

Was ich schön finde: Dass die Kinder hier lernen, wo Nahrung herkommt. Sie sehen, dass die Kuh nicht lila ist und es die Milch nicht automatisch im Packerl gibt. Da ist dann eine Kuh eben mal voller – pardon, aber wie wir sagen – „Scheißdreck“. Das ist normal und das stört auch niemanden. Nur manchmal sagt natürlich auch mal ein Kind: Ui, da stinkts!

Ein Teil eurer Kühe ist hier am Hof, ein Teil auf der Alm. Warum ist das so?

Wir haben meistens circa 40 Milchkühe. Das Jungvieh, also jene, die noch kein Kalb bekommen haben, geht im Frühjahr zu unseren Sennerinnen auf die Alm. Wichtig ist das Leben auf der Alm vor allem für die Kälber. Die gehen bereits im ersten Sommer mit rauf. Man kann sich das vorstellen wie eine „Kuhschule“: Die Jungen schauen sich von den Älteren ab, wie man Gras frisst oder wo es Wasser gibt. Das ist in diesem Alter entscheidend, denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!

Von wann bis wann genießen die Kühe das Leben auf der Alm?

Ende April, Anfang Mai sind wir eigentlich immer schon oben. Das Gras wird früh beweidet und die Kühe abwechselnd auf verschiedene Wiesen getrieben, damit immer wieder was frisches nachwächst. Dann hat man nie altes Gras und die Kühe finden immer frischen Bewuchs.

Ganz wichtig ist, dass die Almwiesen gepflegt werden. Dadurch, dass die Kühe regelmäßig auf frisch erholte Wiesen kommen, muss man weniger schwenden. Dass das eine sehr schwere Arbeit ist, werden auch die „Komm auf die Alm“-Gewinner noch feststellen (lacht). Nein, so schlimm ist es nicht, aber das zählt schon zu den härteren Arbeiten auf der Alm. Schwenden heißt ganz einfach, dass sämtlicher Auswuchs aus einer Wiese, wie Brombeeren und so weiter, entfernt wird. Eigentlich wie Unkraut jäten.

Das klingt spannend – was habt ihr sonst noch mit den „Komm auf die Alm“-Gewinnern vor?
Almabtrieb Bayern

Sennerin auf der Rachlalm

Ein volles Arbeitsprogramm! (lacht) Sie müssen sich sicher nicht fürchten, aber sie werden wirklich den Alltag unserer Sennerinnen miterleben. Sowohl das Schöne, als auch das Anstrengende. Dass man sich manchmal ein  wenig plagen und früh aufstehen muss gehört dann eben dazu. Sie erleben das echte Almleben. Morgens und abends werden die Kühe gezählt, die Brunnen gesäubert, Zäune abgegangen und repariert. Und vielleicht heißt es eben auch mal: Schwenden gehen!

Aber natürlich gehört auch das ruhige Leben dazu: Einfach mal draußen sitzen am Abend, wenn alle Leute weg sind und ein Lagerfeuer anzünden, die Ruhe und Stille ohne Fernsehen genießen. Handyempfang hat man übrigens auch nur an einer Stelle. Die Gewinner werden sehen, all das braucht man auch nicht. Man kommt zu sich selbst. Das wird eine ganz besondere Erfahrung sein.

 


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1 Kommentar
  1. Metzgers aus Bad Mergentheim sagt:

    Mit Interesse haben wir den Bericht über den Großrachlhof gelesen! Wir sind so etwas wie Stammgäste auf dem Hof. Es war immer sehr schön und vor allem immer sehr, sehr lustig.Unser schönstes Erlebnis war im letzten Jahr die Almbegehung.Für uns unvergesslich.Wir freuen uns schon auf unseren diesjährigen Urlaub auf dem Großrachlhof! Bis zum September ihr Sichlers!