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Kaiserschmarrn-Duft lockt hinter die Kulissen der Hefteralm

Datum: 24. Juni 2014 . Autor: Andrea Obele . Kategorie: Almen . Ausflugsziele . Genuss . Marquartstein . Orte . Region . Regionale Spezialitäten . Wandern
Die Hefteralm.
Andrea Obele

Irmi und Sepp Guggenbichler bewirtschaften seit 25 Jahren die Hefteralm (930 m) auf den Grassauer Almen. Bei einem Besuch erzählt Irmi, warum ihr Kaiserschmarrn so beliebt ist, wie es hinter den Kulissen der Alm abläuft und warum man hier oben große und kleine Pferde zu sehen bekommt.

Am Morgen, wenn das Gras noch taunass glitzert, sie ganz allein von den ersten Sonnenstrahlen gewärmt wird und nur das beruhigende Läuten der Kuhglocken hört – das ist für Irmi Guggenbichler der Moment, den sie am meisten liebt auf „ihrer“ Alm. Die Hefteralm ist aus mehreren Gründen eine wirklich ganz Besondere. Schließlich wurde sie 1911 von der Pferdezuchtgenossenschaft Traunstein erworben, um darauf nicht wie üblich hauptsächlich Kühe, sondern Pferde groß zu ziehen. Seither wird die Alm mit Jungstuten der Rasse „Süddeutsches Kaltblut“ bestückt.

Kaiserschmarrn auf der Alm

Irmi Guggenbichler weiß, wie man Gäste verwöhnt

Kaltblüter und Mini-Shettys teilen sich die Almwiesen mit Kühen

Irmi und ihr Mann Sepp, die seit 25 Jahren die Hefteralm für die Genossenschaft bewirtschaften, haben allerdings ihre Liebe zu etwas kleineren Rössern entdeckt: Sie züchten Mini Shetland Ponys, die sich neben den großen Kaltblütern am Almgelände tummeln dürfen. Dazu kommen noch Ziegen, Meerschweinchen, Hühner und Hasen. Nicht zu vergessen die fünf eigenen Milchkühe, die immer für genug Nachschub an Frischmilch sorgen. Natürlich gibt es auch noch andere Kühe auf der großen Weidefläche hier oben: Auf 43 Hektar können etwa 50 Kalbinnen und Jungvieh den Sommer auf der Alm verbringen. Sie gehören Mitgliedern der Zuchtgenossenschaft.

Die Alm ist kein Streichelzoo!

Trotz der Tiervielfalt „ist eine Alm kein Streichelzoo, stellt die Sennerin fest, die  gleich mit einem Missverständnis über das Leben auf der Alm aufräumen möchte: „Unsere Tiere leben tagaus, tagein mit uns hier oben, sie haben also das Hausrecht. Almen allgemein sind ja nicht vorwiegend für die Gäste gemacht, so schlimm sich das vielleicht anhören mag,  sondern für die Tiere, die hier leben.“

So bittet Irmi Guggenbichler die Besucher um mehr Respekt: „Wenn sich die Tiere hinlegen, dann haben sie einfach Ruhe verdient und sollten nicht angefasst und aufgetrieben werden. Die weiten Wiesenflächen dienen als nahrhaftes Futter für die Tiere und sind kein Fußballfeld.“

Schmunzelnd fügt sie noch hinzu, dass es gut sei, dass sie und ihre Familie zusammen mit den Vierbeinern von Mai bis Mitte Oktober auf der Alm leben, „schließlich könnten wir die Tiere mit den Menschen eigentlich fast nicht allein lassen.“

Hausgemacht: Brot, Käse und der berühmte Kaiserschmarrn

Alm Käse

Schmackhafter Käse will gepflegt werden

Auf althergebrachte, natürliche Weise bewirtschaften die Guggenbichlers die Alm und sind auch sehr stolz darauf. So werden die Gäste richtig almtypisch versorgt. Eine besondere Spezialität ist der handgemachte Almkäse, der im eigenen Almkeller mehrere Monate reifen muss. Hergestellt wird dieser nach wenigen alten Rezepten und dem Wissen, das sich Irmi Guggenbichler über Jahre auch in Kursen zusammen getragen hat. Und vor allem ohne Zusatzstoffe: „Milch, Salz und eine Käsekultur – mehr als reine Naturprodukte kommt nicht in unseren Käse“, sagt sie. Seit zwei Jahren kümmert sich der 23-jährige Philipp Wolfstetter mit Leidenschaft und viel Spaß im Keller der Alm um die großen Laibe, die täglich mit einer „Rotschmiere“ mit Hilfe einer Käsebürste behandelt und gedreht werden müssen. Nur so kann der Käse richtig reifen.

Das Brot, das mit dem Almkäse zur deftigen Brotzeit gehört, wird selbst gemacht und kommt aus dem eigens dafür gebauten Brotbackofen, der neben der Hefteralm steht. „Finger weg“ heißt es da an den Brotbacktagen auf einem lustig bemalten Schild, denn die fertigen Natursauerteigbrote kühlen hier für jeden sichtbar an der frischen Almluft aus.

Der Kaiserschmarrn ist besonders beliebt auf der Hefteralm. Wabernd umfangen einen die süßen, verführerischen Duftschwaden der leckeren Mehlspeise, wenn man in die Nähe der Küche kommt. Eng wird’s da in der Hochsaison, aber alles ist an seinem Platz und das Team eingespielt. Die riesige, blitzblank glänzende Pfanne, in der die Süßspeise mit gekonnten Griffen geschwenkt und goldbraun gebacken wird, ist 25 Jahre alt.

 Kaiserschmarren in Bayern genießen

„Mhhhhm“: Den leckeren Kaiserschmarrn genießen die Gäste Kristin und Stefan Osthans

Was ist das Geheimnis, das Besondere an Ihrem Kaiserschmarrn? „Da gibt es keines“, lächelt Irmi. „Es ist ein typisch bayrischer Schmarrn ohne Rosinen, mit Mehl, Eiern, Salz, Milch und Butterschmalz. Und natürlich ganz, ganz viel Liebe und einer großen Portion Puderzucker drüber“. Man schmeckt’s – das bestätigen auch die Gäste Kristin und Stefan Osthans, die dem Duft nicht widerstehen konnten und den Kaiserschmarren zwischen bunten, blumengeschmückten Fenstern an der Hüttenwand genießen.

Von wegen „Heidi auf der Alm„: Alm-Realität ist anders als in der Werbung

In all der Idylle kann man schnell vergessen, dass für die Guggenbichlers der Tag auf der Alm früh beginnt und erst spät endet. „Von wegen Heidi auf der Alm“, resümiert die Sennerin, wenn man sie nach dem Alltag am Berg fragt. „Es herrscht hier oben schon eine ganz andere Realität, als die Werbung oft vermittelt. Schließlich haben wir Tag für Tag die Verantwortung für die Tiere, die immer an erster Stelle stehen, und entsprechend viel Arbeit.

Mittagspause am gemütlichen Stammtisch der Hefteralm im Chiemga

Mittagspause am gemütlichen Stammtisch der Hefteralm

Sie selbst ist durch das Leben auf der Hefteralm „total anders geworden“. Erdverbundener. „Ich fahre in den Sommermonaten sehr selten ins Tal, weil ich den Stress, der unten wegen jeder Kleinigkeit ausbricht, nicht aushalte. Auch hier gibt´s mal Stress, aber der ist ganz anders geartet.

Wenn im Herbst nach dem Almabtrieb die Kühe wieder im Tal sind und kein Glockengeläut mehr zu hören ist, ist es auch für die Guggenbichlers an der Zeit, wieder nach Hause zu gehen: „Es fühlt sich hier nicht mehr richtig an, die ganze Alm wirkt verlassen und der Almsommer klingt aus. Es hat alles seine Zeit und es ist ganz normal, dass man heim geht, wenn auch immer mit Wehmut. Doch es ist wichtig, dass der Berg und seine Bewohner nach der Saison zur Ruhe kommen.

Tipp

Die Hefteralm liegt auf der gut ausgeschilderten SalzalpenTour „Über die Grassauer Almen“, die auf leichten Wanderwegen und kurzen, auch mal etwas steileren Waldsteigen in Grassau am Parkplatz des Museum Salz & Moor beginnt. Am Grießenbach entlang geht es auf das Gelände der Grassauer Almen und auf den Bergwalderlebnisweg Staffen. Neben vielen informativen und erlebnisreichen Stationen und echter, bayerischer Schmankerl-Gastronomie findet man hier eine grandiose Aussicht (nicht nur) auf den Chiemsee. Um die Wanderung richtig genießen zu können, sollte man einen ganzen Tag einplanen, die reine Gehzeit beträgt etwa sechs Stunden.


Datum: 24. Juni 2014 . Autor: Andrea Obele . Kategorie: Almen . Ausflugsziele . Genuss . Marquartstein . Orte . Region . Regionale Spezialitäten . Wandern
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