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Historische Hefe im Schwendler Weißbier

Abschöpfen bei der offenen Gärung beim Weissbräu Schwendl im Chiemgau
Mattias Gepp

Wer auf der Suche nach einem hochwertigen Weißbier ist, ist bei Weissbräu Schwendl aus Tacherting gut aufgehoben. Das vergleichsweise junge Unternehmen aus dem Chiemgau erzeugt seit 1935 obergärige Genuss-Biere in höchster Qualität. Dabei setzt man schon seit 80 Jahren auf offene Gärung und Flaschengärung: eine selten gewordene Rarität.

Vom Waschkessel zur leckeren Chiemgauer Weisse

Michael Schwendl, der Urgroßvater vom heutigen Besitzer Anton Schwendl, trank gerne mit Kollegen das eine oder andere Feierabend-Bier. Jedoch war Bier damals teuer und man fasste den Entschluss, selber Bier herstellen zu wollen. „Mein Urgroßvater besorgte sich daher Rezept und Zutaten von einem Freund und begann in einem 80 Liter Waschkessel Weissbier zu brauen“, weiß Anton Schwendl. Doch das Bier fand schnell großen Zuspruch, auch über den Freundeskreis hinaus. Dadurch musste die Brauerei immer wieder erneuert und vergrößert werden. Zudem errichtete man schon in der Anfangszeit den Brauereigasthof, um Bierdurstige mit Speisen verköstigen zu können.

Offene Gärung: Das A und O des Schwendl Bräus

Offene Gärung beim Schwendl Bräu im Chiemgau

Offene Gärung beim Schwendl Bräu

Wie vor 80 Jahren setzt das Weissbräu Schwendl nach wie vor auf die offene Gärung. Eine Herstellungsmethode, welche bei Großbrauereien aufgrund der Zeit- und Kostenproblematik immer seltener wird. Anton Schwendl sieht darin einen Qualitätsvorteil, da man unedle Bitterstoffe abschöpfen kann und ein kratziger Geschmack vermieden wird. Der Meister erklärt das so: „Während des 5- bis 6-tägigen Gärvorganges bildet sich Kohlensäure, welche unvergorene Partikel, wie z.B. Hopfenreste, an die Oberfläche drückt. Diese enthalten unedle Bitterstoffe, welche bei der offenen Gärung abgeschöpft werden .“ So erhält das Schwendl den mild-würzigen Geschmack, den die Kunden schätzen.

Eine weitere Besonderheit des Hauses Schwendl ist die Flaschengärung. Dabei wird dem unfiltrierten Jungbier Hefe zugefügt und direkt in die Flasche gefüllt. Bei 25 C° durchlebt das Bier seine zweite Gärung, wobei sich die Kohlensäure bindet und einen frischen und spritzigeren Geschmack erhält. Jedoch ist auch bei der Flaschengärung Fingerspitzengefühl gefragt. Denn der Druck in der Flasche darf nicht zu hoch sein, sonst könnte die Flasche platzen. Stichprobenartig kontrolliert Anton Schwendl dabei den Druckgehalt der Flaschen.

Druck Messen beim Weißbier in der Flaschengärung beim Schwendl Bräu im Chiemgau

Druck Messen beim Weißbier in der Flaschengärung

Hefestamm aus der Anfangszeit

Ein weiteres Qualitätskriterium ist der spezielle Hefestamm. „Dieser wurde aus alten Schwendl Bierflaschen herausgeimpft und bei der Hefebank in Weihenstephan hinterlegt. Somit kann die Schwendl Hefe nicht verloren gehen“, versichert Anton Schwendl. Die selbstgezogen Hefe verleiht den Schwendler Bieren individuellen Geschmack und Charakter.

Immer etwas neues, aber der Tradition treu bleiben

Veränderung? Kein Problem, aber nur solange wir weiterhin obergärig brauen“, waren Anton Schwendlers Worte und der erste Schritt zur Spezialbier Serie war getan. Seit 2009 wird die Serie unter den Namen „Don“ angeboten und stetig mit weiteren Bierkuriositäten belebt. „Don“ leitet sich von Anton ab. So wurden nämlich Vater und Großvater von Anton Schwendl liebevoll genannt. „Als Andenken an die beiden habe ich mir überlegt, die neue Spezialbierserie nach ihnen zu benennen“, verrät Herr Schwendl, der Dritte Don in der Brauereigeschichte.

3 Liter feinstes Schwendl Weißbier

3 Liter feinstes Schwendl Weißbier

Jedoch ein bisschen skurril find ich das Phänomen ‚Craft Beer‘ schon. Denn seit man den englischen Begriff verwendet, sind alle interessiert an der handwerklichen Braukunst. Obwohl man bei uns in der Region schon seit 500 Jahren Bier nach handwerklich deutschem Reinheitsgebot herstellt“, meint Anton Schwendl. Er fügt aber hinzu, dass es für ihn und sein Team äußerst spannend ist, neue Bierstile zu entwickeln und zu brauen. „Zum Beispiel begann man Whiskyfässer aus Eichenholz zu kaufen. Darin reift der „Weisse Bock“ zehn Monate lang zum „Weisser Bock Barrique“ heran. Durch diese Lagerung setzen sich die Aromastoffe des Eichenholzes und des Whiskys ab und entwickeln einen einzigartigen Geschmack, Geruch und Farbton. Das ist das ideale Bier, wenn man gemütlich mit Freunden in der Runde sitzt und über frühere Zeiten spricht.“

Mit seinen Erfolgen beim European Beer Award, mit Gold für das Schalchner leicht Weiß, sowie Silber für das Schalchner 5 Korn naturtrüb und das Schalchner Weisser Bock konnte Weissbräu Schwendl seine Bekanntheit in den letzten Jahren wieder in die Höhe hieven. 2015 verschiffte man die erste Lieferung Weißbier in die USA. „Der amerikanische Importeur war auf der Suche nach kleinen familiengeführten Brauereien. Da kamen wir im gerade Recht“, freut sich Anton Schwendl. Die Freude über Zulieferungen wie diese macht selbstverständlich das gesamte Team sehr stolz. Dennoch gilt es seine Hausaufgaben in der Region zu erledigen. Wenn dies der Fall ist, dann darf man sich ein Abenteuer erlauben.

Ausgewählte Schwendl Biere aus Tacherting im Chiemgau
Tipp

Für diejenigen, die einem Braumeister schon immer einmal über die Schulter schauen wollten und die besondere offene Gärung selbst begutachten wollen, bietet die Brauerei auch geführte Besichtigungen der Produktionsstätte an. Im Anschluss gibt es auch eine Bierverköstigung mit zünftiger Brotzeit!
Termine nach Vereinbarung: Tel. 08621/2300

 


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