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Kymsee Whisky

Datum: 16. Oktober 2015 . Autor: Kaiman . Kategorie: Brauereien . Genuss . Grabenstätt . Made im Chiemgau . Orte . Region . Regionale Spezialitäten
Kymsee Whisky Oliver Lange im Chiemgau
Kaiman

Einblicke in die Kunst des Whisky–Machens und –Genießens im Chiemgau

Am Rande des Naturschutzgebietes Achendelta, in Grabenstätt, liegt der Familienbetrieb „Chiemseebräu – die kleinste Gasthausbrauerei zwischen München und Salzburg“. Diplom-Braumeister Oliver Lange und seine Frau bewirten ihre Gäste mit bayrischen Schmankerln und vielen Spezialitäten aus familiärer Herstellung, z.B. hausgemachtem Brot und Senf, Marmeladen, Likören und feinen Essigen … Handwerk und Genuss gehen hier eine wundervolle Verbindung ein! Viele dieser Köstlichkeiten sind mit den hervorragenden Hausbieren oder Erzeugnissen der eigenen Destillerie angereichert: „Bierbrände“, Schnäpse aus Bock-, Zwickel- und Weißbier – viele „malzige“ Genüsse!

Doch mit Gerste und Malz geht noch mehr: Im Keller reift seit Jahren der „Kymsee-Whisky“.

Whisky – ein für Bayern eher exotisches Produkt! Man verortet das „heilige Wasser“ eher in Schottland, Irland, Kanada oder den USA. Der leidenschaftliche versierte Meister der Brau- und Brennkunst Oliver Lange hat mit der Whisky-Herstellung ein großes Langzeitprojekt gestartet. Seine Freude über das Gelingen war ihm anzumerken, als ich ihn einen Monat vor dem Öffnen des ersten ausgereiften Fasses besuchte. Natürlich durfte ich auch vom „New-Brand“ kosten.

Im nebenbei entstandenen Foto-Interview gibt mir der Chiemgauer Whisky-Macher Einblicke in die Kunst der Whisky-Herstellung und vor allem auch des Genießens.

Oliver, wie kommst Du als Chiemgauer denn zum Whisky-Brennen? Passt das zusammen?
Oliver Lange und Kaiman bei der Verkostung des Kymsee Whisky im Chiemgau

Oliver Lange und Kaiman bei der Verkostung des Kymsee Whisky

Oliver Lange: Freilich! Es gibt ja mit den klassischen Whisky-Ursprungsländern stammesgeschichtliche Verbindungen mit Bayern, schon über unsere keltischen Vorfahren. Auch spätere historische Verbindungen, denn die irischen Mönche haben hierzulande nicht nur das Christentum eingeführt. Die Destillation wurde zuallererst in den Klöstern praktiziert, zu medizinischen Zwecken. Daraus entstanden die hochprozentigen Getränke, ob Whisky, Obstler oder Enzian.

Ganz persönlich – wie kam Deine Leidenschaft für Whisky zustande?

Oliver Lange: Vor 30 Jahren verkostete ich zusammen mit einem guten Freund Whiskys, von den Blends über Basis-Whiskys bis zu den Single Malts. Viele davon waren damals hierzulande noch schwer zu beschaffen, etwas Besonderes. Da ich als Braumeister außerdem eine Beziehung zum Malz habe und beim Whisky das interessante Spiel mit den Lager-Aromen dazu kommt, war ich von dem Gedanken selbst Whisky zu brennen fasziniert.

Oliver Lange an der Brennblase im Chiemgau

Oliver Lange an der Brennblase

War es ein schwieriges Unterfangen?

Oliver Lange: Das Know-how für einen g´scheiten Whisky bekommt man nicht nachgeworfen, vieles wird sogar als Geheimnis gehütet. Doch ich hatte Interesse, Kontakte und einen langen Atem. Bei den Überlegungen zum Whisky-Charakter und bei der Beschaffung der richtigen Grundstoffe musste ich unzählige Entscheidungen treffen. Dazu kamen der Bau der Destillerie und das aufwändige Genehmigungsverfahren, von der Beschaffung der Brennrechte bis zur Abnahme und Überwachung der Anlage und des „Zollfreilagers“ durch die Behörden. Nur als Beispiel: An der Destille sind bei der Abnahme in 1,5 Tagen von vier Beamten 59 Plomben angebracht worden. Für die exklusive Menge, die ich produziere, ist das alles im Verhältnis sehr viel Aufwand!

Jetzt ist es ja endlich so weit, nach dreijähriger Reifezeit darf sich Dein erster Whisky offiziell auch so nennen und raus aus dem Fass. Was bedeutet das für Dich …

Oliver Lange: Für mich ist es die Krönung eines langen Weges, ein Traum wird wahr!

… und für die Whisky-Fans?
Die Spezialität des Hauses: Der Kymsee im Chiemgau

Die Spezialität des Hauses: Der Kymsee

Oliver Lange: Für Whisky-Liebhaber ist es ein neuer Taste, von einem ganz besonderen Ort:

  1.  „Kymsee“ ist ein 3-fach gebrannter Single Malt.
  2.  Er ist auf Basis des hiesigen „Steinweiler Quellwassers“ produziert.
  3.  Sein Aroma hat er drei Jahre in „kurzbelegten“ Bourbon- oder frischen Fässern aus amerikanischer Weißeiche ausgeprägt, hier in der Luft des Chiemgau.
  4.  Und für Kenner: Jede Flasche ist Single Cask, wird also nach Einzelfass ausgewiesen. Da gibt es feine Unterschiede!
Etwas für Whisky-Feinschmecker …

Oliver Lange: … und solche, die es werden wollen.

Doch was testen wir denn hier gerade, das sich noch nicht „Whisky“ nennen darf?

Oliver Lange: Den „New Brand“. So heißt Whisky vor seiner Mindestreifezeit. Man entnimmt ihn, um seine Entwicklung zu prüfen.

Kann man denn den Prozess während der Zeit noch feinsteuern?

Oliver Lange: Ja, da gibt es vor allem bei der Lagerung viele Dinge, die man verändern kann. Dann wechselt der Brand etwa in ein anderes Fass, mit z.B. anderem Volumen oder Holz, anderer Vorbelegung oder Toastung. Die Korrespondenz der Flüssigkeit mit dem Fass und dem umgebenden Luft-Klima hat großen Einfluss auf die entstehenden Aromen.

Klingt hoch wissenschaftlich! Muss man das zum Whisky-Genießen alles wissen?

Oliver Lange: Muss man nicht. Doch es hilft, wenn man ein bisserl was weiß.

Wie genießt man Whisky denn am besten?
Auch die Verkostung des Whisky will gelernt sein

Auch die Verkostung des Whisky will gelernt sein

Oliver Lange: Ich trinke ihn am liebsten abends, wenn Ruhe einkehrt, an der frischen Luft, mal am Haus oder auch auf einem Bankerl am See. Wichtig ist ein geeignetes Glas, mit dem man das Getränk zu Nase und Gaumen führt (wir haben dafür ja spezielle). Nimm Dir Zeit: handwarm schwenken, schnuppern, einen kleinen Schluck nehmen und warten, wie sich die Geschmackstoffe langsam entfalten. Nachschmecken, nachklingen lassen! Dazwischen etwas Wasser trinken, das erfrischt und verbessert den Gaumen. Ein kleiner Trick: 1-2 Tropfen Wasser in den Whisky geben, das variiert die Aromen!

Das haben wir ja eben praktiziert, eine tolle geschmackliche Erfahrung!

Oliver Lange: Ja, da gibt es so einiges zu entdecken.

Was passt denn am besten zu einem guten Whisky, wie dem „Kymsee“?

Oliver Lange: Ich finde, nette Leute und gute Gespräche mit interessanten Themen. Whisky kann ich allein in aller Ruhe genießen, doch Geselligkeit mag ich ganz besonders. Dazu, wie gesagt, ein gutes Wasser trinken, am besten das, welches der Whisky enthält. Die „Steinweiler Quelle“ z.B. wird hier in Grabenstätt in die Leitung eingespeist – für uns perfekt!

Wo kann man denn den „Kymsee“ bekommen und noch mehr darüber erfahren?

Oliver Lange: Am allerbesten hier bei uns im „Chiemsee Bräu“. Wir laden unsere Besucher zum Whisky-Tasting und auch zur Brennerei-Führung ein. Alles dazu findet sich auf unserer Website.

Super, Oliver, vielen Dank für alles!

Die „Whisky-Premiere“ mit erstem Ausschank und Verkaufsstart fand am 27. September 2015 statt. 400 Flaschen Erstabfüllung standen zum Verkauf. Das nächste Whisky-Fass wird im Dezember 2015 geöffnet.

Das Herzstück des Hauses - die Destillieranlage im Chiemgau
Tipp

„Brennereibesichtigung mit kleiner Verkostung“ gibt es samstags um 15 Uhr oder 16 Uhr, Dauer ca. 45 Minuten. Es ist keine Voranmeldung erforderlich, die Kosten pro Person sind 8,00 €. „Whisky-Tastings“ dauern drei Stunden, Termine finden sich auf der Website von Kymsee Whisky.

 


Datum: 16. Oktober 2015 . Autor: Kaiman . Kategorie: Brauereien . Genuss . Grabenstätt . Made im Chiemgau . Orte . Region . Regionale Spezialitäten
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2 Kommentare
  1. Lisa sagt:

    oh wie interessant! und wie gut sich das liest, kaum zu glauben, was hier im Chiemgau quasi „vor unserer Haustür“ alles entsteht! Danke Kaiman für diese Information. Jetzt bin ich nur gespannt, wann es Termine für Besichtigung und Verkostung gibt, und auf die anderen Schmankerln, die anscheinend im Hause der Chiemsee-Brauerei auch noch angeboten werden.
    Vielleicht trifft man sich dort mal?
    Lisa

  2. Kaiman sagt:

    Ja, da war ich selbst erstaunt! Nun bin ich für „Hochprozentiges“ ja überhaupt kein Fachmann, aber wenn man einen so guten Brand richtig(!) verkostet, tut sich eine ganz neue Geschmackswelt auf. Vor Ort kann man das bei den Brennereiführungen, Verkostungen etc. selbst erleben. Oder auch bei einem Spontanbesuch – einfach den Wirt Oliver Lange selbst fragen 🙂