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Ein besonderer Bauernmarkt: Der Apfelmarkt in Traunstein

Datum: 6. Oktober 2014 . Autor: Dorothea Steinbacher . Kategorie: Ausflugsziele . Genuss . Märkte . Orte . Region . Regionale Spezialitäten . Traunstein
Bauernmarkt: Apfelsorten aus dem Chiemgau
Dorothea Steinbacher

Aus der Kulturlandschaft des Chiemgaus nicht wegzudenken sind die vielen kleinen Bauernhöfe, und jeder dieser Höfe hat einen Obstanger – eine Wiese, auf der locker verstreut die unterschiedlichsten Obstbäume gedeihen: Apfelbäume, Birnbäume, Hauszwetschgen, Kirschbäume, Quitten und Renekloden. Wenn wir im Frühling im Chiemgau spazieren gehen, gehören die blühenden Obstbäume am Rand der Dörfer selbstverständlich zum Bild dazu, vor den Bergen, inmitten von Blumenwiesen.

Äpfel im Chiemgau

Die Spezialisten bei der Begutachtung

Im ansonsten rauen Klima des Alpenvorlandes hat der Chiemgau einige milde Regionen, die sich hervorragend für den Obstanbau eignen, wie Jürgen Sandner vom Landschaftspflegeverband Traunstein weiß: Die großen Seeflächen von Chiemsee und Waginger See speichern die Wärme und sorgen dafür, dass die Spätfrostgefahr hier nicht so groß ist wie anderswo. Gerade das Achental liegt in einer Föhnschneise von den Bergen her und bringt warme Luft mit – in den Hügellagen wird es zur Zeit der Obstbaumblüte dann nicht mehr so kalt wie in den Tälern. Die oft alten, knorrigen, seit Generationen gepflegten Bäume tragen noch alte Obstsorten, die so gut schmecken wie kein Apfel aus dem Supermarkt. Und die kann man probieren: auf dem Apfelmarkt – ein Bauernmarkt im Chiemgau der besonderen Art.

Was die Bauern auf ihren Obstwiesen erzeugen, das verkaufen sie nun schon im dreizehnten Jahr auf dem Traunsteiner Apfelmarkt. Er findet jedes Jahr an einem Sonntag im Oktober statt, heuer am 09. Oktober, von 10-16 Uhr. Der Bauernmarkt hat einen idealen Ort gefunden auf dem mittelalterlichen Stadtplatz neben der mächtigen St.-Oswald-Kirche – der heilige Oswald wird gerade im südöstlichen Bayern seit Jahrhunderten als Patron der Erntezeit und der Schnitter verehrt. Zwischen Oswaldkirche und Jacklturm warten am Apfelmarkt-Sonntag zahlreiche Stände auf Besucher: Man kann die unterschiedlichen Sorten probieren und sich informieren, welche Apfelsorten für den eigenen Garten geeignet wären. Die jungen Bäume kann man gleich erwerben.

Angeboten werden aber nicht nur Äpfel, Birnen und Produkte aus regionalem Streuobstanbau wie Apfelsaft, Most, Obstbrand, Apfelkuchen, Honig und Dörrobst. Besonders umlagert ist stets der Stand der Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege: Hier kann man Obstsorten bestimmen lassen, viele Besucher bringen Äpfel vom eigenen Baum mit. Kinder können mit einer handbetriebenen Kelter selbst Apfelsaft herstellen. Heuer gibt es auch Musik und Handwerkervorführungen. Auch gekocht wird auf dem Apfelmarkt – alles mit Äpfeln, frisch zum Probieren oder auch zum Sattessen. Tipp: Das Apfelcurry mit Linsen – wer will, bekommt auch noch das Rezept für daheim. Der Bund Naturschutz und der Landschaftspflegeverband informieren über die Bedeutung der Streuobstwiesen für eine gesunde Umwelt, ein intaktes Ökosystem.

Die Streuobstwiese

Eine Streuobstwiese ist das, was im Chiemgau Obstanger heißt. In Bilderbüchern sind sie noch ganz idyllisch rund um ein Bauerndorf herum gruppiert: große, üppig blühende Obstbäume inmitten bunter Blumenwiesen, in denen Kühe grasen und über denen Bienen und Schmetterlinge fliegen. In den letzten Jahren hat man erkannt, wie wichtig Streuobstwiesen sind: Sie werden vom Bauern nicht gedüngt und spät gemäht. Der lockere Baumbestand schafft vollsonnige bis schattige Standorte unmittelbar nebeneinander – Voraussetzungen für die Entwicklung besonders artenreicher Blumen- und Kräuterwiesen. Insekten, Wildbienen und auch die Honigbiene sind angewiesen auf solch artenreiche Blütenfülle. Früchte und Insekten bilden die Nahrungsgrundlage für viele Singvögel, Kleinsäuger und Fledermäuse. Diese finden außerdem in den Höhlen alter, morscher Bäume Unterschlupf und Nistgelegenheit. Das letzte Glied in der Nahrungskette innerhalb der Obstwiesen sind die größeren Räuber wie Käuze, Eulen, Marder. Ein derart vernetzter Lebensraum reguliert sich von selbst: So kann ein solcher Obstgarten extensiv bewirtschaftet werden, chemischer Pflanzenschutz ist nicht erforderlich.

Der Traunsteiner Apfelmarkt trägt dazu bei, dass die Streuobstbauern ihre Produkte vermarkten können, weil immer mehr Menschen erkennen, dass blühende Obstgärten, Bienen und die Vielfalt unserer alten Obstsorten sonst bald der Vergangenheit angehören. Den Unterschied kann man nämlich auch schmecken, auf dem Apfelmarkt: Naturtrüben Apfelsaft, selbst gepresst, frisch gebackenen Apfelkuchen, Apfelmarmelade gibt es zu verkosten und zu kaufen – und Apfelsorten mit den erstaunlichsten Namen. Von Fromms Renette über den Geflammten Kardinal und den Pfaffenhofener Schmelzling bis zu Kaiser Wilhelm und Prinzenapfel gibt es eine wahrhaft fürstliche Auswahl von Äpfeln mit einem Geschmack wie – eben wie früher.

Äpfel im Chiemgau
Tipp

Im Chiemgau hat sich sogar eine Initiative gegründet zur Förderung des Streuobstanbaus: www.streuobst-chiemgau.de.
Und wer den Apfelmarkt verpasst hat, der kann auch jeden Freitag auf dem Traunsteiner Bauernmarkt auf dem Stadtplatz Erzeugnisse der Bauern und Erzeuger aus der Region verkosten und kaufen.
www.direktvermarkter-traunstein.de/bauernmarkt.htm


Datum: 6. Oktober 2014 . Autor: Dorothea Steinbacher . Kategorie: Ausflugsziele . Genuss . Märkte . Orte . Region . Regionale Spezialitäten . Traunstein
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