Wir suchen die schönsten G’schichten aus dem Chiemgau.

Teilen Sie Ihre Geschichte und schenken Sie ein Lächeln.
» zum Gast-Autor Formular

Sonnenverwöhntes Gemüse schmeckt am besten

Datum: 21. November 2016 . Autor: Judith Schmidhuber . Kategorie: Genuss . Märkte . Regionale Spezialitäten
Sonnenverwöhntes Gemüse schmeckt am besten
Judith Schmidhuber

In der schönsten Region wachsen die besten Tomaten: Im Chiemgau steht Bayerns größtes Gewächshaus. Auch Paprika und sogar Erdbeeren gedeihen in Kirchweidach das ganze Jahr über. Die überdimensionale Unterglasfläche ist so groß wie 28 Fußballfelder. Ein Musterbeispiel an Nachhaltigkeit, das so selten und so ungewöhnlich ist, dass Besucher in Scharen kommen. Und das schauen wir uns jetzt an.

Co2-neutraler Gemüseanbau

Kirchweidach ist ein beschaulicher Ort im nördlichen Chiemgau und fortschrittlich. Die Wärmeversorgung stellt die Gemeinde mit Thermalwasser aus 4000 Metern Tiefe sicher. Das Geothermieprojekt hat Josef Steiner hellhörig gemacht. Der Gemüsebauer aus dem benachbarten Oberösterreich war auf der Suche nach einer Möglichkeit, gut schmeckende Tomaten umweltfreundlich anzubauen. „Nur acht Prozent der Tomaten, die in Deutschland jährlich verspeist werden, werden hierzulande angebaut. Der Rest muss importiert werden. Meist aus Spanien und Holland, inklusive Kosten für Beheizung und Transport.“

Damit ein Gewächshaus dieser Größenordnung in unseren Breitengraden überhaupt Sinn macht, braucht es eine Wärmequelle. „Mit Heizöl brauchst du da nicht anzufangen, das wäre mir auch nie in den Sinn gekommen.“ Er kontaktierte Bürgermeister und Gemeinderat und die waren gleich begeistert. Sie untermauerten sein Vorhaben auch gleich mit den passenden Grundstücken in der Nähe der Geothermiebohrstelle. So kams, dass Steiner gemeinsam mit vier Investoren 2014 ein fast 12 Hektar großes Gewächshaus samt Verpackungshalle und Verwaltungsgebäude baute. Tomaten und Paprika wachsen seit dem tonnenweise und finden reißenden Absatz. Was Steiner dazu bewog, einen draufzusetzen: Er erweiterte seine Anlage heuer auf 20 Hektar. 25 Millionen Euro stecken hinter diesem Wunderwerk des modernen Gemüsebaus.

dsc_0146

Tomatenstauden

Tomaten bis zum Horizont

Wer es betritt, dem fällt die Kinnlade herunter: Tomaten so weit das Auge reicht! Bis zum Horizont! Das andere Ende des Gewächshauses lässt sich nur erahnen. In endlosen Reihen wachsen die Stauden wie Schlingpflanzen nach oben. Mitarbeiter brauchen Hebekräne, um Kirsch-, Cocktail-, Eier und Rispentomaten in vier Metern Höhe pflücken zu können. In dem neueren Teil der Anlage steuern sie Elektromobile mit Anhängern voll gelber, roter und oranger Paprika durch die schier endlos langen Gänge. Nebenan wird in einer Halle sortiert, verpackt, gestapelt. Josef Steiner steht mittendrin und blickt zufrieden drein: „Es läuft reibungslos. Aber es steckt irrsinnig viel Arbeit dahinter.“

Sonnenverwöhntes Gemüse schmeckt am besten

Josef Steiner zwischen seinen Tomatenstauden

Nützlinge und Regenwasser

Und ein ausgeklügeltes System. Im Gewächshaus umher schwirrende Hummelvölker bestäuben die Pflanzen. „Schädlinge bekämpfen wir mit Nützlingen“, erklärt Josef Steiner. Welche Sorten, welcher Dünger, welche Pflanzenpflege: Steiner und seine Mannschaft aus Gemüsebau-Experten haben anfangs Tüfteln müssen. So stecken die Wurzeln statt in lehmigem Chiemgauer Boden in   Folienpäckchen mit Kokossubstrat. Regenwasser wird in einem Außenbecken gesammelt. „Wir sind in Sachen Gießwasser völlig autark“, erzählt Steiner stolz. Ein ausgeklügeltes Leitungssystem versorgt alle Pflanzen über Schläuche. Dünger wird beigemischt. Die Halle mit den riesigen Tanks bekommen die Besuchergruppen zu sehen. „Transparenz ist uns wichtig. Wir wollen herzeigen, was wir produzieren und wie wir es produzieren“, sagt Junior-Chef Wolfgang Steiner.

Erdbeeren im Nu ausverkauft

Sonnenverwöhntes Gemüse schmeckt am besten

Leckere Erdbeeren

Mit Rewe haben die Steiners einen Abnehmer, der ihre Produkte exklusiv in bayerischen Märkten anbietet. Neben 120 Tonnen Tomaten und 40 Tonnen Paprika liefert das Gemüsebauunternehmen auch zehn Tonnen Erdbeeren pro Woche an die Handelskette. Sie schmecken süß, weil sie keinen Regen, dafür aber reichlich Sonne durchs Glasdach abgekommen. Den ursprünglichen Plan, im Erweiterungsbau Gurken anzupflanzen, hatten die Steiners schnell wieder verworfen – weil die Nachfrage nach Gewächshaus-Erdbeeren viel größer ist. Stimmt: In den umliegenden Rewe-Märkten sind die Erdbeeren aus dem Gewächshaus-Wunderland jedes Mal im Nu ausverkauft.

Sonnenverwöhntes Gemüse schmeckt am besten
Tipp

Besuchergruppen erleben die bayernweit einmalige Erfolgsgeschichte von Gemüsebau Steiner hautnah bei einer geführten Betriebsbesichtigung. Eine Anmeldung ist online möglich..


Datum: 21. November 2016 . Autor: Judith Schmidhuber . Kategorie: Genuss . Märkte . Regionale Spezialitäten
Hinterlassen Sie einen Kommentar

Nach Absenden des Kontaktformulars erfolgt eine Verarbeitung der von Ihnen eingegebenen personenbezogenen Daten durch den datenschutzrechtlich Verantwortlichen zum Zweck der Bearbeitung Ihrer Anfrage auf Grundlage Ihrer durch das Absenden des Formulars erteilten Einwilligung. Weitere Informationen