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Windbeutelgräfin in Ruhpolding: Erlebnis für Gaumen und Augen

Datum: 29. September 2015 . Autor: Jennifer Auinger . Kategorie: Ausflugsziele . Genuss . Made im Chiemgau . Orte . Region . Regionale Spezialitäten . Ruhpolding
windbeutelgräfin ruhpolding
Jennifer Auinger

Eigentlich ist es ein normales Kaffeehaus in Ruhpolding. Doch ein Besuch bei der Windbeutelgräfin ist wahrlich ein Erlebnis für Gaumen und Augen zugleich. Nicht umsonst ist es das berühmteste Windbeutelkaffeehaus in Deutschland. Doch die süßen und sauren Brandteigkrapfen sind nicht das einzige Highlight bei Helmut Stemmer und seiner Tochter. Wir überzeugen uns selbst vom geschichtsträchtigen Haus mit echten Chiemgauer Spezialitäten.

Mühlbauernhof aus dem 17. Jahrhundert

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Das Kaffehaus ist schon von außen ein Blickfang

Schon von außen ist der Mühlbauernhof, eingebettet zwischen den majestätischen Bergen der Chiemgauer Alpen, ein besonderer Blickfang. Bilder aus vergangenen Zeiten zieren die Hausmauer, die Fensterstöcke sind aufwendig bemalt, der Türbogen ist aus echtem Ruhpoldinger Marmor. Was uns gleich ins Auge springt sind die zahlreichen Infotafeln zu Persönlichkeiten, die die Chiemgauer Spezialität schon verspeist haben. Wir öffnen die Türe des geschichtsträchtigen Kaffeehauses in Bayern und sind gespannt, was uns drinnen erwartet.

345 Kannen als Wandschmuck

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345 Kannen schmücken ein Zimmer des Kaffeehauses

Freundlich begrüßt uns Hausherr Helmut Stemmer, der gemeinsam mit seiner Tochter seit 2014 das berühmteste Windbeutelkaffee Deutschlands betreibt. Er führt uns in einen Raum, am Ende des Hauses. Es ist kein gewöhnliches Zimmer. Wir starren fasziniert an die Wände. Gefühlte tausend Kannen schmücken die Wände und Decke der Gaststube. Helmut grinst und klärt uns auf: „Wir sind hier im Kannenzimmer, hier hängen 345 Kaffeekannen an den Wänden. Der frühere Besitzer des Ruhpoldinger Kaffeehauses war leidenschaftlicher Sammler und dekorierte so das Zimmer. Draußen gibt es übrigens weitere 178. Und es werden immer mehr“.

Die Geschichte der Windbeutelgräfin in Ruhpolding

Wir wollen mehr über die Geschichte erfahren. Wie kam es zu dem Namen „Windbeutelgräfin“? „Ursprünglich sollte hier am Mühlbauernhof in Ruhpolding ein Gestüt entstehen. Die Räumlichkeiten, die einem Grafen gehörten, standen leer, bis 1949 Frau Richardis von Somnitz zum Mühlbauernhof nach Bayern flüchtete und ein kleines Kaffeehaus eröffnete. Sie war sehr unerfahren im Kochen und Backen, bis sie eines Tages ein Rezept von einem ihrer Gäste bekam. Als sie das Rezept im Alleinversuch probierte, nahm sie viel zu viel Teig und es entstand ein gigantischer Riesenwindbeutel. Die Chefin bekam den Namen Windbeutelgräfin. Bis heute ist das Gebäckstück eine Spezialität des Hauses. Die Anrichteweise ist patentiert, der Name geschützt.“, klärt uns Helmut Stemmer auf.

Kaffeekannen als Geschenk

Während unseres Interviews kommen immer wieder Gäste in die Stube des bayrischen Kaffeehauses und fotografieren den einzigartigen Wandschmuck ab. Eine ältere Damenrunde nimmt Platz am Nebentisch. „Ich habe daheim auch noch so viele Kannen, die ich nicht mehr brauche. Die muss ich das nächste Mal mitnehmen.“, schlägt eine der Damen vor. Kaffeehausbesitzer Helmut Stemmer lacht uns an: „Seht ihr, so werden die Kaffeekannen immer mehr. Es gibt so viele Gäste, die uns immer wieder damit beschenken.“

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Stefanie Stemmer bringt die Spezialität zu den Gästen

Riesenwindbeutel im Schwanenkostüm

Schon kommt Helmuts Tochter Stefanie mit einem Teller um die Ecke. Darauf ein gräflicher, rund 13 cm hoher Windbeutel-Schwan gefüllt mit Heidelbeeren, Vanilleeis, Schlagobers und Eierlikör. Der Lohengrin-Windbeutel. Die Spezialität des Hauses. „Wie ihr wisst verehren wir Bayern König Ludwig, der ein großer Fan der Lohengrin Oper ist. In diesem Stück kommt ein Schwan vor, deshalb servieren wir unsere Windbeutel in Schwanenform.“, klärt uns Helmut auf. Der Lohengrin-Windbeutel ist nicht nur ein Erlebnis für das Auge, sondern auch für den Gaumen, wie wir bald erfahren.

Chiemgauer Spezialität lockt Urlauber nach Ruhpolding

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Die Brandteigkrapfen werden täglich frisch zubereitet

Nachdem wir das erste Stück gekostet haben ist uns klar, warum die Gäste lange Wege für die Spezialität auf sich nehmen. „Unsere Gäste kommen aus Salzburg, Innsbruck oder München. Viele reisen mit dem Bus nach Ruhpolding.“, erzählt Helmut stolz. Ein Blick in die Speisekarte genügt und wir sind fasziniert von der Auswahl. Es gibt Windbeutel mit Ananas, Erdbeeren, Sauerkirschen oder Heidelbeeren kombiniert mit Schokosauce, Eierlikör oder Vanilleeis. „Seit kurzem gibt es auch deftige Brandteigkrapfen mit Lachs oder Tomate-Mozzarella, die kommen vor allem bei Männern sehr gut an.“, so Helmut, der uns noch verrät, dass der Krapfen mit Erdbeer, Sahne und Eierlikör bei den Kunden am beliebtesten ist. Schmunzeln lassen uns auch die „weiß-blauen“ Sprüche und Weltanschauungen zwischen den Zeilen der Speisekarte. Sie sind dazu da – so steht es auf der Karte –, um das kleine liebenswerte Bergvolk mit all seinen Hinterfotzigkeiten besser verstehen zu können.

65.000 Windbeutel pro Jahr

Bei näherer Betrachtung entdecken wir am Schwanenhals ein kleine Nummer. Wir essen gerade den 2.465.125. Windbeutel im Kaffeehaus in Ruhpolding. „Seit 1978 zählen wir mit, wie viele Brandteigkrapfen wir produzieren. Jährlich verzehren unsere Gäste im Durchschnitt 65.000 Windbeutel.“, teilt Helmut mit, der uns über die berühmtesten Persönlichkeiten informiert.

  • den 500.000. Lohengrin-Windbeutel verspeiste 1978 Kammersänger Rudolf Schock
  • Nummer 1.750.000 kredenzten wir unserer Ruhpoldinger Biathlonlegende Fritz Fischer
  • Schauspieler Klausjürgen Wussow verzehrte 2003 den Windbeutel Nr. 2.000.000
  • In einer Reportage über die Windbeutelgräfin für die Sendung „Galileo“ bereiteten wir 2008 Nr. 2.222.222 zu, die bei der deutschen Meisterschaft im Windbeutelessen verspeist wurde
  • Unsere Eisprinzessin Katharina Witt genehmigte sich 2011 den Windbeutel Nr. 2.371.000.

Fraglich, ob wir bei solch berühmten Persönlichkeiten auch erwähnt werden…

Windbeutel-Rekorde

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In der Küche werden die Brandteigkrapfen zubereitet

Apropos Meisterschaft: Der Hausrekord steht derzeit bei acht verspeisten Lohengrin-Windbeuteln. In unserem Chiemgauer Kaffeehaus gilt: Wer drei Windbeutel hintereinander gegesssen hat, bekommt den Vierten gratis von uns. „Letztens besuchte uns eine Männergruppe. Ich staunte nicht schlecht, als ein Bursche nach seinem dritten Windbeutel einen weiteren bestellte. Als ich ihm erklärte, dass er den vierten gratis bekommt, war er richtig begeistert und verzehrte – mit Müh‘ und Not – noch den letzten.“, erzählt Windbeutelgraf Helmut lächelnd.

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Die Bärentatze: eine weitere Spezialität des Hauses

Von Brandteigkrapfen bis Bärentatzen

Für Helmut Stemmer, der täglich von Traunstein nach Ruhpolding pendelt, beginnt der Tag um 6 Uhr früh in der Backstube. Denn die Windbeutel werden täglich frisch zubereitet. „Der Teig ist wie ein Brötchen, am nächsten Tag ist er zäh und trocken. Heute bin ich schon vier Stunden in der Backstube gestanden. Die Menge des Teiges ist immer abhängig vom Wetter, den Reservierungen und der Jahreszeit.“. Neben den Brandteigkrapfen lockt das Ruhpoldinger Kaffeehaus aber auch noch mit gut bürgerlichen Speisen, selbst gemachten Kuchen und Torten oder Bärentatzen. „Das außergewöhnliche Gebäckstück präsentierte die Windbeutelgräfin 1985 zur 150-jährigen Wiederkehr der Erlegung des letzten deutschen Bären bei der Ruhpoldinger Schwarzachalm.“, offenbart uns Helmut.

Ein Rundgang durch die Geschichte Ruhpoldings

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Ein Blick in das Marinezimmer und das Afrika-Stüberl (links)

Nach und nach trudeln die Gäste ein und langsam gewöhnen wir uns auch an das Blitzlicht im „Kannenzimmer“. Als nächstes steht ein Rundgang durch das Ruhpoldinger Kaffeehaus – und was wir noch nicht wissen durch die Geschichte Ruhpoldings – an. Die gemütliche Einrichtung schafft mit liebevollen Dekos und Sprüchen eine Atmosphäre zum Wohlfühlen. Jedes Zimmer widmet sich einem Thema und versprüht seinen eigenen Charme:

  • Kannenzimmer (345 Kannen an der Decke und den Wänden)
  • Fritz Fischer Stammtisch (geschmückt mit Pokalen und Medaillen des Ruhpoldinger Biathleten Fritz Fischer)
  • Andreas Hofer Stüberl (das Haus war Treffpunkt für die Freiheitskämpfer)
  • Marinezimmer (Gemälde, Schiffsbänder aus der Kaiserzeit)
  • Afrikastüberl (weil Deutschland Kolonien in Afrika hatte)
  • König Ludwig Zimmer (geschmückt mit alten Speisekarten und Gemälden)
  • Maria Theresia Zimmer (aufwendiges Stuck an der Decke, original handgeschriebener Brief von Maria Theresia)
  • Ruhpoldinger Bauernstube (Werkzeug von den Knechten des Mühlbauern, dem das halbe Miesenbacher Tal gehörte).
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In einem Spezial-Ofen werden die Windbeutel gebacken

Windbeutel-Rezept für Jedermann

Nach dem Rundgang durch die Zimmer sind wir bestens informiert über die Geschichte von Ruhpolding. Eines wollen wir aber noch wissen: das Geheimrezept. „Es ist kein Geheimnis.“, überrascht uns Helmut mit seiner Antwort. „Ich kopiere das Rezept oft meinen Gästen. Die Herstellung ist aber gar nicht so einfach.“, macht uns Helmut neugierig. „Es ist ein normaler Brandteig. Das schwierige an den großen Krapfen ist, dass sie innen durch sind, aber außen nicht verbrennen. Daran sind schon einige gescheitert.“. Helmut zeigt uns die speziellen Öfen mit Dampfstoßfunktion, in denen er täglich die Chiemgauer Spezialität aufbäckt.

TIPP VOM EXPERTEN: Keinesfalls die Ofentüre öffnen, wenn die Windbeutel bei hoher Temperatur wachsen. Dann fallen sie zusammen und man muss von vorne beginnen!

Von Kreativität und Qualität

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Helmut und Stefanie Stemmer lieben ihre Arbeit

Die Frage, was denn das Erfolgsgeheimnis von Helmut und seiner Tochter ist, ist schnell beantwortet: „Es gibt bei uns keine Geheimnisse. Wir arbeiten täglich daran, dass die Qualität stimmt. Außerdem lassen wir uns immer wieder was Neues einfallen, wie zum Beispiel die pikanten Windbeutel-Füllungen.“. Wer jetzt denkt, der Windbeutel-Spezialist hat sich von seinen Köstlichkeiten schon satt gegessen, der täuscht sich. „Klar, ich esse regelmäßig mit meiner Tochter die Windbeutel. Meine Lieblingsfüllung sind die Heidelbeeren.“
Eineinhalb Stunden später verlassen wir mit vollem Magen das geschichtsträchtige Kaffeehaus in Ruhpolding und sind begeistert. Fazit: Ein einzigartiges Erlebnis, von dem sich am besten jeder selbst ein Bild machen sollte. Wir kommen wieder!

Tipp

Wer noch mehr kulinarische Spezialitäten aus dem Chiemgau erleben möchte, sollte sich auf keinen Fall die Marzipanwerkstatt auf der Fraueninsel entgehen lassen.


Datum: 29. September 2015 . Autor: Jennifer Auinger . Kategorie: Ausflugsziele . Genuss . Made im Chiemgau . Orte . Region . Regionale Spezialitäten . Ruhpolding
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3 Kommentare
  1. Bernd Kremer sagt:

    Aaaaah war das im Februar schön. Wir kommen wieder.

  2. Sylvie und jörg sagt:

    Hüftgold wächst… Sooo lecker man denkt ,das Schaft man nicht doch auch wir haben es geschafft… Sie sind die s ü n d e wert 1000km gefahren … Sylvie und Jörg KOPMANN

  3. Sylvie und jörg sagt:

    Daniela sagt, die müsst ihr probieren… Haben wir . Hüftgold wächst garantiert…. Aber es schmeckt doch sooo lecker. 1000km gefahren um Urlaub zu machen. LG Jörg ü ne Sylvie KOPMANN Horneburg Niedersachsen