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„Blaues Blut im Chiemgau“ – Geschichte

Datum: 18. Juli 2016 . Autor: Bianca Besele . Kategorie: Kirchen & Schlösser . Kultur . Museen . Region . Seeon-Seebruck-Truchtlaching
Blaues Blut im Chiemgau
Bianca Besele

Was haben eine junge Frau mit ihrem mysteriösen Geheimnis, das Ende des großen Zarenreichs und ein kleiner, 5000 Seelen Ort im schönen Chiemgau gemeinsam? Vor nicht einmal hundert Jahren ist genau all das zusammengekommen und hat für große Aufruhr – praktisch vor der Haustüre – gesorgt. Eine Geschichte, zu schön um wahr zu sein.

Anastasia Manahan – eine echte Zarentochter? Was für eine Geschichte

Balues Blut im Chiemgau

Anastasia Manahan

Während König Ludwig II seine wunderschönen Schlösser in Bayern baut und sein Nachfolger Ludwig der III seinem Amt als letzter Monarch nachgeht, neigt sich – wohlgemerkt zeitgleich – die russische Zarenherrschaft ihrem Ende. Mit dem legendären Mord im Hause Romanow wird die ganze Zarenfamilie über Nacht ausgelöscht. Die Überreste der Knochen sind aber nicht vollständig, es fehlt ein Teil. Als eine junge Frau namens Anastasia Manahan in Seeon auftaucht und behauptet die letzte Überlebende zu sein, ist die spannende Geschichte geboren. Tatsächlich kann man das Grab heute noch anschauen. Auch wenn DNA-Analysen das Gegenteil beweisen, die Geschichte ist der Wahnsinn. Wie aufregend, eine echte Zarentochter! Wer wünscht sich das nicht, blaues Blut in den Adern, prunkvolle Kleider und Kronjuwelen? Der Traum jedes Mädchens, plötzlich Prinzessin und das auf schicksalhafte Art und Weise. Echter Adel und das bei uns im Chiemgau? Dem muss ich auf den Grund gehen. Vielleicht weiß die Generation unserer Eltern mehr. Ich frage bei meiner Mutter nach und sie beginnt zu schwärmen: „Anastasia Manahan, klar kenn ich die, da gab´s doch auch den super Film …!“ Ganz im heutigen „Pretty Woman-Stil“ verzauberte Ingrid Bergmann damals die Massen, erzählt sie weiter. Mit der Anastasia-Verfilmung sind Glitzer, Glanz und Glamour nicht nur ein Teil des Films, also auf der Leinwand, sondern auch in der Realität gibt es brilliante Preise, wie den „Golden Globe“ und den „Oscar“.

Die Geschichte zum Anfassen im Kloster Seeon

Jetzt bin ich noch neugieriger und mache ein Treffen mit der Kunsthistorikerin Hedwig Amann aus. Ein paar Tage darauf bin ich auch schon am Weg nach Seeon, um mir selber ein Bild von der Sache zu machen. Am Weg vom Parkplatz zum Kloster entdeckte ich hinter der Mauer ein kleines Kirchlein: St. Walburgis. Und tatsächlich finde ich das Grab der Zarentochter, umringt von weiteren Gräbern, einer ganzen Grabstätte. Aber was haben die schrägen Querbalken – drei an der Zahl, der unterste in einem anderen Winkel – zu bedeuten?

 

Ein rascher Blick noch, denn mein Termin mit der Expertin aus dem Kloster Seeon wartet. Hoffentlich weiß Frau Amann mehr über Anastasia. Und tatsachlich erzählt sie mir, wie die Geschichte in den 90er Jahren touristisches Aufsehen im Dorf und auch bei den Medien erregt hat. Leider ist dieser Hype mit dem Aufkommen der DNA-Analyse vor ca. zehn Jahren zu Nichte gemacht worden. Die Ergebnisse haben gezeigt, es ist nicht die letzte Zarentochter die in Seeon begraben liegt.

Amann: „Wir halten die Sache mit Frau Manahan sehr unterschwellig, weil das auswertbare Material ist jetzt nicht so sehr ergiebig und die Wissenschaft hat gezeigt, das was vorhanden ist, passt nicht zusammen. ABER, ob das untersuchte Material wirklich von Frau Manahan war, kann man nicht mehr beantworten.“

Blaues Blut im Chiemgau

Stammbaum der Leuchtenbergs

Der Adel der Leuchtenberg´s

Blaues Blut hat aber trotzdem Geschichte im Chiemgau,– und zwar die Geschichte der Leuchtenbergs. Die Kunsthistorikerin erklärt mir den Stammbaum. Unglaublich, der reicht bis vor das 18. Jahrhundert zurück. Und das war – auch für alle nicht Historiker unter uns – die Zeit des berühmten Napoleon Bonaparte. Damit Frankreich und Bayern im ersten Kaiserreich fester zusammenrücken, heiratet er Augustine Amalie, Prinzessin von Bayern. Ihre sechs Kinder sind so effektiv weiterverheiratet worden, dass sogar die Habsburger zu der Zeit vor Neid erblassen würden. Verbindungen nach Russland und Brasilien entstehen. Der tatsächliche Adel und die Verbindungen nach Russland sind somit bestätigt, auch wenn es nicht die letzte Zarentochter ist. Die zuletzt im Kloster Seeon lebenden „von Leuchtenberg´s“ waren Georg und Olga, deren Gräber ich auch auch an der Kirche, bei der Grabstätte entdecke.

 

Blaues Blut im Chiemgau

Blaues Blut im Chiemgau

Mein „Anastasia-Resümee“ am Ende des Tages

Auch wenn die DNA Daten eine eindeutige Sprache sprechen und die Wissenschaft klar Position bezieht – das Träumen vom Leben einer Prinzessin ist immer schön. Die Geschichte wäre eine Sensation, wenn sie wahr wäre. Aber eines steht sicher fest: einen Besuch ins Kloster Seeon mit seinem wunderschönem Seeblick, war sie auf alle Fälle wert. Und man kann ja mal ein bisschen träumen, von blauem Blut, Glanz und Glamour.

Chiemgauer Musikfrühling
Tipp

Weitere spannende Beiträge rund um das Kloster Seon findet ihr zu den Themen Mozartorgel, Kunstmultitalent am Weihnachtsmarkt und dem Chiemgauer Musikfrühling


Datum: 18. Juli 2016 . Autor: Bianca Besele . Kategorie: Kirchen & Schlösser . Kultur . Museen . Region . Seeon-Seebruck-Truchtlaching
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