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Ein Leben auf der Bühne des Chiemgauer Volkstheaters

Datum: 9. März 2015 . Autor: Sandra Berthaler . Kategorie: Ausflugsziele . Gastbeitrag . Kultur . Orte . Region . Tradition & Handwerk . Veranstaltungen
Chiemgauer Volkstheater
Sandra Berthaler

Die Schauspielerei liegt ihr im Blut – es gibt wohl kaum jemanden, auf den diese Redensart besser zutrifft als Kristina Helfrich. Die 31-jährige Riederin ist festes Ensemble-Mitglied im Chiemgauer Volkstheater und seit Generationen mit ihm verbunden.

1964 übernahm ihre Oma, Volksschauspielerin Amsi Kern, die Theaterleitung und machte das Chiemgauer Volkstheater über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt. 1984 übergab sie es an ihren Sohn Bernd Helfrich (bekannt aus „Der Bulle von Tölz“ und „Immer wieder Sonntag“) und dessen Frau Mona Freiberg („Löwengrube“, „Der Komödienstadel“), um bis zu ihrem Tod 2002 „nur noch zu schauspielern“. Das Ehepaar brachte das traditionelle Tourneetheater zum Bayerischen Fernsehen, das die beliebten Theaterstücke heute sechs Mal pro Jahr ausstrahlt.
Wie ein Leben als Volksschauspielerin aussieht, welche Rolle der bayerische Dialekt spielt und warum sie zunächst gar nichts von der Schauspielerei wissen wollte, verriet mir Kristina Helfrich im Interview.

Kristina Helfrich mit Mama und Onkel

Kristina Helfrich mit Mama und Onkel

Du kommst aus einer großen Schauspielerdynastie. Stand schon immer fest, dass du Schauspielerin wirst?

Nein, überhaupt nicht. Als Kind wollte ich mit der Schauspielerei gar nichts zu tun haben. Ich war ständig mit dabei, deshalb war es wohl nichts Besonderes mehr für mich. Ich wollte was ganz anderes machen und habe mich nach der Schule für eine Ausbildung zur Tierarzthelferin entschieden. Als ich 22 Jahre alt war, gab ich mir und dem Theater aber doch eine Chance. Meine Oma und mein Papa standen schon mit 15 und 17 zum ersten Mal auf der Bühne. Da war ich mit 22 ein Spätzünder und dachte mir, jetzt muss ich’s probieren. Natürlich hat auch die Familienehre eine große Rolle gespielt. Meine Oma Amsi Kern hat das Chiemgauer Volkstheater seit 1964 geführt und dann an meine Eltern weitergegeben. So ein Lebenswerk will man nicht einfach aufgeben. Daher wollte ich’s mit der Schauspielerei probieren und schauen, ob’s mir Spaß macht und das tut es auch.

Haben deine Eltern gar nicht versucht, dich zu beeinflussen?

Nein, überhaupt nicht. Sie wussten auch, dass sie mit Druck gar nichts bei mir erreichen. Sie haben mir immer kompletten Freiraum gelassen und mich auch bei meiner Ausbildung zur Tierarzthelferin unterstützt. Und als ich mich dazu entschied, doch mit einzusteigen, haben sie sich natürlich sehr gefreut.

Deine Oma hat das Chiemgauer Volkstheater 20 Jahre lang geleitet – es heißt, sehr energisch. Wie hast du sie in Erinnerung?

Meine Oma war eine resolut bayerische Frau. Sie wusste genau, was sie will und was nicht. Als Schauspielerin liebte sie das Kracherte und Lustige und sie hatte natürlich ein lautes Organ. Man darf nicht vergessen, dass sich meine Großeltern getrennt haben, als sie die Leitung des Chiemgauer Volkstheaters übernommen haben. Mein Opa hat dann das Tegernseer Volkstheater übernommen und meine Oma hat das Chiemgauer Volkstheater weitergeführt. Allein als Frau in der damaligen Zeit – da braucht man schon Durchsetzungsvermögen.

Du hast keine klassische Schauspieler-Ausbildung. Wie hast du es gelernt?

Mein Papa sagt immer, man lernt vom Zuschauen und das ist wirklich wahr. Wenn wir Fernsehproben haben, sitzen vor der Bühne ein Regisseur und sein Regieassistent, der die Textänderungen macht und hilft, wenn ein Schauspieler Textprobleme hat. Diese Aufgabe habe ich die ersten paar Jahre übernommen. So konnte ich die Schauspieler beobachten und viel von ihnen lernen.

Chiemgauer Volkstheater

Chiemgauer Volkstheater

Wie wird man als Schauspieler Mitglied beim Chiemgauer Volkstheater? Muss man z.B. ein echter Bayer sein?

Grundvoraussetzung ist natürlich schon, dass man den bayerischen Dialekt beherrscht. Wir stellen leider fest, dass das gar nicht mehr üblich ist und in den Schauspielschulen nicht gefördert wird. Außerdem bräuchten wir dringend große Burschen. Die sind offenbar auch Mangelware. Wenn der Schauspieler dann auch noch beim Vorsprechen überzeugt und ins Team passt, steht eigentlich nichts mehr im Weg.

Kann man sich auch als Laie bei euch bewerben?

Ja, aber es ist sehr schwierig auszuloten, ob das funktioniert. Normalerweis sollte man schon eine schauspielerische Ausbildung mitbringen. Wenn wir eine Fernsehaufzeichnung haben, proben wir für das Stück sechs Wochen – da müssen von Anfang an alle funktionieren.

Was genau reizt dich so an der Schauspielerei?

Es ist einfach wahnsinnig toll, wenn du in ein Stück – egal ob lustig oder traurig – deine ganze Arbeit steckst und am Ende deinen Applaus bekommst. Das kann man nicht beschreiben. 2012 haben wir für´s Fernsehen das historische Stück „Grenzfeuer“ aufgezeichnet. Für mich als Anfang 30-Jährige war das extrem schwierig, weil es in den 20er Jahren gespielt hat und kein Lustspiel war, wie wir es sonst aufführen. Wir mussten in altem Bayerisch sprechen und voll in unsere Emotionen gehen. Am Ende gab es vom Publikum stehenden Applaus und wir mussten weinen.

Wie gehst du mit Lampenfieber um? Hast do sowas überhaupt?

Nicht wirklich. Ich glaube, ich habe meine Coolness schon mit der Muttermilch eingesogen. Außerdem hat mir sicher meine Ausbildung zur Tierarzthelferin geholfen. Wenn du mit Tieren zu tun hast, musst du deine eigene Nervosität unter Kontrolle behalten, weil du sie sonst auf die Tiere überträgst. Das habe ich wohl auf die Bühne mitgenommen. Ich kann mich selbst wunderbar beruhigen und mache auch andere Kollegen nicht nervös.

Hoch zu Ross

Kristina hoch zu Ross

Apropos Tierliebe – Du sollst ja auf einer halben Arche wohnen.

Ja, so kann man es bezeichnen. Wir haben einen Stall mit fünf Pferden vor der Haustür, einen Hund und zwei Katzen. Mein Papa fährt Kutsche und ich und meine Mama reiten. Wenn’s draußen schön ist, heißt’s für mich ab auf´s Pferd und querfeldein über Wiesen und Felder, da kann ich richtig gut entspannen. Mein letzter größerer Ausflug war allerdings zu McDonald´s nach Prien. Da bin ich mit dem Pferd im McDrive gestanden. So ein Spaß zwischendurch muss auch mal sein.

Du wirst sicher mal die Leitung des Chiemgauer Volkstheaters übernehmen. Was wünschst du dir für seine Zukunft?

Ich hoffe und wünsche mir natürlich für die Zukunft, dass das Chiemgauer Volkstheater so weiterläuft und besteht, wie es ist. Mit diesem Gedanken bin ich ja eingestiegen. Man darf trotzdem nicht vergessen, dass es mit den Jahren riesig geworden ist: Früher ist das Theater nur von Ort zu Ort gezogen, jetzt haben wir zusätzlich sechs Fernsehaufzeichnungen pro Jahr und die Verantwortung den ganzen Schauspielern gegenüber. Auf jedem Kind, das irgendwann mal die Firma der Eltern übernehmen will, lastet natürlich Druck. Man kann nichts anderes versuchen, als sein Bestes zu geben. Aber ich habe ja meine Eltern. Sie werden mich auch in ferner Zukunft unterstützen und weiter schauspielern. Meine Oma stand bis zum Schluss auf der Bühne – das liegt uns in den Genen, wir können gar nicht anders.

 

Kristina Helfrich
Tipp

Wer Familie Helfrich gerne auf der Bühne sehen will, der erhält alle wichtigen Termine und Informationen über die Website des Chiemgauer Volkstheaters


Datum: 9. März 2015 . Autor: Sandra Berthaler . Kategorie: Ausflugsziele . Gastbeitrag . Kultur . Orte . Region . Tradition & Handwerk . Veranstaltungen
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3 Kommentare
  1. Ingrid Scheutzel sagt:

    Es gibt nichts besseres als ihre Vorstellungen. Wir sind große Fans von ihnen und ihrem Ensemble.Nur durch ihre Sendungen konnten wir dunkle Stunden in überbrücken.

  2. Anita Nusser sagt:

    Lieber Bernd Helfrich,

    nachträglich herzliche Glückwünsche und viel Gesundheit

    zum Geburtstag.

    Liebe Grüße

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