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Die Chiemsee Maler

Datum: 12. Juli 2017 . Autor: Dorothea Steinbacher . Kategorie: Kultur . Museen . Tradition & Handwerk . Übersee . Wasser
Dorothea Steinbacher

Die Bilderbuchlandschaft um den Chiemsee, die Chiemgauer Berge, die Seen und ausgedehnten Moorgebiete ziehen seit über zweihundert Jahren Maler aus aller Welt an. Landschafts- und Blumenmaler, Porträtmaler und sogenannte Genremaler – alle finden hier eine Fülle von Motiven. Viele blieben dauerhaft und ließen sich rund um den Chiemsee nieder, bis heute ist der Chiemgau Heimat zahlreicher Künstler.

Wer die Bilder der klassischen Chiemseemaler anschauen möchte, dem seien vor allem zwei Adressen empfohlen: die Gemäldegalerie im Alten Schloss auf Herrenchiemsee und die Galerie der Chiemseemaler im Heimatmuseum in Prien.

Die Maler „entdecken“ den Chiemsee

Das alte Schloss auf Herrenchiemsee vom Bootsanleger aus

Das alte Schloss auf Herrenchiemsee vom Bootsanleger aus

Dass es den Chiemsee gibt, das wusste man natürlich auch um 1800 schon. Aber man hatte damals keine Veranlassung, die beschwerliche Reise von München in den Chiemgau mit der Postkutsche – 23 Stunden! – auf sich zu nehmen. Doch irgendwann im Sommer des Jahres 1828 packte einige junge Münchner Studenten, Maximilian Haushofer mit seinen Freunden, die Abenteuerlust und sie machten sich auf die lange Reise. Es war auch die Lust zu malen und andererseits das in der Residenzstadt neu erwachte Interesse an den bayerischen Landschaften, das die Maler damals hinaus aus der Stadt zog. Der König wollte wissen, wie es in seinem Land so aussah und schickte Maler aus, die Skizzen machen, und Beamte, die ihre Erfahrungen aufschreiben sollten. Dazu kam, dass 1826 die Klasse für Landschaftsmalerei an der Kunstakademie abgeschafft wurde. Wer Landschaft malen wollte, musste in die Natur hinaus. So wurden die bayerischen Chiemseemaler die ersten Freilichtmaler, noch vor den Franzosen in Barbizon. Freilichtmalen – en plein air, wie die Franzosen sagen – bedeutet: mit Leinwand, Staffelei und Farben hinaus in die Natur zu ziehen und „in der freien Luft“ zu malen, statt wie früher üblich im dunklen Atelier seine Bilder zu komponieren.

Die Chiemseemaler in der Priener Galerie

Der Chiemsee wurde oft von Karl Raupp gemalt

Der Chiemsee ist ein häufiges Motiv auf den Gemälden von Karl Raupp

Max Haushofer (1811-1866) und seine Freunde gelten denn auch als „Entdecker“ der Fraueninsel und

Julius Exter - Herrenchiemsee

Julius Exter – Gartenweg

des Chiemsees für die Maler. Das Priener Museum schätzt sich glücklich, eines der seltenen Chiemseebilder von Haushofer zu besitzen, ein Heuboot vor den Bergen. Immer mehr Künstler lockten die Erzählungen der Pioniere an den See, die Eröffnung der Eisenbahnlinie verkürzte die Anreise erheblich. Die zweite Generation der Chiemseemaler mit ihren Hauptvertretern Karl Raupp und Joseph Wopfner ist mit mehreren, teils großformatigen Werken in Prien vertreten. Sogar das berühmte Bild vom Malerstammtisch im Gasthof auf der Fraueninsel ist in Prien zu sehen. (Tipp: Die Ecke mit dem alten Malerstammtisch kann man heute noch im Gasthof zur Linde auf der Fraueninsel anschauen, im alten Teil des Hauses, im Untergeschoß im Fischerstüberl.)

Die Gemäldegalerie im Alten Schloss Herrenchiemsee

Das Alte Schloss auf der Herreninsel war nie ein Schloss. Es handelt sich dabei um die Gebäude des altehrwürdigen Augustinerchorherrenstifts. Den Namen bekam das ehemalige Kloster zur Unterscheidung vom Neuen Schloss, dem des Märchenkönigs Ludwig II. Das Alte Schloss liegt gleich oberhalb des Bootsanlegers der Chiemsee-Schifffahrt, die Gebäude werden heute unter anderem als Museumsräume genutzt.

Die Chiemseemaler-Ausstellung befindet sich in der ersten Etage des ehemaligen Konventstocks, der nach Osten gerichtet ist. Man sollte deshalb auch einmal aus dem Fenster schauen: Direkt gegenüber liegt die Fraueninsel.

Die Bilder sind chronologisch angeordnet, von den ersten romantischen Landschaftsgemälden des beginnenden 19. Jahrhunderts über die wunderbaren Lichtstimmungen aus der Jahrhundertmitte bis zu den bekannten „Inselkönigen“ Raupp und Wopfner mit ihren Bildern von Inselbewohnern am Ufer oder bei der Überfahrt im Sturm. Die Ausstellung umfasst Bilder bis zum Zweiten Weltkrieg, darunter auch Maler, die weniger auf der Fraueninsel als auf dem Festland rund um den Chiemsee, den Simssee und die Eggstätt-Hemhofer Seenplatte malten und wohnten – allen voran Leo Putz, der viele Sommer in Schloss Hartmannsberg bei Eggstätt verbrachte und dort seine Serie der badenden Frauen malte.

Die Galerie Julius Exter

Eine eigene Galerie ist dem Maler Julius Exter (1863-1939) gewidmet, der sich nach anfänglichen Sommeraufenthalten am Chiemsee dauerhaft in Übersee niederließ. Das sogenannte Exter-Haus, Wohnhaus mit Atelier und prächtigem Blumengarten, ist heute noch zu besichtigen. Im Alten Schloss befindet sich der reiche Schatz an Bildern, die seine Tochter Judith nach des Vaters Tod an den bayerischen Staat übergab: rund 150 Gemälde, farbenfroh und kraftvoll, darunter viele seiner berühmten Blumenbilder. Judith Exter musste lange darum kämpfen, dass die Schlösserverwaltung das Erbe annahm und der Malertochter dafür eine bescheidene Leibrente gewährte. Welch ein Glück, dass sie die Bilder nicht an Privatleute verkaufte – so sind die Exter-Bilder heute noch zugänglich.

Karl Raupp - Der Malertisch im alten Gasthaus auf Frauenchiemsee

Karl Raupp – Der Malertisch im alten Gasthaus auf Frauenchiemsee

Adressen und Öffnungszeiten

Altes Schloss 3, 83209 Herrenchiemsee, Tel. 08051-6887-0, www.herrenchiemsee.de
Das Alte Schloss (Augustiner-Chorherrenstift) und die Gemäldegalerie Maler am Chiemsee ist von April-Okt 9-18 Uhr geöffnet, Nov-März 10-16.45 Uhr, die Exter-Galerie ist von Nov-März geschlossen.

Heimatmuseum Prien am Chiemsee, Valdagnoplatz 1 (am Marktplatz), 83209 Prien, Tel. 08051-92710, www.museum-prien.de
Das Heimatmuseum hat folgende Öffnungszeiten: April-Ende Oktober: Di-So 14-17 Uhr, November geschlossen, Dez-März siehe Webseite

Tipp

Im Alten Schloss kann man auch den „Raum des Verfassungskonvents“ besichtigen, wo 1948 das Grundgesetz – die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland – ausgearbeitet wurde.


Datum: 12. Juli 2017 . Autor: Dorothea Steinbacher . Kategorie: Kultur . Museen . Tradition & Handwerk . Übersee . Wasser
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