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Fridolfing: Georg Fuchs über die Geschichte von Maria Himmelfahrt

Datum: 25. Juli 2016 . Autor: Raphaela Jakob . Kategorie: Fridolfing . Kirchen & Schlösser . Kultur . Orte . Region
Georg Fuchs - Maria Himmelfahrt Fridolfing
Raphaela Jakob

Maria Himmelfahrt in Fridolfing ist die größte Dorfkirche Deutschlands. Doch das imposante Gebäude im romanischen Stil ist dabei nicht einmal das Überraschendste: So konnte die 1891 bis 1893 erbaute Dorfkirche – die ihrem Namen damit alle Ehre macht – letztlich nur dank des großen Einsatzes der Fridolfinger Bürger errichtet werden. Georg Fuchs liefert einen spannenden Blick hinter die Kulissen.

Maria Himmelfahrt Fridolfing

Maria Himmelfahrt in Fridolfing

Georg Fuchs – vom Ministrant zum Kirchenpfleger

Er ist die gute Seele von Maria Himmelfahrt. Als gebürtiger Heiligkreuzer kommt Georg Fuchs im Kindesalter nach Fridolfing und findet dort eine gottesfürchtige, streng katholische Gemeinde in einem liebevoll gestalteten Gebäude im romanischen Stil vor. Es scheint Liebe auf den ersten Blick gewesen zu sein, denn fortan engagiert sich Fuchs in der Dorfkirche als Ministrant, im Kirchenchor, als Turmführer und bereichert das Gebäude schließlich auch direkt als Kirchenpfleger mit Schnitzarbeiten. Die Faszination, die dem Gebäude heute anhängt, geht auf eine unglaubliche Geschichte zurück. So verhalf sich die Gemeinde Fridolfing einst selbst zu ihrem Glück.

Innenansicht Maria Himmelfahrt Fridolfing

Innenansicht von Maria Himmelfahrt in Fridolfing

Bürger nahmen Bau der Dorfkirche selbst in die Hand

Die ursprüngliche Pfarrkirche Fridolfings, erbaut 1470, zierte viele Jahrhunderte lang den Ortskern und bot Platz für 300 Kirch’gänger. Von dem gothischen Bau ist heute nichts mehr zu sehen. Nach dem fehlgeschlagenen Versuch einer Barockisierung mittels Ausbruch von Fenstern und der Entfernung einer tragenden Mittelsäule waren die Außenmauern nicht mehr tragfähig. Das Gewölbe der Kirche stürzte ein. Mit Mühe und Not konnten die Gottesdienste zwar in der Ruine fortgesetzt werden, aber den Bürgern war klar: ein neues Gebäude musste her.

Doch als es an die Genehmigung des Neubaus ging, stellten sich die Gemeindevertreter Fridolfings quer. Das um 1888 errichtete Krankenhaus hatte Vorrang und schluckte sämtliche Finanzreserven. Die Fridolfinger ließen sich jedoch nicht von ihrem Ziel abbringen: sie wollten eine neue, nicht Einsturzgefährdete Kirche, die für alle Gläubigen genügend Platz bietet. So kam es, dass der Eine den dafür nötigen Grund – der schließlich Auslöser für die Grundsteinlegung wurde – spendete, der Andere eine Altarfigur. Ob Bauer, Magd oder Adel – jeder gab was er konnte, wodurch schnell eine große Menge an Geld und Sachgütern zusammen kam. Schließlich knickte die Gemeinde ein und half ebenfalls bei der Erbauung. Was dabei heraus kam, kann sich definitiv sehen lassen, nämlich die größte Dorfkirche der gesamten Bundesrepublik: Maria Himmelfahrt. Nach nur zwei Jahren Bauzeit konnte sie im Jahr 1893 eröffnet werden. Von der alten Kirchenanlage ist heute nur noch das alte Pfarrheim zu sehen.

Georg Fuchs - Maria Himmelfahrt Fridolfing

Er kennt jedes Detail von Maria Himmelfahrt: Georg Fuchs

Die Kirche ist einem ständigen Wandel unterzogen

In meiner Jugend“, erzählt er, „war die Kirche Maria Himmelfahrt mit den rund 900 Sitzplätzen und etlichen Stehplätzen gut gefüllt.“ Die Erinnerung an die Massen von Gottesdienstbesuchern in seiner Jugend lässt den späteren Ministranten und heute 77-Jährigen noch immer ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. „Das ist heute alles nicht mehr so. Am letzten Sonntag waren keine 300 Leute da. Mittlerweile hätte die alte Pfarrkirche platzmäßig doch ausgereicht“ erzählt er. Seine Stimme klingt dabei nachsichtig.

Doch auch das Gebäude und seine Einrichtung haben seit der Eröffnung der Kirche einen stetigen Wandel hinter sich, an der Fuchs in den letzten Jahren entscheidend beteiligt war. So wurden in seiner 18-jährigen Arbeit als Kirchenpfleger allerlei Restaurierungsarbeiten in und an der Kirche vorgenommen. Zuletzt bei der großen Renovierung 2005. Dass der heutige Pfarrer so viele der alten Stücke vom Dachboden zurückholen lässt, die von vorherigen Amtsträgern entfernt wurden, freut ihn persönlich sehr. Besucher können auf diese Weise am besten sehen, wie die Fridolfinger einst ihr „letztes Hemd für eine Figur spendeten, nur um die Gestaltung ihrer Kirche voranzutreiben„.

Eine Kirchenausstattung der besonderen Art

Maria Himmelfahrt in Fridolfing

Johannes und Maria neben Christusfigur von Georg Fuchs

Heute ist die Ausstattung in der Dorfkirche Maria Himmelfahrt eine interessante Mischung aus Überresten der alten Pfarrkirche, Spenden der Fridolfinger Bürger zur Zeit der Kirchenerbauung Ende des 19. Jahrhunderts und neuen Elementen – angefertigt von Herrn Fuchs. Betrachtet man beispielsweise die einzelnen Plastiken in der Werktagskapelle, welche für Taufen und kleinere Gottesdienste dient, so fallen einem drei imposante Figuren auf, die sich in der hinteren, rechten Ecke befinden. Die Skulptur des Johannes fand nach jahrelangem Dasein an einer Hausfassade im Dorf ihren Weg zurück in die Kirche. Zusammen mit der Figur der Maria ist sie ein charakteristisches Werk der Leinberger Kunst. Der in der Mitte hängende Christus wurde erst 1997 von Georg Fuchs geschnitzt und gefasst und ergänzt heute das Ensemble.

 

Georg Fuchs Arbeit als Kirchenpfleger sei Dank, dass zuletzt 2004 zwei Skulpturen ihren Weg in die Kirchenanlage fanden: So schnitze er die Vorlagen für die Brunnenskulpturen des Prälaten Spannbrucker sowie des Pfarrers Glonner, welcher 1883 den Bau des Kirchengebäudes anstieß.

Maria Himmelfahrt ist optisch ein freundlicher Bau, der durch bunte, malerische Elemente modern und großzügig wirkt. Obwohl mit einfachen Mitteln erreichtet und durch den Rohstoffmangel des ersten und zweiten Weltkrieg gebeutelt entstand hier ein bezauberndes Kirchengebäude und lockt heute nicht zuletzt durch seinen charismatischen Kirchenpfleger zu einem Besuch.

Barocke Schatzkammer am Waginger See
Tipp

Eine weitere Schatzkammer unweit von Fridolfing ist das Barockmuseum im Strandkurhaus Waging am See. Hier können Besucher einen Blick auf die Privatsammlung von Sebastian Schuhbeck werfen.


Datum: 25. Juli 2016 . Autor: Raphaela Jakob . Kategorie: Fridolfing . Kirchen & Schlösser . Kultur . Orte . Region
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