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Nach Maria Eck – vorbei an einem geheimnisvollen Felsen zur alten Wallfahrtskirche

Datum: 19. Mai 2015 . Autor: Dorothea Steinbacher . Kategorie: Ausflugsziele . Gastbeitrag . Kirchen & Schlösser . Kultur . Orte . Region . Siegsdorf
Dorothea Steinbacher

In einer stockfinsteren Neumondnacht des Jahres 1626 lief eine aufgeregte Sennerin zum Pfarrer: Sie habe soeben auf den Almwiesen oberhalb von Siegsdorf drei Lichter brennen gesehen, die Stelle habe sie sich gemerkt, er solle schnell mitkommen. Der Pfarrer sah die Lichter ebenfalls, meldete den Vorfall dem Bischof und dieser deutete das Zeichen so: Die drei Lichter stünden für die heilige Dreifaltigkeit, welche den Menschen mitteilen wolle, dass sie hier eine Kirche bauen sollten. So geschah es, doch es erlosch daraufhin nur ein Licht. Erst als man die Kirche um zwei Altäre erweitert hatte, brannte keines mehr.

Wegkapelle zwischen zwei Linden im Chiemgau

Wegkapelle zwischen zwei Linden

Die Geschichte trug sich angeblich während des Dreißigjährigen Krieges zu, als Bayern ohnehin in Aufruhr war, die plündernden Schweden eine ständige Bedrohung darstellten und die Bevölkerung unter Hunger und Seuchen litt. Die Mönche von Kloster Seeon erwarben in dieser Zeit drei Bergbauernhöfe im Gebiet von Maria Eck, zur Sicherheit, falls die Schweden doch noch kommen sollten. Doch der Chiemgau blieb verschont. Die Wallfahrt zur Muttergottes von Maria Eck erfreute sich in den zwei Jahrhunderten nach dem Kirchenbau großer Beliebtheit. Über 2.000 wundersame Erhörungen und Heilungen verzeichnet das Mirakelbuch. In der Kirche hängen heute noch die Votivgaben und Dankbezeugungen aus den letzten Jahrhunderten.

 

Auf dem Weg habe sie auf diesem Stein gerastet, welcher sich von selbst erweicht habe, um Maria ein bequemerer Sitz zu sein

Früher wallfahrtete man zu Fuß, und da war vielen auf halber Strecke der Weg wohl sehr beschwerlich, sodass sie sich niedersetzen mussten, um ein Weilchen zu ruhen. Mitten in der Fahrstraße, die heute nach Maria Eck hinaufführt, befindet sich schon ziemlich weit oben eine kleine Grasinsel. Auf dieser Insel stehen zwei Linden, sie flankieren eine kleine Wegkapelle. Und vor dieser Kapelle finden wir einen unscheinbaren Felsbrocken – er bildet jedoch den Anlass für diese kleine Andachtsstätte. Wie die vielen Wallfahrer war nämlich auch die heilige Muttergottes einst müde auf dem Weg und musste sich ausruhen. Die Legende weiß, warum:
Einmal sollen nämlich die Siegsdorfer das wundertätige Marien-Gnadenbild aus der Maria Ecker Kirche entwendet und ins Dorf hinunter getragen haben. In der nächsten Nacht sei die Muttergottes selbst wieder den Berg hinaufgestiegen. Auf dem Weg habe sie auf diesem Stein gerastet, welcher sich von selbst erweicht habe, um Maria ein bequemerer Sitz zu sein. Seither weise der Stein die heute noch sichtbaren Abdrücke auf – die in Wirklichkeit vom Gletscher so fein ausgeschliffen wurden. Nach einer anderen Version habe Maria sich auf den Stein gesetzt und bittere Tränen vergossen. Jede Träne habe den Stein ein wenig weiter ausgehöhlt. Beide Erzählungen enden damit, dass sie jedem, der sich auf diesen so zauberhaft eingemuldeten Stein setzt, versprechen, er sei auf alle Zeiten von Rückenschmerzen und Müdigkeit befreit. Manchmal wird auch erzählt, die Muttergottes habe auf der Flucht nach Ägypten auf diesem Stein geruht.

Auf wundersame Weise von der Müdigkeit befreit, wandern wir nach der Rast die letzten Meter hinauf nach Maria Eck. Wir besuchen die Wallfahrtskirche mit ihren vielen Votivgaben und werfen einen Blick in die sogenannte Wasserkapelle neben dem Treppenaufgang: Das Wasser, das aus dem Hahn unterhalb der Marienstatue austritt, wurde früher als heilkräftig verehrt. Seit der Kirchenrenovierung in den 1970er Jahren fließt allerdings nicht mehr Maria Ecker Quellwasser aus der Leitung, sondern Siegsdorfer Leitungswasser. Trotzdem füllen hier und da noch alte Leute das Wasser ab und nehmen es mit nach Hause oder waschen sich die Augen damit aus – es soll gegen schlechtes Sehen helfen.

Sogar der ehemalige Papst Benedikt XVI. hat hier mehrmals Station gemacht und sich bekochen lassen

Der Klostergasthof für hungrige Pilger.

Der Klostergasthof für hungrige Pilger

Doch nun wartet nebenan der Klostergasthof auf die hungrigen Pilger. Mächtig und altehrwürdig lädt er sowohl in die Gewölberäume ein wie in den schönen Biergarten unter Kastanien. Den Gasthof verdanken wir ebenfalls den Benediktinermönchen – sie hatten zum eigenen und dem leiblichen Wohl der Wallfahrer schon 1636 eine Gastwirtschaft errichten lassen, die heute noch gerne aufgesucht wird. Sogar der ehemalige Papst Benedikt XVI. hat hier mehrmals Station gemacht und sich bekochen lassen. Was ihm hier so schmeckte, das war die bodenständige und doch leichte Küche von Wirt Josef Steiner. Er ist Österreicher und versteht sich vortrefflich auf die Voralpenküche: Von Chiemseerenken über Biergulasch und Kaspressknödel bis zum Kaiserschmarrn – alles ist frisch zubereitet aus regionalen Zutaten. Und danach könnte es weitergehen mit hausgemachtem Eis, Kuchen und Torten. Aber vorher brauchen wir erst einmal einen Spaziergang über die Maria Ecker Almwiesen – dort sehen wir zwar keine Lichtlein wie die Sennerin vor fast vierhundert Jahren, haben aber einen tollen Blick über den Chiemgau und in die Berge.

 

Bild für Tipps
Tipp

Jedes Jahr am dritten Sonntag im Mai findet die große Maria Ecker Trachtenwallfahrt statt, mit bis zu 3.000 Chiemgauer Trachtlern – einer der Höhepunkte im Wallfahrtsjahr. Von Maria Eck aus führt ein Wanderweg auf den Hochfelln – wer nicht ganz hinauf wandern will, geht nur so weit er möchte und dreht dann wieder um: ein schöner Sonntagsspaziergang mit Aussicht.


Datum: 19. Mai 2015 . Autor: Dorothea Steinbacher . Kategorie: Ausflugsziele . Gastbeitrag . Kirchen & Schlösser . Kultur . Orte . Region . Siegsdorf
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2 Kommentare
  1. Birgit Schröer sagt:

    Wir fahren jedes Jahr nach Staudach in Urlaub. Als meine Tochter 5 Jahre alt war, jetzt ist sie 28 Jahre alt, waren wir in der Wasserkapelle Marienbrunnen Maria Eck. Sie kam ganz aufgeregt heraus und sagte: Mama, Mama, die Maria hat mir zugezwinkert!!!!! Davon ist sie heute noch berührt. Liebe Grüße aus dem Saarland….Birgit Schröer mit Familie……

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