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Herrenchiemsee: Im Dienste seiner Majestät

Im Dienste seiner Majestät im Chiemgau
Anja Eder

Das Schloss Herrenchiemsee ist einer der Besuchermagneten in Bayern. Hunderttausende Menschen kommen jährlich um das Bauwerk von König Ludwig II. zu sehen, das auf einer Insel im Chiemsee liegt. Ludwigs fantastischen Bauten, die ihm auch den Namen „Märchenkönig“ einbrachten, ziehen viele in ihren Bann. Für manche werden sie zu einem Bestandteil ihres Lebens.

Monika Pasquazi ist Kastellanin im teuersten Schloss des "Märchenkönigs" im Chiemgau

Monika Pasquazi ist Kastellanin im teuersten Schloss des „Märchenkönigs“

Mit der Chiemsee Schifffahrt bis zur Herreninsel und dann ins Schloss – was klingt wie ein typischer Urlaubstag ist für Monika Pasquazi Alltag, Arbeitsalltag. Seit 1999 arbeitet sie im Schloss, die letzten zehn Jahre davon als Kastellanin. Dass sie auch nach all den Jahren die Freude an ihrem Arbeitsplatz nicht verloren hat, merken wir schon an der Art, wie sie uns im Eingangsbereich in Empfang nimmt. Sie strahlt über das ganze Gesicht.

„Ich habe einen schönen Arbeitsplatz, an dem ich noch jeden Tag Neues entdecken kann“ schwärmt sie, „ich glaube nicht, dass ich es noch schaffe alles hier zu kennen, die Fülle der Sachen ist einfach zu groß“. Jeder der 20 prunkvollen Räume im Schloss Herrenchiemsee ist vom Boden bis zur Decke ein aufwändiges Kunstwerk, bestehend aus tausenden Details.

König Ludwigs teuerstes Schloss

Schloss Herrenchiemsee: Das Paradeschlafzimmer war der erste fertiggestellte Raum in dem Schloss von König Ludwig

Das Paradeschlafzimmer war der erste fertiggestellte Raum

Schloss Versailles wollte Ludwig mit Schloss Herrenchiemsee nicht nur nachbauen, sondern übertreffen. Acht Jahre wurde am Schloss gebaut, bis 1886 Geldprobleme auftauchten. Als der König kurz darauf auf mysteriöse Art ums Leben kam, beschloss man den Bau endgültig einzustellen und die fertigen Räume gleich zur Besichtigung für die Bevölkerung freizugeben. Ludwigs prunkvollstes Schloss hätte Herrenchiemsee werden soll und auch sein teuerstes, teurer als Neuschwanstein und Linderhof zusammen.

„Es ist schade, dass König Ludwig II. so früh gestorben ist, er hätte uns ansonsten noch ein viel größeres Kulturerbe hinterlassen“, weiß Monika Pasqauzi. Gerade erreichen wir das zweite Vorzimmer, ihren Lieblingsraum. Nur an wenigen Tagen im Jahr scheint hier die Sonne durch die runden Fenster und lässt das Zimmer in einem besonderen Licht erstrahlen.

„Ludwig war ein Genie, hat aber leider in der falschen Zeit gelebt. Wäre er in einer späteren Zeit ohne Klassenzwang geboren worden, wäre er vielleicht ein berühmter Künstler geworden“ ist sich die Kastellanin sicher „vielleicht ein berühmter Architekt“. Doch eines ist klar: Bayerns bekannteste Bauwerke stammen auch so von König Ludwig II., der weltweit der berühmteste Bayer ist.

Jährlich besuchen hunderttausende Gäste das Schloss Herrenchiemsee

Die Anziehungskraft, die Ludwig auf Menschen aus allen Kontinenten ausübt, ist auch verantwortlich dafür, dass Monika Pasquazi hier gelandet ist. Ihre guten Fremdsprachenkenntnisse haben sie damals hierher gebracht, es wurde dringen jemand für französische und italienische Führungen gesucht.

Durch das Prunktreppenhaus betreten die Besucher das Schloss von König Ludwig

Durch das Prunktreppenhaus betreten die Besucher Ludwigs Welt

Im 5-Minuten-Takt beginnen während der Hauptsaison die Führungen im Schloss Herrenchiemsee. Die meisten der jährlich mehr als 400.000 Gäste kommen aus Deutschland. Neben fremdsprachigen Führungen in Italienisch, Französisch und Englisch werden beispielsweise auch welche in Chinesisch und Polnisch angeboten. Dabei ist es gar nicht so einfach sich auf die unterschiedlichen Nationalitäten einzustellen, denn ihre Zahl ist starken Schwankungen unterworfen. „Es gab Zeiten, da hatten wir kaum französische Besucher, jetzt sind es wieder sehr viele. Die Italiener haben auch mal das Schloss gestürmt, dann ist das eingebrochen und erholt sich jetzt wieder“.

Auch Prominenz besucht Schloss Herrenchiemsee, von der arabischen Prinzessin bis zum indischen Maharadscha. Den damaligen EU-Kommissionspräsident Baroso hat Frau Pasquazi auch durch die Prunkräume geführt, doch der ungewöhnlichste Besucher war kein Prominenter.
„Zehn Jahre lang ist im November ein Handwerker aus dem Ruhrgebiet zu uns gekommen. Er ist eine Woche geblieben und hat in dieser Zeit jeden Tag morgens die erste und abends die letzte Führung mitgemacht. Man konnte dem auch nichts mehr erzählen, der wollte einfach nur schaun.“
Ein Neuschwanstein-Puzzle, das er als Kind geschenkt bekommen hat, habe in ihm früh die Liebe zum bayerischen Märchenkönig geweckt, verriet der Besucher Monika Pasquazi.

Sie selbst war als 3-jährige das erste Mal auf Herrenchiemsee, der Vater hatte sie damals mitgenommen. Erinnerungen an das Schloss sind ihr davon nicht geblieben, nur an die Brunnen davor. Damals gab es keine Wasserspiele, sie waren mit Sand gefüllt. Der Vater hatte sie auf einen der Brunnen gehoben und sie lief darin herum.

98 Meter Prunk: die große Spiegelgallerie im Schloss Herrenchiemsee

98 Meter Prunk: die große Spiegelgallerie

Die Aufgaben einer Kastellanin

Auch wenn Frau Pasquazi bis heute mit einer ansteckenden Begeisterung vom Schloss erzählt, ihr Blick ist ein sehr professioneller geworden: „ Ich sehe das nicht mehr mit den Augen wie Sie das sehen. Ich denke mir: Ach du Gott, wir müssen unbedingt heute saugen und die Lüster im Gardesaal. Das haben sie jetzt sicherlich nicht bemerkt, dass der Lüster im Gardesaal schon wieder geputzt werden muss“.

Die Reinigung des Schlosses gehört neben der Organisation der Führungen und der Museumsaufsicht zu den Hauptaufgaben, um die sich die Kastellanin mit ihren Mitarbeitern kümmern muss. Um die 70 Leute arbeiten im Schloss und damit sozusagen „im Dienste ihrer Majestät“.

Morgens um sieben Uhr sperrt Monika Pasquazi das Schloss auf. „Große Bartschlüssel haben wir schon lange nicht mehr“ sagt sie. Der Schlüssel mit dem sie aufsperrt könnte auch zu einem beliebigen Einfamilienhaus gehören. Wenn sie am Abend das Schloss wieder abgesperrt hat, geht es zurück aufs Festland, mit dem Dampfer. „Früher bin ich im Sommer mit dem Kajak gefahren, aber die ständige Angst vor Sturm und Gewittern hat mich zum Umsatteln gebracht“. Der Zeitaufwand für die Überfahrt ist in ihren Augen auch der einzige Nachteil. „Sonst sehe ich nur Vorteile. Wer arbeitet schon in einer so schönen und einzigartigen Umgebung?“.

Wann besuchen Sie das Schloss Herrenchiemsee?

Ein Boot der Chiemsee Schifffahrt im Chiemgau
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