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Lebendige Geschichte im Heimatmuseum Trostberg

Herr Dr. Lihotzky fürht uns durch das Heimatmuseum Trostberg.
Manuela Jaud

Er ist ein geschichtsinteressierter Musikliebhaber, der sich schon seit vielen Jahren ehrenamtlich engagiert. Im Heimatmuseum Trostberg lässt Dr. Rainer Lihotzky unter dem Motto „Lebendige Vergangenheit“ die Geschichte früherer Zeiten in der Gegenwart neu aufleben. 

Ausflugsziel Heimatmuseum Trostberg

Das Heimatmuseum Trostberg mausert sich zu den beliebtesten Ausflugszielen im Chiemgau. Es ist ein wahrer Geheimtipp für Geschichtshungrige, Handwerksbegeisterte, Spielzeugliebende oder all jene, die einfach die Atmosphäre vergangener Zeiten aufsaugen wollen. Warum es gerade in diesem Chiemgauer Museum so viel zu entdecken gibt, erfahre ich nun aus erster Hand. 

Sauber, Staubfrei, Lebendig

Ritterraum im Museum Trostberg

Die Waffen im Ritterzimmer erstrahlen immer noch in ihrem alten Glanz

Der Museumsleiter selbst – Dr. Rainer Lihotzky – führt mich sozusagen durch die „heiligen Hallen“ des seit 1939 existierenden Heimatmuseums. Seit 2009 können Besucher auf vier Stockwerken, in 35 Zimmern rund 22.000 Objekte bestaunen. „Uns ist dabei wichtig, dass das Museum ein lebendiger Ort ist und nicht verstaubt.“, so Dr. Lihotzky. Dass auf Sauberkeit, Staubfreiheit und frische Luft großer Wert gelegt wird, erlebe ich im ganzen Haus.

Hochzeiten im Heimatmuseum Trostberg

Helene Sedlmayr Zimmer im Heimatmuseum Trostberg

Das Helene Sedlmayr Zimmer ist der beliebteste Raum um Hochzeiten zu feiern

Auch die Romantik kommt nicht zu kurz. Das Heimatmuseum ist seit geraumer Zeit eine ausgefallene Location um Hochzeiten zu feiern. Viele Zimmer sind nach verschiedenen geschichtlichen Epochen liebevoll und detailgetreu eingerichtet. Die Brautleute können den Raum selber auswählen, in dem sie sich standesamtlich trauen möchten. In der museumseigenen Kapelle ist es ihnen auch noch möglich kirchlich zu heiraten. Jedes Jahr erleben rund 50 Paare den „schönsten Tag im Leben“ im Heimatmuseum Trostberg. Und es werden immer mehr. 

Hauseigene Kapelle im Heimatmuseum Trostberg.

Kirchlich heiraten können Paare in der hauseigenen Kapelle

„Lebendige Vergangenheit“ wörtlich genommen

Musikinstrumente im Heimatmuseum Trostberg

Auf dieser Harfe spielte schon Silke Aichhorn – die wohl berühmteste Harfenistin Deutschlands

Doch nicht nur Hochzeiten „bringen Leben in die Bude“ wie Herr Dr. Lihotzky so schön sagt, sondern auch Führungen, Vorträge, Ausstellungen und Konzerte. „Außerdem suchen wir bewusst den Kontakt zu Schulen“, erklärt er mir. Nächstes Jahr ist beispielsweise eine „musikalische Wanderung“ geplant. Dann haben die Schüler einer Musikschule die Möglichkeit auf den alten und wertvollen Instrumenten zu musizieren. Ich erkenne schnell das Besondere an diesem Museum: das Mobiliar und die Gegenstände werden hier nicht einfach nur bestaunt.

Egal ob Biedermeier Gitarre, Holzxylophon oder ein wertvoller Klavierflügel – das ganze Museum zeugt von Dr. Lihotzky‘s Liebe zur Musik.

Egal ob Biedermeier Gitarre, Holzxylophon oder ein wertvoller Klavierflügel – das ganze Museum zeugt von Dr. Lihotzkys Liebe zur Musik

Menschen nutzen die Gegenstände der Vergangenheit und gebrauchen sie in der Gegenwart. Dieses Prinzip ist dem Museumsleiter gerade bei der musikalischen Wanderung besonders wichtig: „Die Musikinstrumente sollen eben nicht nur etwas zum Anschauen sein, sondern im Hier und Jetzt verwendet werden. Damit wird das Museum zu einem Ort des Erlebens.“, so Dr. Lihotzky.

 

Seltene Kostbarkeiten

Der Leidenschaft für althergebrachtes Handwerk kann man im Untergeschoss des Chiemgauer Museums frönen. Es erwarten mich die verschiedensten Werkzeuge aus jeglichen Handwerksbereichen. Die vielen Gegenstände stammen meist von Betrieben, die ihre alten Erzeugnisse und Maschinen nicht mehr verwenden oder die Ihre Produktion eingestellt haben. Ich bin einfach sprachlos wenn ich bedenke, mit wie viel Feingefühl und Bedacht die Dinge präsentiert werden. Auch die Vielfalt und der gute Zustand der Erzeugnisse ist überwältigend. Hierbei merkt Dr. Lihotzky an: „Ich bin ein strikter Gegner von Restaurierung. Unsere Aufgabe ist es zu erhalten. Und deshalb legen wir so viel Wert auf die Pflege der Gegenstände.“ 

Ein wandelndes Geschichtsbuch

Egal in welchem Raum wir sind oder vor welchem Stück wir stehen, Dr. Lihotzky weiß zu jedem Exemplar die Geschichte dazu. So kommt es auch, dass er in den Bauernzimmern ganz genau weiß, warum die Betten so kurz sind, die Tische Schnitzereien aufweisen oder die Ofenbank „G´lachter“ heißt. Wieder schafft es die Atmosphäre des Raumes mich in ihren Bann zu ziehen. Das ganze Zimmer wirkt nicht nur echt, es ist auch echt.

Kurze Betten im Bauernzimmer des Heimatmuseums

Früher schliefen viele Bauern häufig im Sitzen. Das erklärt die kurzen Betten

Dank der liebevoll dekorierten Räume von Dr. Lihotzky und seinem Team kann man voll und ganz in die Vergangenheit eintauchen. So etwas habe ich selten erlebt. Falls er und sein Team doch einmal auf etwas Unbekanntes stoßen, dann forschen sie unermüdlich nach dem Hintergrund und der Bedeutung des Stücks.

Bauernstube des Museums im Chiemgau

Die Bauernstube lässt Besucher in die Welt von damals eintauchen

Engagement im Heimatmuseum Trostberg inspiriert

Das Heimatmuseum Trostberg ist nicht nur vielseitig, sondern überrascht mit einem aussergewöhnlichen Ambiente. Mit Haut und Haar kann man die Vergangenheit und die Geschichte spüren und erleben. Denn innerhalb weniger Schritte ziehe ich von rustikalen Bauernstuben, zum mittelalterlichen Rittersaal, bis hin zu dem Wohnbereichen der 50er, 60er oder 70er Jahre. Alle Gegenstände sind in mühevoller Kleinarbeit thematisch geordnet und blitzen vor Sauberkeit. Ich ziehe meinen Hut vor der zeitintensiven aber vor allem beachtenswerten Arbeit von Dr. Lihotzky und seinem Team. Ihr ehrenamtliches Engagement hat sich wirklich ausgezahlt und sie haben ein Museum der ganz besonderen Art geschaffen. Für den Museumschef ist sein Einsatz jedoch selbstverständlich. Er meint: „Wenn ich an einem Ort meine Heimat gefunden habe, dann möchte ich auch aktiv etwas dafür tun. Für mich gehört es einfach dazu, dass ich mich beteilige“. So eine Geisteshaltung wünscht man sich heutzutage mehr. Das Heimatmuseum Trostberg kann sicher die Liebe zur Heimat und zur Geschichte bei dem ein oder anderen wecken. Ich hoffe, dass es in Zukunft noch viele weitere Menschen gibt, denen die Bewahrung der heimischen Kultur genauso am Herzen liegt, wie Dr. Lihotzky.

 

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