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Skimuseum Reit im Winkl: eine Zeitreise von 1880 bis heute

Datum: 8. Januar 2015 . Autor: Anja Eder . Kategorie: Ausflugstipps für Familien . Ausflugsziele . Familie . Kultur . Museen . Orte . Region . Reit im Winkl . Skifahren . Winter
Das Skimuseum in Reit im Winkl
Anja Eder

Das Skimuseum in Reit im Winkl ist ein hervorragendes Ziel für einen Tagesausflug in Bayern. Hier haben Besucher nicht nur die Möglichkeit die Meilensteine der Skigeschichte hautnah zu erleben, sondern auch etwas zu tun, was in fast keinem Museum erlaubt ist: die Gegenstände anfassen! Das macht sich vor allem bei jenem Ski bezahlt, der mit echtem Leopardenfell überzogen ist… 

Zwei Personen, zwei Sammlungen, ein Skimuseum

Holzski im Skimuseum

Das Skimuseum Reit im Winkl verdankt seine Ausstellung zwei emsigen Sammlern: Otto Langer und Alfons Egger

Die „zwei Bretter, die die Welt bedeuten“ hatten es Franz Höflinger, Alfons Dorner und zwei weiteren Mitarbeitern des Skimuseums in Reit im Winkl schon vor Jahren angetan. Und ihrer Faszination und Leidenschaft für das Wintersportgerät ist es zu verdanken, dass man in Reit im Winkl dessen Zeitreise erleben darf. Seit 2002 können Besucher an drei Nachmittagen in der Woche das Skimuseum mit seinen Unikaten besichtigen und damit meine ich nicht nur die Ausstellungsstücke, sondern auch die Betreiber. Voller Euphorie berichten sie mir von den Anfängen der Skisammlung. Den Grundstein legten Otto Langer und Alfons Egger. Die zwei horteten, jeder für sich, viele kostbare Teile zu Hause. Als sie sich kennen lernten entschieden sie sich, ihre Schätze auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Überzeugungsarbeit bei Bürgermeister und Gemeinde dauerte nicht lange und so entstand das erste Skimuseum in Reit im Winkl. Die Sammlung umfasst über 2.000 Paar Ski aus Holz, Metall und Kunststoff, die die beiden Sammler liebevoll aus aller Herren Ländern zusammengetragen haben. „Otto Langer jagte den Skiern sogar bis nach Japan nach. Und er ließ sich auch nicht davon abhalten, dass er kein Auto besaß. Er transportierte seine „Beute“ einfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause.“, erzählt Alfons Egger lachend.

Kuriositäten im Skimuseum Reit im Winkl 

Kuriose Ski im Skimuseum Reit im Winkl

Diese mit Leopardenfell überzogenen Ski mit vergoldeter Bindung gehörten der Persischen Kaiserin Farah Diba

Wir gehen ein paar Schritte weiter. Ich kann kaum glauben, was ich da sehe: ein mit Leopardenfell überzogener Ski mit vergoldeter Bindung und dazu passenden Skistiefel. Ein wahrhaft ausgefallenes Stück, dass ich natürlich sehr gerne berühren möchte. Und das darf ich sogar. Alfons Dorner erklärt mir: „Bei uns steht nichts hinter Glas und die Halterungen der Skier sind absichtlich elastisch. Damit ist es den Besuchern möglich die Ski anzugreifen und herauszunehmen. So spürt man am eigenen Leib wie schwer oder leicht manche Skier sind.“ Ich streiche mit meinem Finger über das Fell. Es ist tatsächlich echt. Ich blicke die beiden mit großen, fragenden Augen an. Prompt folgt auch schon die Geschichte dahinter. „Diese besonderen Skier wurden extra für die persische Kaiserin Farah Diba angefertigt. Sie und der Kaiser urlaubten im Winter gerne in St. Moritz und da musste anscheinend was ganz Besonderes her.“, sagt Franz Höflinger schmunzelnd. Links und rechts daneben finden sich noch weitere Kuriositäten wie ein Monoski, ein sehr schwerer Metallski oder Kinderski aus Kasachstan.

Pioniere lösten Begeisterung aus

Im nächsten Raum tauche ich in eine ganz andere Welt ein: einer Welt vor 1900 – dem Beginn der modernen Skigeschichte. An den Wänden hängen betagte Schneeschuhe und uralte Holzskier. Die ausgeprägten, nach hinten gebogenen Spitzen erinnern mich an Tausend und eine Nacht. An einigen Skiern schnitzten Handwerker von Hand Schuppen in das Holz. Das waren die Vorläufer der späteren Schuppenski im Langlauf. Manche Modelle sind auch aufwendig verziert. Dazwischen stellen Schautafeln verschiedene Skipioniere vor. Darunter sind Fridtjof Nansen – der Polarforscher, der Grönland 1888 mit Ski durchquerte – oder Mathias Zdarsky. Er veröffentlichte 1897 das erste brauchbare Skilehrbuch und führte ein paar Jahre später in Niederösterreich den ersten Torlauf der alpinen Skigeschichte durch. Diese Pioniere lösten eine Flut der Begeisterung aus und ihnen ist es zu verdanken, dass man in Mitteleuropa begann Ski zu laufen. 

Die neue Bestimmung des Skis

Doch bevor sich der Skisport in Reit im Winkl zum Freizeitsport entwickelte, erfüllte das heutige Sportgerät andere Zwecke. Schautafeln dokumentieren, dass das Dorf bei schneereichen Wintern von der Außenwelt weitgehend abgeschottet war. „Im 20. Jahrhundert sprach man sogar noch vom bayerischen Sibirien“, erklärt Herr Höflinger. Der Kirchengang oder die Waldarbeit waren im metertiefen Schnee oft nur mit großer körperlicher Anstrengung zu bewältigen. Doch nach der Grönlandexpedition von Nansen erkannten die Leute, dass sie sich mit Ski viel schneller und vor allem müheloser fortbewegen konnten. Daraufhin verließen Förster, Postboten, Ärzte oder Zöllner ihre Häuser auf Skier und die zwei Bretter mauserten sich zum Gebrauchsgegenstand. 

Vom Gebrauchsgegenstand zum Sportgerät

Geschichte des Skilaufs im Skimuseum

In der Zeit vor den zahlreichen Skiliften schaffte man kreative Möglichkeiten den Berg zu „erklimmen“, wie hier mit der Pistenraupe

Nach dem 1. Weltkrieg vollzog sich schrittweise die endgültige Wende zum Volkssport. Grund dafür war die Rückkehr der Soldaten, die bei der Gebirgstruppe im Krieg auf Ski im Einsatz waren. Sie gründeten 1921 einen Wintersportverein, wo auch Wettkämpfe ausgetragen wurden. So entwickelte sich der Gebrauchsgegenstand Schritt für Schritt zum Sportgerät und Winklmoos etablierte sich bei Tourengehern schnell als Skiparadies. Nach dem 2. Weltkrieg baute man die ersten Lifte. „Doch erst in den 1970er Jahren erfolgte der große Umbruch“, berichten mir Herr Höflinger und Herr Dorner.

Anfänge des Skilaufens im Skimuseum Reit im Winkl

Es scheint so, dass der ganze Ort an einem der ersten Skirennen teilnimmt

Von Tirol aus entstand mit Unterstützung von Skigrößen wie Toni Sailer die Anbindung der Steinplatte an Winklmoos.“, so die beiden. Ich muss schmunzeln, als sie mir erzählten, dass dort oben davor niemand über die Grenze durfte und sogar ein Grenzbeamter Wache hielt. „Erst mit der Anknüpfung der beiden Skigebiete war grenzüberschreitendes Skifahren in Reit im Winkl möglich.“, führen meine beiden Begleiter aus. Da staune ich nicht schlecht. Kaum zu glauben, dass das, was heute eine Selbstverständlichkeit ist, früher gar nicht möglich war.

Erlebnis Skimuseum in Bayern

Für mich ist das Skimuseum wie ein Überraschungsei, denn ich habe nicht mit so vielen Kuriositäten und ungewöhnlichen Ausführungen im Skibereich gerechnet. So findet sich alles was man sich nur vorstellen kann: Hier einige Beispiele:

  • Militärski
  • Tourenski 
  • Langlaufski 
  • Sprungski 
  • Wettkampfskier von Skigrößen wie Toni Sailer oder den Mittermaier Schwestern Heidi, Rosi und Evi 

Dazu kommt, dass fast jedes Stück handschriftlich beschildert ist und über die Besonderheiten informiert. Überaus spannend ist auch der geschichtliche Hintergrund von der Verlagerung des Skis vom Gebrauchs- zum Sportgerät oder die Einsatzmöglichkeiten im Krieg. Wer sich fürs Skifahren begeistert wird dieses Museum lieben und sollte den Herren unbedingt einen Besuch abstatten. Natürlich sind die engagierten und sympathischen Mitarbeiter wie Herr Höflinger und Herr Dorner stets bereit aufkommende Fragen zu beantworten. Dieses Skimuseum macht einen Aufenthalt in Bayern zu einem Erlebnis – egal bei welchem Wetter. 

Tipp

Falls Sie nun Lust bekommen haben, sich mal wieder selbst die Ski anzuschnallen, haben Sie im Chiemgauer Winter zahlreiche Möglichkeiten, die Landschaft auf Skiern zu entdecken.


Datum: 8. Januar 2015 . Autor: Anja Eder . Kategorie: Ausflugstipps für Familien . Ausflugsziele . Familie . Kultur . Museen . Orte . Region . Reit im Winkl . Skifahren . Winter
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