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Ein Künstlerleben auf der Fraueninsel

Sandra Berthaler

Idyllische Natur, traditionelle Gastwirtschaften und traumhafte Ausblicke – bei all den Schmankerln, die die Fraueninsel zu bieten hat, vergisst man fast, dass hier auch die Kunst zu Hause ist. Keramikerin Iris Stoff lebt und arbeitet seit 27 Jahren auf der Fraueninsel. Warum das 15,5 Hektar große Eiland gerade Kreative so anzieht, was das Künstlerleben hier so schwer macht und wann die Fraueninsel am schönsten ist, verriet mir Iris Stoff im Interview.

Iris Stoff im Interview auf der Fraueninsel

Fraueninsel: Ein herrlicher Blick auf den Chiemsee mit den Chiemgauer Alpen im Hintergrund

Ein herrlicher Blick auf den Chiemsee mit den Chiemgauer Alpen im Hintergrund

Wie sind Sie zur Insulanerin geworden? Sind Sie auf der Fraueninsel aufgewachsen?

Nein, ich bin in der Eifel aufgewachsen und vor 27 Jahren – wie es im Leben nun mal so ist – durch einen Mann auf die Fraueninsel gekommen. Da ich am Wasser groß geworden bin und mich Inseln schon immer interessiert und gereizt haben, fand ich meine neue Heimat natürlich klasse. Mit meiner Kunst habe ich hier ganz klein in einer Ecke im Bootshaus angefangen. Das hat sich im Laufe der Zeit ganz schön vergrößert. Heute brauche ich zwei Mitarbeiter, die mich bei der vielen Arbeit unterstützen.

Was genau stellen Sie her?

Ich arbeite relativ vielseitig. Der frühere Schwerpunkt waren Fayencen. Das sind bemalte, weiss glasierte Keramiken. Anfangs habe ich klassische Motive bzw. alte Fayencemuster oder Vorlagen aus der Natur genommen und auf ein Gefäß, das zuvor auf der Töpferscheibe gedreht wurde, bemalt, aber im Laufe der Jahre habe ich ausgehend von der Fayence einen neuen Stil entwickelt. Es sind eingeritzte Strukturen entstanden. Hier habe ich mich von Steinen inspirieren lassen, die auf der Krautinsel zu finden sind. Auf der einen Seite stelle ich Geschirr her, mittlerweile auch Porzellan, andererseits freie Arbeiten. Gern kombiniere ich bei meinen Objekten verschiedene Materialien wie Ton und Japanpapier, Draht oder Glas. Auf internationalen Wettbewerben war ich erfolgreich und verschiedene Museen haben Stücke angekauft.

Fayence im neuen Stil

Fayence im neuen Stil

Auf der Fraueninsel haben schon immer viele Künstler gewohnt. Was macht die Insel gerade für Kreative so reizvoll?

Für mich sind es Licht, Stimmung und natürlich die Umgebung. Das alles motiviert mich. Würde ich an der Autobahn wohnen, würden meine Sachen sicher nicht so aussehen. Ich hole mir viele Ideen aus unserem großen Garten und beobachte, was da kreucht und fleucht. Insekten faszinieren mich, zu diesem Thema habe ich zur Zeit einige besondere Stücke in einer Gemeinschaftsausstellung in Traunstein in der Klosterkirche. Hinzu kommt, dass ich in einem alten Künstlerhaus wohne. Mein Mann, der Architekt Georg Wieland, lebt in der sechsten Generation hier. Zuvor haben das Haus der Chiemseemaler Christian Maximilian Baer und der Pianist Franz Stradal, von dem wir auch noch den alten Flügel im Haus haben, bewohnt. Wir haben erst letztens für Freunde ein Konzert in unserem Wohnzimmer mit alten Stücken von Stradal veranstaltet, die wir zufällig gefunden haben – natürlich in Kombination mit modernen Stücken. Bei mir muss das immer zweigleisig sein: das Alte und das Moderne.

"Keramik im Bootshaus" - hier befindet sich das Atelier von Iris Stoff

„Keramik im Bootshaus“ – hier befindet sich das Atelier von Iris Stoff

Wie ist das Verhältnis zu anderen Künstlern auf der Insel? Sieht man sich als Konkurrenz oder als Einheit?

Normalerweise nimmt sich niemand die Butter vom Brot. Ich finde es sogar vorteilhaft, wenn mehr Künstler hier Fuß fassen. Ob man das als Konkurrenz auffasst, hängt von den Einzelnen selbst ab.

Als Künstler hätte man ja verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten. Was genau reizt Sie an der Arbeit mit Keramik?

Das ist das Material. Sie haben einen Klumpen Ton und aus dem erschaffen Sie etwas. Wenn Sie als Keramiker arbeiten, müssen Sie das wirklich mit Leidenschaft machen. Es ist nicht nur „kreative“ Arbeit, sondern auch viel Handarbeit und körperlich schwere Arbeit. Aber wenn ich die Werkstatttür öffne und diesen ganz speziellen Tongeruch wahrnehme, weiß ich, ich bin zu Hause. Man kann das nicht erklären. Das ist einfach eine Leidenschaft, die man haben muss. Es ist vor einigen Jahren ein Atelier im Garten entstanden mit einem schönen Innenhof, das ich zusammen mit meinem Mann nutze. Hier ist ein künstlerischer Mittelpunkt entstanden. Im Winter finden hier Kurse zum Thema plastisches Gestalten, Maltechniken, Aktzeichnen statt. Es kommen zusätzlich Gastdozenten. Das Material Ton ist so vielfältig, dass man immer etwas dazu lernen kann, oder ich kann mein Wissen mit anderen teilen oder weitergeben.

Die Inspiration holt sich Iris Stoff häufig aus ihrem eigenen Garten

Die Inspiration holt sich Iris Stoff häufig aus ihrem eigenen Garten

Als Künstler auf einer Insel zu leben, ist sicher nicht immer leicht. Wie bekommen Sie Ihr Material hierher?

Ich muss jedes Teil hier rüber schleppen, d.h. ich fahre mit meinem Boot nach Gstadt, mit dem Auto zum Einkaufen, komme wieder zurück, lade alles ins Boot und fahre bei Wind und Wetter wieder zurück auf die Insel. Dort lade ich es wieder aus und trage es vom Steg ins Haus oder in die Werkstatt. Zum Glück haben wir auch eine Autofähre hier, die vieles erleichtert. Wir bestellen manchmal schon tausendkiloweise Material und dann lädt es der LKW vor der Türe ab. Die Tonmassen müssen dann „nur noch“ in den Keller getragen werden.

Als Festlandbewohner kann man sich das Leben auf so einer kleinen Insel schlecht vorstellen. Genießen Sie die Stille oder gibt es Zeiten, in denen man sich hier auch richtig einsam fühlt?

Die Stille bedeutet für mich bei Zeiten schon auch Genuss. Ich kann endlich in Ruhe arbeiten. Im Sommer ist das schwieriger: Da meine Werkstatt mittlerweile sehr bekannt ist, bekomme ich viel Besuch. Da kann man sich nicht richtig auf die Arbeit konzentrieren. Das ist im Winter ganz anders. Dann kann ich in Ruhe meine Sachen machen. Die andere Seite ist, dass man dann wirklich alleine ist und das muss man können – alleine sein. Denn von außen wird Sie im Winter kaum jemand besuchen kommen, weil es so mühsam ist. Von daher muss man immer aktiv werden. Wenn ich zum Beispiel eine Ausstellung in Salzburg oder München anschauen will, muss ich mich erst mal aufraffen und rüberfahren. Aber das braucht man ab und an mal für die Seele.

Was ist Ihre Lieblingszeit auf der Insel?

Ganz früh morgens ist es wunderbar. Ich gehe dann gerne an den See, setzte mich eine viertel Stunde auf einen Stein und schaue auf´s Wasser. Der Chiemsee ist dann noch ganz glatt und unberührt. Wenn das Wasser dann auch noch warm ist und man schwimmen gehen kann, hat man das Gefühl der erste zu sein, der das Wasser berührt. Abends hat die Fraueninsel natürlich auch ihre Reize: Man kann am See sitzen, auf´s Wasser schauen oder im Boot eine Runde drehen.

Haben Sie einen Geheimtipp für Besucher der Fraueninsel?

Ja, ich würde mal ganz früh hier her fahren und die Stimmung genießen. Abends ist die Klosterwiese wunderschön. Da gibt es ein paar Bänke und man kann auf die Krautinsel und Herreninsel hinüberschauen – vielleicht sogar unter einem roten Abendhimmel. Außerdem empfehle ich, statt den großen Touristenwegen mal die kleinen Wege zu gehen und sich umzuschauen, sich ein ruhiges Fleckchen zu suchen und die Stille zu genießen.

Tipp

Die Keramiken von Iris Stoff können Sie entweder in ihrem Ausstellungsraum auf der Fraueninsel oder über ihre Internetseite erwerben.


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