Wir suchen die schönsten G’schichten aus dem Chiemgau.

Teilen Sie Ihre Geschichte und schenken Sie ein Lächeln.
» zum Gast-Autor Formular

Franz Weber, „Metallblasinstrumentenbauer“ aus Chieming

Datum: 27. März 2017 . Autor: Kaiman . Kategorie: Chieming . Made im Chiemgau . Tradition & Handwerk
Franz Weber, „Metallblasinstrumentenbauer“ aus Chieming
Kaiman

Ortstermin in Chieming am Chiemsee. Der verschmitzte „Herr der zu blasenden Bleche“ führt mich in seine Kellerwerkstatt. Hier wird gearbeitet, dass sich die Rohre biegen. Und mehr noch – hier finden intime Musikergespräche statt! Denn die Kunst, das passende Instrument für einen Trompeter, Posaunisten oder Hornisten herzustellen, verlangt Wissen, Können und eine gehörige Portion Einfühlungsvermögen, wie ich bald erfahre.

Franz Weber, „Metallblasinstrumentenbauer“ aus Chieming

Langer Herstellungsprozess

Einblicke in die Meisterwerkstatt für Trompete, Posaune, Tuba & Co.

Wir sitzen zwischen Dreh- und Werkbänken, alle übersät mit Fragmenten zukünftiger und alter Instrumente, mit vergoldeten Trichtern, rohen Messingrohren, polierten Mundstücken, seltsamen Werkzeugen, Schleifpasten und vielem mehr. Es findet sich kaum ein Plätzchen, um auch nur mein Notizbuch abzulegen. Doch Franz Weber hat alles im Griff, ist die Ruhe selbst und plaudert frei aus der Schule.

Dass bei ihm einmal namhafte Blechbläser aller Stilrichtungen – Klassik und Pop, Jazz und Volksmusik – ein- und ausgehen würden, hätte er sich als Schüler mit Faible für Blasinstrumente nicht träumen lassen. Als Bub wollte er zunächst Schreiner werden, wechselte aber auf die höhere Schule, weil man dort ein Musikinstrument lernen konnte. Da das Saxophon schon vergeben war, griff er zur Trompete – ein Glücksfall. Bald schon überwogen die Band-Auftritte seine andere Leidenschaft, Fußballspielen, „auch wegen der Mädels“. Für seinen nächsten Berufswunsch Instrumentenbauer fand er schnell eine Stelle und so landete Franz Weber ab 1975 nicht nur in einer großen Instrumentenschmiede in München, sondern auch in einer dortigen Big Band. Da war er bereits „fanatischer Trompetenspieler“. Bis heute, denn Franz Weber liebt seine Live-Auftritte.

„Ausgezeichnet“ ist er im wahrsten Sinne, denn er wurde mit seiner Gesellenarbeit Kammer, -Landes und Bundessieger der „Metallblasinstrumentenbauer“. Auch seinem späteren Lehrling gelang dieses Kunststück zum Abschluss seiner Ausbildung bei Franz Weber.

Sein fantastischer Ruf speist sich unter anderem aus diesen beiden Eigenschaften: erstens – hervorragender Musiker und zweitens – präziser Handwerker. Seine Hände erzählen Arbeitsgeschichte, sind gezeichnet vom täglichen Umgang mit den Metallen, seine Augen hingegen verraten humorvoll blitzend eine lebenslange Leidenschaft für seinen Beruf, die Musik und die Menschen.

Franz Weber, „Metallblasinstrumentenbauer“ aus Chieming

Mundstücke

Kunden kommen sogar aus Japan

So etwas spricht sich in Musikerkreisen herum. Und dadurch erhält er Besuche von teils sehr namhaften Leuten aus Nah und Fern, von den benachbarten Pop-Profis der „La Brass Banda“ bis hin zu den Egerländern, den Wiener Philharmonikern und über deren Verbindungen wiederum zu Philharmonikern aus Tokio. „Meine Popularität in Japan ist auch recht groß“, zwinkert er vergnügt.

Größere Aufträge für Kapellen, Orchester und Wiederverkäufer sind das eine – die individuelle Beratung von Musikern das andere. Letzteres geht zwar auch als Fernauftrag: Nach telefonischer Beratung werden meist zwei verschiedene Instrumente an den Interessenten verschickt. Diese sind als „Baukastensystem“ in all ihren Teilen untereinander so kombinierbar, dass der Kunde seine Traumkombination selbst heraustüfteln kann. Doch das Optimale ist der Besuch beim Meister vor Ort in Chieming am Chiemsee. Durch Gespräche und Vergleiche stellen Franz Weber und Musiker schnell die persönlichen Tendenzen fest, die man vor Ort, in Chieming, mit Instrumenten erproben kann.

„Vieles spielt sich im Kopf ab. Und den Musiker auch in Ruhe alleine mit dem Instrument proben zu lassen, ist wichtig! Außerdem darf der Kunde sein vielleicht zukünftiges Instrument mal mitnehmen, um es in Räumen zu erproben, in denen er später spielt. Nur dort kann man letztlich beurteilen, ob es zu einem passt.“

Individuelle Beratung schreibt Franz Weber groß

Einen Termin bei Franz Weber bekommt jeder ernsthaft Interessierte, ob Superstar oder Anfänger. Nur anmelden sollte man sich lange genug vorher. Erstberatung gibt es am Telefon vorab. „Jeder hat seine Vorlieben und seinen Glauben, was das Instrument anbelangt. Das ist manchmal schon esoterisch, doch das spielt ja alles mit rein. Wir sind schließlich keine Maschinen!“ sagt der Meister. Konkrete Details oder Anekdoten dazu gibt Franz Weber aus Respekt seinen Kunden gegenüber nicht preis. Lieber spricht er über die Details der Fertigungskunst, von Rohrkrümmung, Materialspannung, Wandstärke, Metallglättung und Ventilkorrosion bis hin zum Oberflächen-Finish in Gold, oder über eine „Spezialität des Hauses“, die Mundstückanpassung.

Franz Weber, „Metallblasinstrumentenbauer“ aus Chieming

„Metallblasinstrumentenbauer“ Franz Weber

Hier im Mundstück entsteht der Ton, und Weber fertigt natürlich auch dieses Teil passend zum Musiker. Die vielen alten und neuen Mundstücke, die ich bei Franz Weber kistenweise finde, lassen mich unweigerlich an Louis Armstrong denken, der als Kind sein erstes Trompetenmundstück auf der Straße fand und sich damit selbst das Spielen beibrachte.

„Spielen ist das Wichtigste. Begeistert sein und viel, viel spielen!“ sagt Franz sehr bestimmt. Und wieder ist da dieses unwiderstehliche Funkeln in den Augen des Musikers und Instrumentenbauers, dieser feinhumorige Blick, der einen anstecken will mit der „Lust am Spiel“.

 

Tipp

Die Drehorgel ist nun wirklich alles andere als typisch für den Chiemgau, auch nicht für Bayern und für die heutige Zeit schon erst recht nicht. Aber das ist eine andere Chiemgau G’schicht….


Datum: 27. März 2017 . Autor: Kaiman . Kategorie: Chieming . Made im Chiemgau . Tradition & Handwerk
Hinterlassen Sie einen Kommentar

1 Kommentar
  1. Elisabeth Inselsperger-Stadler sagt:

    Toll, dass Du immer wieder solch „besondere“ Menschen hier bei uns im Chiemgau entdeckst und über sie schreibst!

Nach Absenden des Kontaktformulars erfolgt eine Verarbeitung der von Ihnen eingegebenen personenbezogenen Daten durch den datenschutzrechtlich Verantwortlichen zum Zweck der Bearbeitung Ihrer Anfrage auf Grundlage Ihrer durch das Absenden des Formulars erteilten Einwilligung. Weitere Informationen