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Steinzeit für die Wohnzimmerwand

Datum: 20. Juli 2016 . Autor: Raphaela Jakob . Kategorie: Grabenstätt . Region . Tradition & Handwerk
Schönes und Wildes aus Geweih und Horn 600.000 Jahre treffen auf modernes Design
Raphaela Jakob

Wer die Werkstatt von Reinhard Deyerl betritt weiß erst einmal gar nicht, wohin er zuerst schauen soll: Außergewöhnliche Leuchtmittel, einzigartige Sitzmöbel, aufwendige Wanddekoration. Eines haben all diese Designerstücke gemeinsam: Geweihe, Hörner oder Knochen sind wichtiges Element. Als ich „Schönes + Wildes aus Geweih + Horn“ in Grabenstätt betrete, scheint Reinhard Deyerl an einem verhältnismäßig kleinen Werktisch voll in seinem Element zu sein.

Er mag es lieber, wenn man ihn Designer statt Künstler nennt. Seit etlichen Jahren betreibt Deyerl seine Werkstatt, in der er sogar schon Großprojekte wie eine 6 x 11 Meter große Decken-Dekoration für ein chinesisches Warenhaus geschaffen hat, nun bereits. Er hat einen internationalen Kundenstamm. Dabei hat alles ganz klein angefangen.

Die Geschichte einer Leidenschaft

Der gelernte Koch fand bereits vor etlichen Jahren Gefallen an den Naturprodukten, die, so sagt er, „alleine schon eine vollendete Schönheit besitzen„. Diese Schönheit mit einer Funktionalität zu versehen, mit der man sie auf den ersten Blick nicht in Verbindung gebracht hätte, macht seine Werke so besonders. Als er in seinem Bekanntenkreis eine große Nachfrage an den Arbeiten feststellt, entscheidet er sich schließlich, Hobby zum Beruf zu machen. Das Wissen um seine Produkte eignete sich Reinhard Deyerl einst selbst an. Ebenso das nötige Know-How für die Umsetzung der Handarbeit.

Heute zählen zu seinem festen Kundenstamm viele Hoteliers und Restaurants, die seine unkonventionellen Designerstücke zu schätzen wissen. Dass jedes Geweih und jedes Horn ein Unikat sind, von dem kein zweites existiert, macht seine Arbeit besonders interessant. „Bei 100 Geweih-Exemplaren findet man höchstens zwei, die einigermaßen formgleich sind. Dementsprechend ist der Bedarf natürlich sehr groß. Mein Lager, dass zu Zeit noch gut voll ist, ist bis spätestens Weihnachten leer.“ Jagdklischees oder volkstümliche Folklore findet man hier übrigens vergebens. Vielmehr dominiert ein zeitloses Design, das sowohl zu moderner, als auch Einrichtung des klassischen Landhausstils passt.

 

Schönes und Wildes aus Geweih und Horn 600.000 Jahre treffen auf modernes Design

Die Auswahl im Lager ist groß

Einzigartige Rohstoffe treffen auf einzigartigen Designer

Spätestens beim Betreten des Lagers wird mir klar, mit welchem zusätzlichen Aufwand die Beschaffung der Rohstoffe verbunden sein muss: Einen guten Monat ist Reinhard Deyerl jedes Jahr auf Reisen, um sich das Material für seine Designerstücke zu beschaffen. Diese Schätze stapeln sich nun meterhoch in einem riesigen Lager, das direkt an den Ausstellungsraum grenzt. Von extremen Seltenheiten wie das Horn des Rothornbüffels, Geweihe von Davidshirschen und bis zu 60.000 Jahre alten Mammut- und Breitstirnbisonknochen, finden sich in Deyers eindrucksvollem Lager etwas weniger seltenere, aber dennoch einzigartige Hörner von Steinböcken, Geweihe des kanadischen Weißwedelhirsches und des Karibus. Der Wert der einzelnen Elemente reicht von 25 Euro bis 1500 Euro.

Schönes und Wildes aus Geweih und Horn 600.000 Jahre treffen auf modernes Design

Rarität reiht sich an Rarität

Die Herkunft seiner Materialen ist für Reinhard Deyerl äußerst wichtig. So achtet er penibel darauf, dass kein Tier für seine Arbeit sterben muss. „Natürlich ist das mit höherem Aufwand und Kosten im Einkauf verbunden, doch das„, so Deyerl, „lohnt sich.“ Auf Nachfrage, woher einzelne Stücke stammen, holt er etwas aus: „Die Hörner der Steinböcke, stammen von Tieren, die in Lawinen in Russland ums Leben gekommen sind. Mammutknochen bekomme ich beispielsweise direkt aus Sibirien. Wenn dort Eis schmelzt, kommen immer wieder Mammuts zum Vorschein. Leider können Viele nur etwas mit den Stoßzähnen anfangen – da habe ich mit meinem Nischenprodukt, den Mammutknochen, schon ein bisschen Glück.

Wohnzimmerlampe aus 60.000 Jahre altem Mammut-Hüftknochen

Genauso individuell wie der Rohstoff ist die spätere Verarbeitung. Hier ist der Vielfalt keine Grenze gesetzt. Oftmals entscheidet sich Deyerl erst nach Beschaffung der Materialien, was er letztlich daraus gestaltet. Oder die Kunden äußern ihre Wünsche ganz gezielt. Für letzteres hat er den Ausstellungsraum. „Viele Menschen haben Schwierigkeiten, sich vorzustellen, wie ihr Objekt aussehen könnte. In diesem Fall ist es wichtig, dass sie sich hier orientieren und inspirieren lassen können. Die Größe eines Leuchters unterschätzt man leicht. Eigentlich möchte ich das Ursprungsmaterial gar nicht zu sehr bearbeiten und dadurch unter Umständen verfälschen. Bei der Verarbeitung von Knochen reicht es, wenn diese geschliffen und poliert werden. Weniger ist tatsächlich oftmals mehr.“

Schönes und Wildes aus Geweih und Horn 600.000 Jahre treffen auf modernes Design

Bleibt seinem Designstil treu: Reinhard Deyerl in seiner Werkstatt

Naturprodukt vs. Plastik-Hirsch

Am Ende meines Besuchs frage ich Reinhard Deyerl, ob er auch schon einmal einen Auftrag bewusst abgelehnt hat. Nach kurzem Überlegen antwortet er: „Manche Leute wollen, dass ich einen Lüster beispielsweise weiß, pink oder silber mache. Das mache ich aber nicht. Das ist Bastelarbeit. Das rechnet sich weder und irgendwie muss man sich einfach treu bleiben. Das ist nicht mein Geschmack. Da können sich die Leute auch gleich ein Geweih aus Plastik kaufen. Wandschnitzereien etc. mache ich auch nicht – mit Bastlern will ich eigentlich nicht konkurrieren. Bei mir soll das ursprüngliche Material in seiner Schönheit schon im Fokus bleiben.“ Absolut sympathisch, finde ich.

Zwar hat Herr Deyerl keine regulären Öffnungszeiten, ist aber beinahe täglich in seiner Werkstatt anzutreffen. Für telefonische Terminabsprachen ist er unter der Nummer 0171 712 19 83 erreichbar. Schönes + Wildes aus Geweih + Horn in der Schloßstraße 9 in 83355 Grabenstätt.

Foto Markus Meindl
Tipp

Weitere Lifestyle-Produkte aus dem Chiemgau gibt es von der Firma Meindl. Hier zeigt sich dass Hirschleder nicht gleich Hirschleder – und Ledermode kein Synonym für Trachten ist.


Datum: 20. Juli 2016 . Autor: Raphaela Jakob . Kategorie: Grabenstätt . Region . Tradition & Handwerk
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1 Kommentar
  1. Hallo liebe Community 🙂

    Also begeisterter Geweih Fan kann ich die Artikel von Herr Deyerl nur empfehlen. Diese sind nicht nur extravagant, sondern auch schlichtweg einzigartig. Ganz besonders die Geweihlampen sind ein wahnsinn. Einfach atemberaubend. Da ich aber schon mehrere Gegenstände erworben habe und auch immer wieder nach Herstellern dieser Gegenstände bin ist mir vor kurzem ein sehr ähnlicher Hersteller ins Auge gefallen. Dieser befindet sich in Österreich und fertigt ebenso jegliche Art von Geweih Gegenstände. Ganz besonders auffällig sind die Geweihmöbel und Geweihlampen. Denn diese sind sehr modern und heben sich auch von der Konkurrenz ab. Für diejenigen unter euch die interessiert sind habe ich kurzerhand den Link zu dem Geweihhersteller angehängt.

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