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Der Traunsteiner Lindl – Ein hölzerner Ritter als Krönung für Volksmusikgenuss

Datum: 9. Oktober 2017 . Autor: Judith Schmidhuber . Kategorie: Kultur . Made im Chiemgau . Region . Tradition & Handwerk . Traunstein . Veranstaltungen
Judith Schmidhuber

Ruhm und Ehre wird den Sängern und Musikanten zuteil, die den Traunsteiner Lindl gewinnen. Der Preis steht für echte Volksmusik – und feiert 2017 ein Jubiläum.

Der Laurenzi Dreigsang ist 2015 einer von drei Gewinnern des Lindl gewesen.

Der Laurenzi Dreigsang ist 2015 einer von drei Gewinnern des Lindl gewesen.

Als Wahrzeichen der Traunsteiner wacht der Lindl seit bald 500 Jahren über dem Brunnen am Stadtplatz. Der einstige Ritter und Stadthauptmann spielt beim jährlichen Georgiritt  eine zentrale Rolle. Seit fünf Jahrzehnten ist er aber auch aus der Volksmusikszene nicht mehr wegzudenken. Dann kommt der Lindl in Form einer geschnitzten Holzfigur daher und wird denjenigen überreicht, die hervorragend singen und musizieren. Auch im 50. Jahr des Volksmusikwettbewerbs sorgt der Traunsteiner Lindl immer noch dafür, Brauchtum zu erhalten und Kultur zu fördern.

Die Idee zum Wettbewerb kam den Traunsteinern Mitte der 60er Jahre. Die Geschwister Graspeutner aus Traunstein hatten mit ihrer Stubn’musi im Pongau gerade die „Silberne Amsel“ gewonnen. Das ist ein Preis der Marktgemeinde Bischofshofen mit dem Zweck, das echte Volkslied und bodenständige Volksmusik zu erhalten. Mit dem Sieg des Wanderpreises verknüpft ist ein Hoagart, den die Preisträger in ihrem Heimatort ausrichten. Und der kam in Traunstein so gut an, dass der damalige Bürgermeister Willi Steeger und der Stadtrat beschlossen, ebenfalls einen solchen Wettbewerb zu etablieren.

Nachwuchsmusiker sorgen für frischen Wind

Die Vielzahl an jungen Teilnehmern zeigt, dass Volksmusik keinesfalls in Vergessenheit gerät.

Die Vielzahl an jungen Teilnehmern zeigt, dass Volksmusik keinesfalls in Vergessenheit gerät.

Georg Holzner ist der Leiter der Traunsteiner Musikschule, Mitglied der Arbeitsgruppe „Traunsteiner Lindl“ und Ansprechpartner für Teilnehmer und Jurymitglieder. „Es muss wirklich Volksmusik sein“, stellt er klar. Volkstümliche Musik und die kommerzielle Schiene seien beim Lindl nicht erlaubt. Wobei Holzner betont, dass Volksmusik eine lebendige Sache sei und neue Impulse durchaus gern gehört werden. „Die jungen Leute weiten die Grenzen schon aus. Die nehmen zum Beispiel auch mal Elemente von Pixner auf. Aber das ist völlig in Ordnung.“ Der Musikschulleiter spricht von einer Aufbruchstimmung in der Volksmusikszene, in der gerade der Nachwuchs für frischen Wind sorge. „Wir sind Gott sei Dank aus der Dekade heraus, in der selbst ernannte Experten meinen, man müsse alles festlegen.“

Auftritt und Jurybewertung vor Publikum beim Lindl

Und so geht es beim eigentlichen Wettbewerb auch sehr offen zu: Tagsüber singen oder spielen alle Teilnehmer vor der Jury und bekommen unmittelbar nach dem Auftritt von den Volksmusikexperten ein Feedback: was ihnen gefallen hat, was weniger gut war, Verbesserungsvorschläge. Für manche Teilnehmer eine nicht ganz einfache Situation. „Sie sind der Kritik unmittelbar und vor den Zuschauern ausgesetzt“, erklärt Holzner. „Das ist das Besondere am Lindl. Da findet nichts hinter verschlossenen Türen statt.“ In der Beratergruppe sind Volksmusikexperten aus dem Chiemgau, Rupertiwinkel und dem angrenzenden Österreich. Sie küren die Sieger anschließend beim Festabend in der Aula der Berufsschule I, bei dem alle Teilnehmer auftreten.

Das Schindlberg Trio hat den Wanderpokal in diesem Jahr daheim stehen.

Das Schindlberg Trio hat den Wanderpokal in diesem Jahr daheim stehen.

Volksmusik im Schneeballsystem verbreiten

Die Musikanten kommen überwiegend aus dem südostbayerischen Raum. Teilweise sind Gruppierungen schon ewig dabei. Familienmusiker machen genauso mit wie junge Musiker, die noch nicht lange zusammen spielen und etwas dazulernen wollen. Ihr Antrieb ist es, sich den Traunsteiner Lindl in die Biographie schreiben zu können: Die Holzfigur ein Jahr lang daheim stehen zu haben, das heißt schon was. Gab es ursprünglich nur zwei Statuen für Erwachsene und Jugendliche, kann die Jury seit 1982 pro Wettbewerb mehrere Sieger küren. Dem Schneeballsystem, das hinter dem Volksmusikwettbewerb steht, ist das nur zuträglich: Jeder, der den Traunsteiner Lindl bekommt, verpflichtet sich zur Ausrichtung eines Hogarts.

In 50 Jahren Traunsteiner Lindl haben schon hunderte Musiker ihr Können unter Beweis gestellt. Im Jubiläumsjahr hat sich die Stadt als Stifter des Volksmusikpreises zum Ziel gesetzt, alle bisherigen Preisträger auf die Bühne zu holen und bis zum Wettbewerb im November eine Reihe von Volksmusikveranstaltungen durchzuführen. Um damit echte, unverfälschte Volksmusik weiter zu verbreiten.

Tipp

Der 50. Volksmusikwettbewerb um den Traunsteiner Lindl findet am 18. November statt. Dazu wird es das ganze Jahr über Hoagartn geben.


Datum: 9. Oktober 2017 . Autor: Judith Schmidhuber . Kategorie: Kultur . Made im Chiemgau . Region . Tradition & Handwerk . Traunstein . Veranstaltungen
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