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Die Chiemgauer Trachtler wissen Feste zu feiern

Datum: 8. September 2016 . Autor: Judith Schmidhuber . Kategorie: Ausflugsziele . Region . Tacherting . Tradition & Handwerk . Veranstaltungen
Gautrachtenfest Peterskirchen
Judith Schmidhuber

Der Chiemgau ist Schauplatz des größten Trachtenfests Bayerns. Ein Spektakel gespickt mit Superlativen.

Belächelt werden sie gerne, die Trachtenvereine. Gebirgstrachten erhalten wollen sie, weshalb es in den Vereinen strenge Regeln gibt, wenn es ums Gwand geht. Welche Lederhose, welche Schürzenfarbe, welche Krawatte – sogar der Hutschmuck ist in jedem Verein vorgeschrieben. Macht ja auch Sinn: Wenn man eine Tradition erhalten möchte, dann ändert man daran nichts. Aber geht es genau darum, die Tradition, dann kann den Trachtlern wohl sonst kein Verein etwas vormachen. Den größten Beweis liefert der Gauverband 1, der älteste und größte Gauverband Bayerns, einmal im Jahr beim Gaufest. Ein farbenfrohes Spektakel mit mehreren Tausend Zuschauern, die sich das Schaulaufen der Trachtler nicht entgehen lassen wollen.

Ein Dorf wächst über sich hinaus

Die Ehre der Ausrichtung ist heuer dem GTEV D’Mörntaler Peterskirchen zu Teil geworden. Auch da haben viele gegrinst, weil der Ort in der Gemeinde Tacherting mit seinen 600 Einwohnern wahrlich nicht der größte im Gau ist. Der Verein ist allerdings mitgliederstark und anpacken können sie auch, die Peterskirchener. Allen voran der erste Vorsitzende Michael Hauser, der beim Gaufest als Festleiter fungiert. Drei Jahre hat er geplant, getüftelt und festgelegt, wie das Spektakel ablaufen soll. Eine Nummer zu groß? Nie! „Ich bin sogar sicher, dass wir so ein Fest leichter stemmen können, als eine große Gemeinde oder eine Stadt. Weil’s bei uns einen großen Zusammenhalt gibt“, sagt Hauser, verschränkt die Arme und lehnt sich zurück. Alles läuft wie am Schnürchen.

500 Kuchen für den Festtag

Tatsächlich war es ein Leichtes, den großen Tag vorzubereiten. Einfach, weil jeder im Ort mithelfen will. Das geht von Festzeichen basteln, Girlanden binden, Blumengestecke herrichten, Wiesen für Parkplätze mähen. Innerhalb drei Tage haben die Peterskirchener das bis dato größte Festzelt in weitem Umkreis aufgestellt: 115 Meter lang, 40 Meter breit. Oktoberfestausmaße! Aber 8000 Trachtler und noch einmal ein paar Tausend Zuschauer wollen auch Platz haben. Bis zuletzt sind Straßenränder gemäht, Parkplätze aufgesteckt, Laternen aufgestellt und Kuchen angeliefert worden. Am Festsonntag sind es alleine schon 500 Stück.

Weckruf der Böllerschützen

Das Wecken durch die Böllerschützen gehört zu jedem Gautrachtenfest.

Das Wecken durch die Böllerschützen gehört zu jedem Gautrachtenfest.

In aller Herrgottsfrüh wecken die Böllerschützen die Dorfbewohner auf. Und dann treffen die Trachtenvereine ein, 117 Mitglieder hat der Gau, der sich von Salzburg und Berchtesgaden, bis nach Bad Tölz, Zorneding und Neumarkt St. Veit erstreckt. In Scharen marschieren sie zum Weißwurstfrühstück ins Festzelt, wo sie aber nicht lange bleiben. So ein Festtag ist genau getaktet. In dem Fall nach Michael Hausers Uhr. Um 9 Uhr stellt man sich zum Kirchenzug auf, um 10 Uhr beginnt der Gottesdienst. Der findet immer unter freiem Himmel statt. Und dass hat der Festleiter auch schlau geplant, denn in Peterskirchen grenzt an die Kirche eine Wiese. Den überdimensionalen Feldaltar hat er genau davor platziert. Die Trachtler blicken also direkt auf das gelbe Gotteshaus, wenn sie der Predigt des Pfarrers lauschen. Und dem Chor und Orchester, die ihr bis dato größtes Livekonzert geben und dafür lange geprobt haben. Lange wird Beifall geklatscht, sogar die ein oder andere Träne der Rührung wird weggewischt.

Gottesdienst unter freiem Himmel

und Heimatminister Söder ist auch gekommen.

und Heimatminister Söder ist auch gekommen.

Und danach kommen die Ehrengäste zu Wort. Allen voran Finanz- und Heimatminister Markus Söder. Geld, dass in Trachtenvereine investiert wird, sei gut angelegt, sagt er, erntet Applaus und ein paar Lacher, weil er halt ein Franke ist, denen die Oberbayern einmal zeigen, wie die Feste gefeiert werden. Und wie Umzüge auszusehen haben. Bei so einer Menge an Teilnehmern, bleibt Michael Hauser gar nichts anderes übrig, als die Vereine in zwei Schlangen aus dem kleinen Ort auswärts ausschwärmen zu lassen. Die Zuschauer kommen in den Genuss eines einstündigen Umzugs und müssen flink sein, wenn sie nach dem ersten auch noch den zweiten mitbekommen wollen. Am Festzelt treffen sie sich wieder, zu Hendl und Braten, Bier, Kaffee und Kuchen und natürlich zu Trachtentänzen. Die Dirndl drehen sich, die Burschen plattln – Trachtlerherz, was willst du mehr?

Tipp

In unserem Blog gibt es noch weitere interessante G’schichten rund um das Thema Tracht. So wird zum Beispiel der Unterschied zwischen Trachtengewand und Dirndlgewand erklärt. Lasst euch einfach überraschen…


Datum: 8. September 2016 . Autor: Judith Schmidhuber . Kategorie: Ausflugsziele . Region . Tacherting . Tradition & Handwerk . Veranstaltungen
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