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Ultimativer E-Bike-Test mit einer Skeptikerin (Ü70)

Datum: 6. März 2017 . Autor: Andrea Obele . Kategorie: Mountainbiken . Radeln . Radfahren . Ruhpolding
Ultimativer E-Bike-Test mit einer Skeptikerin (Ü70)
Andrea Obele

Ein E-Bike? Meine Mutter Inge, Ü70, passionierte Radfahrerin, ist mehr als skeptisch. Der Zusatzantrieb ist ihrer Meinung nach nur was für diejenigen, die nicht mehr selber in die Pedale treten können. Ob der Ruhpoldinger Radl-Sepp und ich sie vom Gegenteil überzeugen können?

Ferienzeit, Hauptbetrieb im Radgeschäft „Radl-Sepp“ im Zentrum Ruhpoldings, in der Bahnhofsstraße. Während der Chef sich gerade viel Zeit für die perfekte Anpassung eines Rades nimmt, sind wir in der Reihe neben anderen Touristen, um unsere reservierten Mountainbikes mit E-Bike-Antrieb in Empfang zu nehmen.

Heges Treiben beim Radl-Sepp

Genug Zeit, Josef Gruttauer – den Radl Sepp, jun. – bei seiner intensiven Beratung zu beobachten, die sich in diesem Fall hauptsächlich um den Sattel dreht. Es ist eine Spezialdisziplin des Ruhpoldingers. Über die digitale Satteldruck-Messung erfolgt eine perfekte Anpassung der Sitzposition und dadurch noch größeres Fahrvergnügen: „Wir definieren uns über unseren Service, eine perfekte Anpassung des Rades, nicht nur des Sattels, gehört bei uns beim Kauf dazu. Das Rad muss dem Fahrer passen, nicht umgekehrt. Auch nachträglich wird das von uns übernommen.“

Im Verleihbereich im Hof warten jetzt unsere zwei Bikes auf uns. Denn nicht nur der Verkauf von Rädern und Zubehör gehört zum Angebot beim „Radl-Sepp“, sondern auch der Verleih von normalen Bikes, Elektrorädern und geführte Touren.

Der perfekte Zeitpunkt

Radmonteur Gebhart Steinbacher übernimmt unsere Einweisung fachmännisch. Er selbst kann sich nach einer Erkrankung Radfahren ohne Elektro-Antrieb gar nicht mehr vorstellen und erklärt meiner Mama, dass genau jetzt die beste Zeit wäre, auf ein E-Bike umzusteigen: „Jetzt kannst noch richtig Spaß damit haben“, ist sein Argument.

Richtig sportlich schauen die hochwertigen Mountainbikes mit Zusatzantrieb aus, und die Handhabung ist überraschenderweise denkbar einfach: Einschalten, die gewünschte Antriebsstufe per Tastschalter wählen und los biken. Die normale Gangschaltung betrifft nur die hintere Nabe – das ist neu für uns. Die Batterie hält – abhängig von der Kondition – zwischen 30 und 120 Kilometer, je nachdem, wieviel Unterstützung man braucht.

Ultimativer E-Bike-Test mit einer Skeptikerin (Ü70)

Über Stock und über Stein

Der sympathische Gebhart zeigt uns noch ein paar Kniffe, stellt die Sattelhöhe richtig ein und wir starten Richtung Röthelmoos. Anfangs hält sich die Begeisterung bei meiner Mama in Grenzen: „Gewöhnungsbedürftig“ sagt sie nur ganz knapp, dabei geht es aber eher um die Sitzposition und den Rahmen des Mountainbikes als um den Antrieb. Muttern ist einfach Renn- oder Trekkingräder gewöhnt.

Zudem will sie sich eigentlich gar nicht von einem Hilfsantrieb unterstützen lassen – aus eigener Kraft vorwärts kommen ist die Devise!

Als ob man angeschoben wird

Ich dagegen genieße das beschwingte Radfahren, das kleine Hügel und Anhöhen auch ohne Schweißausbrüche überwindbar macht. Inge hat sich inzwischen auch dazu überreden lassen, den geräuschlosen Antrieb auszuprobieren und ist überrascht: „Es ist wirklich so, als ob von hinten dauernd jemand anschiebt!“

Der Zusatzschub macht Spaß, vor allem, als wir über einen wurzeligen, steilen Steig bergauf schieben müssen. Die geliehenen E-Bikes haben nämlich zusätzlich eine Schiebehilfe und rollen fast von ganz alleine neben uns her.

Nach einer gemütlichen Ruhpoldinger Runde nehmen wir den Weg zur Schwarzachenalm in Angriff, die übrigens der Gründer des Fahrradgeschäfts betreibt, der „Radl-Sepp sen.“. Wir überholen ganz locker bergauf Radfahrer mit normalen Bikes. „Kein schlechtes Gefühl“, findet Mama, die leicht neben mir her tritt. Oben auf der Alm wundert sie sich: Bis auf zwei Räder, die hier abgestellt sind, sind alles E-Bikes! Scheint zu stimmen, was Gebhart sagte: Nicht nur ältere Herrschaften, auch junge schätzen den Komfort eines Elektrorades – auch in Mountainbike-Form. Schämen muss man sich also sicher nicht …

Berg auf, Berg ab – mit dem E-Bike

Als wir den Berg dann wieder schwungvoll bergab rollen und ich meiner Mama eröffne, dass wir an diesem Tag etwa 500 Höhenmeter auf dem Rad hinter uns gebracht haben, ist sie erstaunt: „Das habe ich gar nicht gemerkt. Mit meinem eigenen Rad wäre ich das nie so locker gefahren!“

Ultimativer E-Bike-Test mit einer Skeptikerin (Ü70)

Vor dem Radl-Sepp

Als wir die Drahtsesel wohlbehalten in den „Stall“ zum Radl-Sepp zurückbringen, zieht sie ein Resümee: „Ich bin tatsächlich nicht mehr so skeptisch wie vorher, es hat Spaß gemacht und vor allem für Berge ist so ein E-Bike wirklich ideal. Für den, der es ausnützen kann, lohnt sich ein Kauf sicher. Auch für einen Urlaub in einer Bergregion gibt es nichts besseres, als sich so ein Bike mit Hilfsantrieb auszuleihen. Es eröffnet einem einen viel größeren Radius und mehr Möglichkeiten, die Bergwelt zu erobern – auch wenn man kein Sportfreak ist! Mein Tipp: Ausleihen, losfahren und genießen.“

Bike & Hike vor Mittag im Chiemgau
Tipp

Markus Wössner war schon immer gut in Fahrt. Für ihn ist Biken nicht nur Freizeitbeschäftigung, sondern Lebensphilosophie. Hike und Bike am Mittag in den Bayerischen Alpen zeigt wie reizvoll eine Bergtour mit dem Fahrrad ist.


Datum: 6. März 2017 . Autor: Andrea Obele . Kategorie: Mountainbiken . Radeln . Radfahren . Ruhpolding
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