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Teisenberg-Runde: Radtour rund um den nördlichsten Berg der Alpen

Datum: 17. August 2015 . Autor: Andrea Obele . Kategorie: Ausflugsziele . Genuss . Inzell . Radeln . Radfahren . Region . Regionale Spezialitäten
Teisenberg-Runde im Chiemgau
Andrea Obele

Mit 1.333 Meter ist der Teisenberg der nördlichste Berg im deutschen Teil der Alpen – und bei Mountainbikern mit der Stoißer-Alm als Ziel bestens bekannt. Man muss aber nicht immer auf den Teisenberg hinauf fahren – einmal rundherum ist auch ein tolles Erlebnis!

Inzeller Moor- und Erlebnisweg im Chiemgau

Inzeller Moor- und Erlebnispfad

Für uns geht die Runde im Ortszentrum von Inzell los – natürlich kann man auch in Teisendorf, Neukirchen oder Anger starten – die neu ausgeschilderte Erlebnistour ist ja eine Rundtour. Parkplätze gibt es beim Schwimmbad oder der Max Aicher Arena. Dann geht es auch schon an der Frauenkirche vorbei zum Inzeller Moor- und Erlebnispfad. Hier kann man eine Reise in die Vergangenheit starten, als gewaltige Gletschermassen der letzten Eiszeit gerade abschmolzen und riesige Mammuts durch die Täler streiften – wer will, liest hier die Schautafeln rund um die Eiszeit und das Moor.

Radtour an der historischen Soleleitung

Über Hammer und Unterheutau radeln wir dann weiter durch das Tal der Roten Traun Richtung Siegsdorf. Hier lief früher die Soleleitung, die in den Jahren 1617-1619 gebaut wurde und die erste Pipeline der Welt war.

Radeln bei imposanter Aussicht auf die Alpen im Chiemgau

Radeln bei imposanter Aussicht auf die Alpen

In mehr als 8.000 Holzrohren, den sogenannten Deicheln, und mit Hilfe von Pumpwerken wurde die in Reichenhall gewonnene Sole über 31 Kilometer nach Traunstein befördert und dort in der Saline versotten. Kaum zu glauben, wie beschwerlich der Bau wohl war und dass wir hier quasi auf historischem Boden radeln!

Kurz vor Siegsdorf biegen wir dann nach Neukirchen ab, das  im Herzen des Rupertiwinkels liegt. Der Ort mit seiner Pfarrkirche St. Ulrich zählt zur Gemeinde Teisendorf, die man nach weiteren rund zehn Kilometern erreicht. Wahrzeichen von Teisendorf ist die 1437 erbaute Pfarrkirche St. Andreas mit ihrem weithin sichtbaren Turm.

Idyllisches Kloster Höglwörth am See

Durch die Ramsau und ein Vogelschutzgebiet radeln wir gemütlich auf einer Sandstraße weiter nach Höglwörth. Das ehemalige, idyllische Augustiner-Chorherrenstift Höglwörth mit seiner Rokokokirche auf einer Halbinsel im See ist eines der schönsten Ensembles im östlichen Oberbayern. Der dortige Klosterwirt mit seinem Biergarten ist ein beliebtes Ausflugsziel, denn nicht nur wir Radfahrer können hier ein frisches Glas Schorle oder Bier trinken oder einen Happen zu uns nehmen, auch die Leute, die den See mit reichem Fischbestand umwandern, kehren hier gerne ein. Höglwörth gehört zu Anger, der nächsten Station auf der Teisenberg-Runde.

„Wadlschmoiz“ und „Slowfood“

Die Pracht des Dorfplatzes von Anger veranlasste König Ludwig I. seinerzeit, es als „schönstes Dorf Bayerns“ zu bezeichnen. An der Stoißer Ache radeln wir nun weiter durchs Biosphärenreservat Berchtesgadener Land. Nach dem Ortsteil Kohlhäusl geht der Weg in eine Forststraße über. Anfangs ist der Weg noch recht flach, steigt dann aber stetig an. Auf 964 Höhenmeter haben wir schließlich den höchsten Punkt auf dem Pass zwischen Anger und Inzell erreicht. Unterschätzen sollte man die Runde um den Teisenberg also nicht – „Wadelschmalz“ ist schon gefragt, schließlich wollen 659 Höhenmeter bezwungen werden.

Traumhafte Lage: Das Forsthaus Adelgaß in Inzell im Chiemgau

Traumhafte Lage: Das Forsthaus Adelgaß in Inzell

Von hier aus geht’s allerdings nur noch bergab, das freut uns! Das Forsthaus Adlgaß liegt nun direkt am Weg und lockt mit einem großen Gastgarten. Adlgaß ist Ausgangspunkt vieler Berg- und Almwanderungen, und so kehren wir in das etwa 700 Jahre alte Haus ein. Früher lebten hier die Knechte, heute kehrt ein, wer die bayerische Küche liebt. Auf der Wiese vorm Haus sitzt man am schönsten. Der riesige Ahornbaum spendet Schatten, wenn an warmen Sommertagen die Sonne fast senkrecht überm Forsthaus steht. Vor dem Haus breitet sich eine weite Lichtung aus, dahinter reckt sich das Staufenmassiv in den Himmel.

Im Winter wird auf der sanft abfallenden Wiese gerne gerodelt, im Sommer freuen sich die Kühe an den feinen Wildkräutern und Gräsern. Und der Mensch? Der lässt sich von Ursula Pastötter, Gertrud Maier und Christine Waldherr verwöhnen. Die drei Schwestern bewirtschaften das Forsthaus seit 15 Jahren, wie wir erfahren.

Im Haus selbst gibt es drei behagliche Gaststuben, alle mit Kachelöfen. In der kalten Jahreszeit knistern die Feuer und draußen tanzen Schneeflocken vor den Fenstern. Jetzt blühen in den Fensterkästen knallrote Geranien um die Wette und auch im Bauerngarten wächst und gedeiht es. So Allerhand davon landet übrigens auch auf dem Teller. Denn in der Adlgaß werden alle Speisen stets frisch zubereitet.

Frische Speisen aus der Region – ohne Mikrowelle

"Slow Food" & regionale Küche im Chiemgau

„Slow Food“ & regionale Küche

Da wartet man gerne mal ein paar Minuten länger aufs Essen. Mikrowellen gibt es hier nämlich nicht. Als Mitglied von „Slowfood“ hat sich das Wirtshaus stattdessen zur vollständigen Transparenz über Einkauf, Lieferanten und Herkunft aller Lebensmittel verpflichtet. Sämtliche Produkte kommen aus der Region. Das Angebot richtet sich nach den Jahreszeiten. Die kleine, feine Karte bietet die Wahl zwischen deftigen Mahlzeiten, fangfrischen Forellen oder Vollwertgerichten. Zu den Spezialitäten zählen Wildgerichte, mit Reh-, Rot- oder Gamswild aus heimischer Jagd, sowie hausgemachte Mehlspeisen.

Die Familie am Nachbartisch macht sich noch auf, die Holz-Orgel und das Baumtelefon zu besuchen. Nebenan gibt es nämlich einen Erlebnispfad. „Es riecht nach feuchtem Erdreich und Holz, dazu Vogelgezwitscher und Wasserplätschern“, erzählen die Kinder später. Auf dem rund dreieinhalb Kilometer langen, leicht ansteigenden, aber gut begehbaren Pfad gibt es 19 Erlebnisstationen, bei denen es ums Hören, Sehen, Riechen und Fühlen geht. Auch die Erwachsenen stapften mit nackten Füßen über den weichen Boden, spürten Kieselsteine, Baumrinde und Moos, wie sie grinsend erzählen. Auf dem Dendrofon, einer Holz-Orgel, kann man musikalische Töne erzeugen und beim Baumtelefon vernimmt man klar und deutlich die Spieluhr am anderen Ende eines langen Baumstammes. Wir werden uns diesen Bergwald-Erlebnispfad bei einer anderen Tour genauer ansehen, beschließen wir bei der Abfahrt nach Inzell.

Teisenberg-Runde im Chiemgau
Tipp

Auf der Teisenberg-Runde erwartet Sie eine abwechslungsreiche Bergumrundung und auf ca. 46 Kilometern eine Fluss- und eine Bergstrecke sowie viele lohnende Höhenmeter. Sie ist Bestandteil von 20 neuen und gut ausgeschilderten Themen-Radwegen im Chiemgau.

 


Datum: 17. August 2015 . Autor: Andrea Obele . Kategorie: Ausflugsziele . Genuss . Inzell . Radeln . Radfahren . Region . Regionale Spezialitäten
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