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Der Chiemsee fördert die Kreativität

Datum: 5. Februar 2016 . Autor: Judith Schmidhuber . Kategorie: Kultur . Made im Chiemgau . Obing-Pittenhart . Orte . Region . Tradition & Handwerk
Der Chiemsee fördert die Kreativität im Chiemgau
Judith Schmidhuber

Zugegeben, es sieht schon recht unförmig aus, was manchmal am Ufer des Chiemsees zu finden ist: Äste, Zweige, manchmal sogar kleinere Baumstämme oder Bretter. Man könnte fast meinen, da gehört einmal aufgeräumt. Tatsächlich reißen sich kreative Köpfe aber genau um dieses Material: Treibholz ist ein absoluter Dekotrend. In Vorgärten und Wohnzimmern sieht man immer öfter Gebasteltes aus Treibholz. Sammeln ist nicht das Problem. Vor allem nach Stürmen oder regnerischen Zeiten findet man die schönsten Treibhölzer am Ufer. Dann muss man sein Vorhaben nur noch in die Tat umsetzen. Das macht kaum jemand mit solch einer Leidenschaft wie Karo Dumpler.

Die Pittenharterin besuche ich deshalb in ihrer Treibholzwerkstatt in Hinzing bei Pittenhart. Einmal die Woche ist sie am Ufer des Chiemsees unterwegs, erzählt sie mir. Einfach bücken und aufheben – damit ist’s aber nicht getan. „Das Sammeln dauert schon seine Zeit, ich halte ja nach besonderen Stücken Ausschau. In der Regel fällt mir sofort ein, was ich daraus machen kann“, erzählt sie. Das stellt sie dann in ihrer Werkstatt her um es anschließend in ihrem Laden zu verkaufen: Lampen, Kränze, Gartenschmuck. Besonders gut gefallen mir die Bilderrahmen, in denen ein Foto von aneinandergereihten filigranen Ästen umrandet ist. Statt der Gartenkugel einen Metallpfosten mit Treibholz– der würde sich bestimmt auch in meinem Beet gut machen!

Aus Österreich in den Chiemsee

Karo Dumpler säubert das Treibholz vom Chiemsee im Chiemgau

Karo Dumpler säubert das Treibholz vom Chiemsee

Handwerkliches Geschick braucht es dazu allerdings. Das habe ich selber schon feststellen müssen – und es dann bleiben lassen. Karo Dumpler weiht mich in ihre Vorgehensweise ein: Zunächst einmal muss das Schwemmholz gesäubert und getrocknet werden. Zu stark mag sie es nicht bearbeiten. Den grauen Schleier, der durch das tage-, wochen- oder gar monatelange Treiben im Chiemsee entsteht, den möchte sie unbedingt erhalten. „Manchmal treibt Holz sogar mehrere Jahre im See, das weiß man nie so genau. Aber das macht es ja auch so besonders. Man weiß nicht, was das Holz schon alles gesehen hat.“ Naja, zumindest weiß man, wo es herkommt. Nämlich zum Großteil aus dem Ausland, genauer gesagt aus Österreich. Die Tiroler Achen spült als größter Zufluss des Chiemsees jede Menge Schwemmgut in unser „bayerisches Meer“. Das Holz stammt von unterspülten Sträuchern am Ufer, von in Stürmen geknickten Bäumen, von maroden Stegen oder anderen wassernahen Bauwerken. Flussgestein schmirgelt die Oberfläche glatt. Und das Wasser verpasst dem ganzen noch den gräulichen Schimmer. „Es hat schon was Verwunschenes an sich. Ich find’s einfach wunderschön“, schwärmt die Pittenharterin. Da kann ich ihr nur beipflichten.

Kreativität und Handwerkskunst ist gefragt

Mit teils schwerem Gerät werden die Unikate angefertigt im Chiemgau

Mit teils schwerem Gerät werden die Unikate angefertigt

Und dann kommen ihre Gerätschaften zum Einsatz. Ich gehe lieber mal in Deckung, als sie das hergerichtete Treibholz mit Schussapparat, Akkuschrauber oder Kleber zusammenfügt. Ein paar Mal kommt die Säge zum Einsatz. Bei vielen ihrer Stücke verwendet sie auch Metall. Nicht schlecht, was die Künstlerin alles kann! „Ich habe extra das Schweißen gelernt. Das hat am Anfang noch mein Mann übernommen. Aber dann ist es immer mehr geworden“, erzählt Karo Dumpler. Als gelernte Floristin bringt sie die nötige Portion Kreativität und einen Sinn fürs Schöne mit. Aber so vernarrt in Treibholz? Das hat sich mit der Zeit ergeben, sagt sie.

Mittlerweile werden ihr schon Auftragsarbeiten aufgetragen. Geschenke für Geburtstage, Jubiläen oder Hochzeiten nach Maß denkt sie sich aus Treibholz aus. Eine überdimensionale Lampe aus einem Wurzelstock war ihre bisher größte Auftragsarbeit.

Unikate vom Chiemsee zum Verschenken

Überdimensionaler Lampenschirm aus Treibholz im Chiemgau

Überdimensionaler Lampenschirm aus Treibholz

Mir fallen spontan ein paar Anlässe ein, Gebasteltes aus Schwemmholz zu verschenken. „Das sind alles Unikate, aber das geht ja auch gar nicht anders. Jeder Ast und jedes Brett sieht anders aus.“ Damit ihre Werke auch zusammenhalten, muss sie ständig tüfteln. Und das ist manchmal verzwickt. Denn beim Schrauben und Schleifen soll das Holz ja nicht im wahrsten Sinne des Wortes zu Bruch gehen. Das ist wohl auch der Grund, warum so viele Spaziergänger Treibholz zwar mit nach Hause nehmen, daraus aber nie etwas machen. Weil es nicht einfach ist. Karo Dumpler hat eine stattliche Ansammlung an Werkzeug, Drähten und anderen Hilfsmitteln – und genug Geduld, bemerkenswerte Unikate zu schaffen.

Ihre Werke bestaunen kann man in ihrer Werkstatt samt Laden, den sie auf dem Bauernhof ihrer Familie eingerichtet hat. Handgemachtes vom Chiemsee aus Pittenhart gibt es jeden Donnerstag zu bestaunen. Da öffnet Karo Dumpler ihren Laden in Hinzing 7 von 13 und 17 Uhr. Gerne kann man auch einen Termin außerhalb der Öffnungszeiten mit ihr vereinbaren. Sie ist unter Telefon 08624-875351 erreichbar.

Tipp

Die Fraueninsel im Chiemsee ist ein wahres Paradies für Kreative. In unserer Chiemgau G’schichte erzählt die Keramikerin Iris Stoff warum das Leben und Schaffen dort so schön ist.


Datum: 5. Februar 2016 . Autor: Judith Schmidhuber . Kategorie: Kultur . Made im Chiemgau . Obing-Pittenhart . Orte . Region . Tradition & Handwerk
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