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Gesichter der Gastfreundschaft: Christl Stefanutti

Datum: 24. Oktober 2017 . Autor: Chiemgau Tourismus . Kategorie: Gastgeber . Grabenstätt . Region
Chiemgau Tourismus

„Bei mir gibt es nichts Abgepacktes“

Christl Stefanuttis Tag beginnt meist im Garten. Sie erntet Borretsch, Petersilie und Schnittlauch für den Kräuterquark und Ringelblumen zum Dekorieren der Frühstücksplatten. An mehr als 300 Tagen im Jahr richtet die Grabenstätter Vermieterin das Buffet für ihre Hausgäste. Selbstgemachte Marmeladen und Aufstriche, Obst und Gemüse, Brot, Wurst und Milchprodukte – alles stammt aus eigener Herstellung oder aus der nahen Region. „Bei mir gibt es nichts Abgepacktes. Den Gästen wird das immer wichtiger. Sie suchen das Individuelle“, hat die 58-Jährige festgestellt. Bei schlechtem Wetter bäckt sie den Gästen auch mal einen Datschi – sozusagen als Entschädigung.

Die Eltern dürfen weiterschlafen, die Kinder gehen in den Stall

Borretsch aus dem Garten für den Kräuterquark

Wenn sie sich nicht gerade um ihre Gäste kümmert, arbeitet die gelernte Köchin gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen der Tourist-Info das Grabenstätter Kinder-Ferienprogramm aus oder kommt ihren Pflichten als Gemeinderätin, im Vorstand des Verkehrsvereins oder als Ortsbäuerin nach. „Es ist sinnvoll, sich zu engagieren“, sagt die dreifache Mutter. „Im Gemeinderat werden wichtige Entscheidungen für den Ort gefällt. Da ist es wichtig, die Sicht der Vermieter und der Bauern einzubringen.“ Zuletzt hat sie sich dafür eingesetzt, dass Grabenstätt einen Gästekontrolleur engagiert, also jemanden, der das Meldewesen der Gemeinde betreut. Allen Gremien gehört sie seit drei Wahlperioden an. Um ein solches Pensum zu bewältigen, ist Stefanutti auf den Rückhalt der Familie angewiesen: „Wenn mein Mann gegen das Vermieten wäre oder gegen meine Ehrenämter, dann ginge es nicht“, sagt die gebürtige Siegsdorferin. „Die ganze Familie muss dahinterstehen. Das fängt schon damit an, dass man sich am Telefon freundlich meldet.“ Denn ein verpatzter Erstkontakt, weiß die Bäuerin, lässt sich nur schwer wiedergutmachen.

Personalisierte Kissen in der Unterkunft

Während seine Frau Kaffee kocht und Kräuter hackt, kümmert sich Bauer Hans um die Kinder, die ihn schon am frühen Morgen im Stall besuchen. „Das ist unser besonderes Frühstücks-Zuckerl“, sagt Christl Stefanutti. „Die Eltern dürfen noch weiterschlafen, die Kinder füttern derweil die Kühe.“ Für die Kleinen ist der Stallgang so wichtig, dass sie sich sogar den Wecker stellen und manchmal schon um halb Sieben in Stallkleidung und Gummistiefeln parat stehen. Am Abend, berichtet sie, treiben die Kinder ihre Eltern frühzeitig vom See oder von Ausflügen zurück, damit sie den abendlichen Stallgang nicht verpassen. Für die Fleißigsten gibt es am Ende des Urlaubs ein „Stalldiplom“ mit Unterschrift des Bauern und ein kleines Geschenk. Dabei geht es den Stefanuttis nicht nur darum, die Kinder zu beschäftigen, sondern auch darum, ihnen die Bedeutung der Landwirtschaft nahezubringen.

Liebevolle Einträge in den Gästebüchern seit 1954

Grillen im Garten, Lagerfeuer und lange, gesellige Abende auf der Hausbank – die Stefanuttis verbringen viel Zeit mit ihren Gästen. Viele von ihnen bedanken sich im Gästebuch. In den liebevoll gestalteten Einträgen finden sich Zeichnungen, Fotos und sogar Gedichte. Das älteste Buch stammt aus dem Jahr 1954, als die Vermietung noch in der Hand der Schwiegermutter lag. Seit 1987 betreut Christl Stefanutti fünf Zimmer und eine Ferienwohnung; vorletztes Jahr wurden sie auf den neuesten Stand gebracht. „Die Gäste erwarten das. Die sehen ja schon, wenn man nur neue Handtücher hat.Mehr als die Hälfte der Gäste kommt jedes Jahr wieder, die anderen finden den Hof über das Buchungssystem IRS oder über Booking.com.

Dass immer mehr kleine Betriebe im Chiemgau die Zimmervermietung einstellen, findet die Gemeinderätin betrüblich: „Es sollte Anreize geben für Investitionen. Man sollte den Chiemgauern das Vermieten wieder schmackhaft machen. Dass man damit nichts verdienen kann, stimmt nicht. Der Gast bezahlt gerne einen angemessenen Preis für ein g‘scheites Zimmer.“ In einigen Jahren will die Grabenstätterin kürzertreten, auch mit den Ehrenämtern. Sie hat Glück – der Sohn übernimmt den Hof, die Schwiegertochter wird aller Voraussicht nach in ihre Fußstapfen treten. Christl Stefanutti freut sich jetzt schon auf Bergtouren und darauf, mehr Zeit mit ihrem Mann zu verbringen. „Das kommt ein bissl zu kurz“, gesteht sie.


Datum: 24. Oktober 2017 . Autor: Chiemgau Tourismus . Kategorie: Gastgeber . Grabenstätt . Region
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