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Gesichter der Gastfreundschaft: Marita Protte

Datum: 2. Februar 2018 . Autor: Chiemgau Tourismus . Kategorie: Gesichter der Gastfreundschaft . Region . Trostberg
Gesichter der Gastfreundschaft: Maria-Rita Protte, Rosengarten Trostberg
Chiemgau Tourismus

„Früher konnte ich mit Rosen nicht viel anfangen“

Die meisten „Aaaahs“ und „Oooohs“ gibt es in der Mitte des Gartens. Dort hat sich die Rose „Paul‘s Himalayan Musk“ vor acht Jahren einen alten Nussbaum einverleibt und ihn vollständig überwuchert. Alljährlich im Juni stehen die Gäste des Trostberger Rosengartens vor einer duftenden, nahezu zehn Meter hohen Kuppel aus Abertausenden von weißen Blüten. Ein paar Wochen lang ist der blühende Baum weithin zu sehen, wenn auch nicht bis Nord- oder Niederbayern. Dass mittlerweile Besuchergruppen aus diesen Regionen in den Rosengarten kommen, liegt somit nicht an der wüchsigen Kletterrose. Auch nicht an der Werbung, denn die Initiatorin Marita Protte betreibt keine Werbung.

Zusammenarbeit mit dem Europa-Rosarium

Zum einen, weil sie viel zu sehr – nämlich bis zu 20 ehrenamtliche Stunden pro Woche – mit der Pflege der Rosen beschäftigt ist. Dabei konnte sie nach ihrem Studium der Botanik „mit Rosen nicht viel anfangen“, wie sie gesteht: „Die waren mir zu grell, zu bunt.“ Einer historischen „Rosa centifolia major“ im eigenen Garten gelang es jedoch, das Interesse der gebürtigen Westfalin zu wecken. Viel Zeit verbrachte diese anschließend damit, durch die Region zu radeln, in Bauerngärten weitere historische Sorten zu suchen und zu dokumentieren. Ihre akribische Arbeit über drei Jahrzehnte hinweg ist der Grund, warum mittlerweile das Europa-Rosarium in Sangerhausen mit ihr zusammenarbeitet.

Zum anderen ist es ihr Ziel, den Gästen einen Rückzugsraum zu bieten, in dem sie „die alltägliche Hektik ausbremsen können“. Das Bild, das der Rosengarten an einem sonnigen Junitag bietet, bestätigt dies: Auf zahlreichen Stühlen sitzen Besucher alleine oder in Grüppchen, manche scheinen ganz versunken in die Betrachtung des Blütenmeers. „Wenn der Garten überrannt würde, wäre dieser Effekt nicht mehr da“, sagt die Botanikerin. Marketing für den Rosengarten wird es also auch weiterhin nicht geben.

Ganz ohne Gift und Kunstdünger

Auch „Gift und Kunstdünger“ gibt es Prottes Angaben zufolge nicht – ein Grund, warum der Garten 2012 den Bayerischen Diversitätspreis erhielt. Durch diesen Preis werden Gartenbauvereine und Ortsverbände des Bund Naturschutz aus ganz Bayern aufmerksam. Zwischen 500 und 1000 Gäste pro Jahr kommen so zu einer Führung durch den Rosengarten. Wie viele Enzelbesucher es tagtäglich sind, während Protte und ihre rund 20 Helferinnen ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen, lässt sich schwer sagen – es scheinen aber nicht wenige zu sein.

Sorgen um den Fortbestand

Als die Stadt Trostberg im Jahr 2001 das Grundstück in Schedling in einen Park verwandeln wollte, überzeugte Marita Protte mit ihrem Konzept für einen Rosengarten. Sie siedelte alle ihre Rosen aus dem eigenen Garten um und zog noch viele weitere aus Stecklingen. Über 300 Sorten sind es heute, die meisten davon blühen, wie fast alle historischen Rosen, nur einmal im Jahr. Kürzlich hat die Stadt das ehemalige Kloster inmitten des Gartens verkauft. „Die Trostberger haben um ihren Garten gebibbert, das konnte man an den Leserbriefen in der Zeitung erkennen“, berichtet die 59-Jährige, die als Sozialpädagogin im Klinikum Traunstein arbeitet. Der Rosengarten wird bleiben, er wird auch weiterhin Gästen von nah und fern ohne Eintritt zugänglich sein, und wenn es nach den Ideen seiner Initiatorin ginge, gäbe es vielleicht irgendwann auch ein kleines Café. „Die Leute fragen danach“, sagt Protte.

Tipp

Auch andere Chiemgauer Gastgeber haben ihre Erfahrungen geteilt. In unseren G’schichten über Gastfreundschaft können Sie mehr lesen.


Datum: 2. Februar 2018 . Autor: Chiemgau Tourismus . Kategorie: Gesichter der Gastfreundschaft . Region . Trostberg
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