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Wie der Chiemgauer ins Rollen kommt

Datum: 2. Dezember 2015 . Autor: Jennifer Auinger . Kategorie: Kultur . Made im Chiemgau . Orte . Region . Tradition & Handwerk . Traunstein
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Jennifer Auinger

Es ist ein Projekt, das vielerorts Aufsehen erregt: Der Chiemgauer – ein komplementäres Zahlungsmittel in den Landkreisen Traunstein und Rosenheim – mit vielen Vorteilen für Verbraucher und mittlerweile rund 600 teilnehmenden Betrieben. Wir treffen uns mit Christophe Levannier, der uns über die Regionalwährung aufklärt.

Chiemgauer als alternative Währung

Wir betreten das Büro von Elke Mathe und Christophe Levannier mitten im Herzen von Traunstein. Nach einer herzlichen Begrüßung und einem Schluck von unserem Cafe erzählt uns Christophe von dem Konzept: „Der Chiemgauer ist eine Regionalwährung in den Landkreisen Traunstein und Rosenheim. Das Zahlungsmittel hat viele Vorteile, sowohl für Verbraucher, als auch für Anbieter.“  Alternativ zu den Scheinen ist die Regiocard die bargeldlose Variante.

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Christophe Levannier informiert uns über die Chiemgauer Regionalwährung

Verbraucher fördert Vereine

„Wenn du als Verbraucher beim Chiemgauer mitmachst bekommst du keine Rabatte. Im Gegenteil, du förderst damit einen Verein deiner Wahl mit 3% deines Einkaufs.“, erklärt uns Christophe Levannier.

Der große Vorteil ist, dass der Verbraucher selbst keinen Cent extra zahlt und sich eines von über  250 regionalen Förderprojekten aussuchen kann.

Verwendung des Chiemgauers

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Das alternative Zahlungsmittel: der Chiemgauer

Ähnlich ist es bei den Chiemgauer-Scheinen. In den insgesamt fast 40 Ausgabestellen wird der Euro in Chiemgauer gewechselt, die mindestens zwei Monate gültig sind. Das Regionalgeld soll also so bald wie möglich ausgegeben werden. Den Zeitpunkt und die Höhe des Betrages kann man selbst bestimmen. Was aber soll man mit abgelaufenen Chiemgauern machen? Christophe Levannier informiert uns: „Einfach zu einer Ausgabestelle gehen und mit einer neuer Klebemarke verlängern. In der Praxis wird der Chiemgauer-Schein einfach durch einen gültigen Schein umgetauscht. Ein Beispiel: Bei 20 alt gewordenen Chiemgauern wird der Schein mit 40 Cent verlängert – oder allgemein zwei Prozent vom aufgedruckten Wert. Das passiert jedoch nicht oft, im Durchschnitt zahlt man jedes Jahr nur einen Euro dafür.“.

Gemeinsam sind wir stark

Der kleine finanzielle Nachteil wandelt sich in einen großen Vorteil für die Gesellschaft um: Ist der Umlauf hoch, so führt das zu stabilen und krisenunabhängigen Einnahmen. Zudem setzt der Chiemgauer eine Kette von regionalen Umsätzen in Gang. Mit der Regionalwährung verändert sich das Kaufverhalten. Nicht die Maximierung von Gütern steht im Vordergrund, sondern die Verbundenheit„Die Gemeinschaft macht’s aus. Die Verbraucher motivieren sich gegenseitig und es entsteht ein Wir-Gefühl.“, bestärkt Christophe Levannier das Konzept der Regionalwährung in Deutschland.

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Rund 600 Betriebe akzeptieren den Chiemgauer

Regionalwährung als Marketinginstrument

Für die Betriebe ist der Chiemgauer ein wichtiges Marketinginstrument zur Bindung und Neugewinnung von Kunden. Unternehmer können mit der Regionalwährung genau kalkulieren: Wenn alles zurückgetauscht wird, fallen maximal 5% an. Nicht aber, wenn die Unternehmer die Chiemgauer weiter einsetzen, was im Durchschnitt zu 75% gelingt. Christophe Levannier erklärt uns das mit einem Beispiel: „Die Unternehmer zahlen für 100 Euro Chiemgauer-Umsatz durchschnittlich zwei Euro inklusive Kostenbestandteile wie Regionalbeitrag (1,25 Euro, davon 75 Cent für Vereine), Jahrespauschale (65 Cent) und Umlaufimpuls (10 Cent).“. Weitere Vorteile sind, dass der Betrieb sowohl im Chiemgauer-Verzeichnis, in der Broschüre und auf der Website angezeigt wird.

Regionalität im Mittelpunkt

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Das Chiemgauer-Netzwerk wächst stetig

Ziel ist es, die regionale Wirtschaft zu stärken – egal ob im privaten oder betrieblichen Bereich. Mit dem Chiemgauer können Unternehmer Büromaterialien, Handwerker oder andere Dienstleistungen zahlen.

Viele Firmenchefs zahlen freiwillige Leistungen wie Weihnachtsgeld oder Prämien mit Chiemgauern. Das höchste Ziel ist, die gesamten Chiemgauer-Einnahmen wieder auszugeben – das gelingt auch einigen gut vernetzten Unternehmern.

600 Anbieter akzeptieren Regionalwährung

Seit der Einführung des Chiemgauers 2002 hat sich das Netzwerk enorm entwickelt. „Wir haben mittlerweile schon über 600 Betriebe in den Landkreisen Traunstein und Rosenheim, die mitmachen.“, freut sich Christophe Levannier. Die Zahlen bestätigen, dass jedes Jahr mehr Regionalgeld im Umlauf ist. „Die Geschäfte haben 8 Millionen Umsatz mit dem Chiemgauer gemacht. Das ist zwar für die beiden Landkreise nicht enorm viel, aber es wirkt. Die Menschen beschäftigen sich damit.“, hofft Levannier auf ein weiteres starkes Wachstum.

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Chiemgauer statt Euro

Grundidee stammt aus den 30ern

Die Idee einer Regionalwährung ist aber nicht neu. Seit Lehrer Christian Gelleri und eine Handvoll Kinder an der Waldorfschule Chiemgau die neue Währung erfunden haben, hat sie sich Jahr für Jahr verbreitet. Und sie gewinnt immer mehr Mitwirkende. Christophe Levannier gibt ein Beispiel aus früherer Zeit.

„Mitte der 30er Jahre war die Wirtschaft in Österreich nach dem Krieg miserabel. Die Idee mit dem Freigeld entstand in Wörgl. Das Geld musste immer wieder aufgewertet werden, jeder wollte das Geld so schnell wie möglich anbringen. Diese Regionalwährung floss 25 oder 30 mal schneller als der Schilling. Innerhalb eines Jahres sank die Arbeitslosigkeit auf 25 Prozent. Die Wirtschaft wurde ordentlich angekurbelt, bis die Wiener Notenbank das Projekt stoppte. Wäre interessant, wenn wir wüssten wie es weitergegangen wäre.“, sagt Christophe Levannier nachdenklich.

Chiemgauer- Netzwerk soll wachsen

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Christophe Levannier ist Vereinsvorstand

Zum Abschluss präsentiert uns Christophe Levannier noch den Inhalt seiner Geldtasche: „Ich habe natürlich immer neben den Euros auch Chiemgauer dabei.“, ist er überzeugt von „seinem“ Projekt. Als Vereinsvorstand investiert er viele Stunden seiner Freizeit. Ehrenamtlich und mit sehr viel Leidenschaft. Hinter ihm steht nicht nur sein Team, sondern auch seine Familie. „Meine Tochter bekommt ihr Taschengeld natürlich in Form von Chiemgauern.“, grinst Christophe Levannier, der positiv in die Zukunft blickt: „Mein größter Wunsch ist, dass sich immer mehr Menschen mit der Idee beschäftigen und somit das Chiemgauer-Netzwerk weiterhin wächst.“

Forsthaus Adlgaß im Chiemgau
Tipp

Einlösen können Sie die Chiemgauer zum Beispiel im Forsthaus Adlgaß in Inzell. Das Gasthaus ist nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel für Naturliebhaber, auch die regionale Küche lockt die Besucher nach Adlgaß.


Datum: 2. Dezember 2015 . Autor: Jennifer Auinger . Kategorie: Kultur . Made im Chiemgau . Orte . Region . Tradition & Handwerk . Traunstein
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2 Kommentare
  1. Helga Krahmer sagt:

    Ich wohne in der Nähe von Landshut. Vor 3 Jahren bin ich von Oberbayern nach Niederbayern gezogen. Aufgewachsen bin ich in Ottobrunn und mich faszieniert und ich verfolge nun schon seit Jahren ihrnZahlungsmittel den „CHIEMGAUER“. Ist ee möglich, ihren „CHIEMGAUER“ hier auch in unserer Region zu übernehmen?

  2. Friedrich Schäfer sagt:

    Ich wohne in Vaterstetten, Kreis Ebersberg. In unserem Gesprächskreis fragen wir uns, ob das Regiogeld zumindest kurzfristig auch an die Stelle des Euros treten kann, wenn dieser zusammenbrechen sollte.
    Dazu müsste ein Regiogeld natürlich erst einmal in der Region eingeführt sein.
    Ich nehme an, dass je mehr Betriebe und Verbraucher sich schon möglichst bald daran beteiligen, desto besser. Entsprechend braucht es einen Vorlauf.
    Inwieweit eine Bürgerkarte http://www.bvv-ebersberg.de/index.html das leisten kann …?

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