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Mit Thomas Bernhard in Traunstein

Datum: 8. September 2014 . Autor: Klaus Bovers . Kategorie: Kultur . Made im Chiemgau . Orte . Region . Tradition & Handwerk . Traunstein . Veranstaltungen
Klaus Bovers

Ein Literaturspaziergang von Thomas Bernhard in der Hauptstadt des Chiemgaus

Willi Schwenkmeier ließt eine interessante Geschichte aus dem Buch vor

Mit Willi Schwenkmeier gibt es spannende Literaturgeschichten von Thomas Bernhard

Solche Lehrer wie den Willi Schwenkmeier hätte der junge Thomas Bernhard sicher auch gerne gehabt. Aber als er – unehelich, schüchtern und von allen als „Esterreicher“ gehänselt – in Traunstein zur Schule ging, war das zu einer Zeit, in der nicht nur die Lehrer ganz anders waren. Im Jahr 1938 und danach war das und – ja, es geht hier um den weltberühmten Schriftsteller und Theater-Autor Thomas Bernhard.

Ich hatte gehört, dass der Buchautor und Realschullehrer Schwenkmeier nicht nur unglaublich viel über ihn weiß, sondern auch gerne mit Neugierigen auf den Spuren von Thomas Bernhard durch Traunstein spaziert. Neugierig bin ich von Haus aus und nach Anmeldung über die Stadtbücherei war der Sommer-Nachmittag voll und ganz für Traunstein und Thomas Bernhard reserviert.

Der Gedanke mit dem Wunschlehrer für den kleinen Thomas kam schon in den ersten Minuten – lässig, freundlich, mit viel Witz und verschmitzt kompetent, solche Lehrer wie Willi Schwenkmeier hätte ich mir selber gerne gewünscht.

„Wie viel Dynamit wohl nötig wäre, um ihn in die Luft zu jagen“

Treffpunkt der Bernhard Fans ist der Park vor der Stadtbücherei. Die kleine Gruppe, in der Mehrzahl interessierte Damen, macht sich von dort aus für rund drei Stunden auf den Weg. Ziele sind unter anderem die Schule, das Wohnhaus an der Ecke Schaumburger Straße und Taubenmarkt, die Thomas-Bernhard-Stiege hinunter Richtung Traun und schließlich der Eisenbahnviadukt. Über den hat nämlich der Großvater mit seinem Enkel Thomas spekuliert, wie viel Dynamit wohl nötig wäre, um ihn in die Luft zu jagen. Sein geliebter Opa, übrigens auch Schriftsteller, wenn auch erfolglos, gab damals gerne den Bürgerschreck. Und genau zu ihm nach Ettendorf flüchtete sich der Junge immer dann, wenn Schule, Elternhaus und überhaupt alles ihn mal wieder Kummer bereiteten.

Spannend, unterhaltsam und überhaupt nicht elitär

Diese und viele andere Geschichten weiß Willi Schwenkmeier zu erzählen. Spannend, unterhaltsam und überhaupt nicht elitär. In seiner Begleitung den Kenner zu mimen bringt deshalb gar nichts, lieber einfach zuhören, die Fragen ergeben sich ganz von alleine. Zum Beispiel wie ernst die Zitate in Bernhards Erzählung „Ein Kind“ gemeint sind, die dort über Traunstein zu lesen sind. Denn die haben es in sich! Lange Zeit haben deshalb die Traunsteiner Thomas Bernhard überhaupt nicht gemocht, da waren sie mit den Wienern und Salzburgern quasi einer Meinung. Sich der Gesellschaft anzubiedern war einem Thomas Bernhard nun mal nicht gegeben, seinen über 60 Werken hat das gut getan und Preise (Grimme-Preis, Büchner-Preis) gab es trotzdem reichlich.

Das Bernhard-Haus soll angeblich abgerissen werden, aber die Gedenktafel bleibt, soviel ist sicher!

Das Anbiedern ist auch Willi Schwenkmeiers Sache nicht, deshalb kommen während des Spaziergangs auch die kritischen Seiten des Literaturgenies Thomas Bernhard zur Sprache. Die Traunsteiner haben heute ein entspanntes, vielleicht sogar leicht stolzes Verhältnis zu ihrem weltberühmten „Kind der Stadt“. „I hab ihn noch kennt, mei, war des a liaber Kerl!“ sagte die Hilger-Bäckerin zur Schwenkmeier-Gruppe, wenn diese früher am Bernhard-Wohnhaus gegenüber stehen blieb. Die Hilgerin gibt es nicht mehr, das Bernhard-Haus soll angeblich abgerissen werden, aber die Gedenktafel bleibt, soviel ist sicher!

Tipp

Und wer jetzt genau wissen will, was denn Thomas Bernhard so schlimmes über die Traunsteiner geschrieben hat, der muss schon selber nachlesen. Die Erzählung „Ein Kind“ gibt es auch als Taschenbuch und in einer großartigen Hörbuchfassung.


Datum: 8. September 2014 . Autor: Klaus Bovers . Kategorie: Kultur . Made im Chiemgau . Orte . Region . Tradition & Handwerk . Traunstein . Veranstaltungen
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2 Kommentare
  1. Sehr schöner Bericht über einen empfehlenswerten Spaziergang.
    Wer einmal dabei war weiß, dass man nicht nur wunderschöne Flecken in der Stadt kennenlernt, sondern auch jede Menge über Geschichte, Literatur und Kultur Traunsteins erfährt!

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