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Radtour Bauernhofsafari: Besuch beim imposanten Vogel Strauß

Andrea Obele

Rieseneier, die Neigung, ihren Kopf in den Sand zu stecken und ein teils zur Aggressivität neigendes Verhalten – das ist alles, was ich bisher über den Vogel Strauß wusste. Das einzige, was sich davon bei meiner Radl-Safari zum Chiemgauer Straußenhof in Allerding/Schnaitsee in Bayern als wahrheitsgemäß heraus stellte, war die extreme Größe der Straußen-Eier, die tatsächlich jeweils über eineinhalb Kilo wiegen.

Junge Strausse auf dem Straussenhof im Chiemgau

Junge Strauße auf dem Straußenhof im Chiemgau

Langsam und mit etwas Vorsicht nähere ich mich dem knapp 2,80 Meter hohen und etwa 150 Kilo schweren Zucht-Hahn, der mit seinen beiden Damen zwar hinter Gittern auf sein Futter (Soja und Gras aus eigenem Anbau) wartet, aber trotzdem irgendwie so wirkt, als ob er sich ganz gut gegen mich wehren könnte – wenn er denn wollte. Mit großen, dick umwimperten Augen und seinem roten Schnabel blickt er auf mich herab. Fast ein bisschen überheblich, wie ich finde. Recht dazu hat er ja, denn er ist einer der beiden Zuchthähne des Chiemgauer Straußenhofes, der direkt an der neu ausgeschilderten Radtour „Bauernhofsafari“ liegt. Der Strauß hat im Gegensatz zu mir (die Bauernhofsafari ist knapp 50 Kilometer lang) den ganzen Tag nicht viel zu tun – außer seine beiden Gattinnen zu beglücken, ab und zu so tief und lautstark wie ein Löwe zu brüllen und aufzupassen, dass die Damen jeden Tag pünktlich um halb fünf ihr Ei in den extra dafür aufgeschütteten Sand legen.

So ein Ei hat Marcus Scherr, der Junior-Chef auf dem Allerdinger Hof, jetzt in der Hand. Daneben ein Hühnerei auch aus eigenem Stall, das er zwischen Daumen und Zeigefinger halten kann. Das Straußenei hingegen liegt auf seiner Handfläche – und füllt diese komplett aus. Der Unterschied ist enorm: „So ein Straußenei ist mehr als eineinhalb Kilo schwer“, erzählt der 34-Jährige, als ich erstaunt nachfrage. Für Spiegeleier sei das schon fast zu groß, für Rühreier aber null Problem, erfahre ich weiter.

Aufzucht der Strauße das Schwierigste der Haltung

Der majestätische Zuchthahn des Allinger Strassenhofs

Der majestätische Zuchthahn des Allerdinger Straußenhofs

Wenn es nicht ums Braten, sondern ums Ausbrüten des Nachwuchses geht, wie in der freien Wildbahn üblich, muss sich der Vogel Strauß auf dem Chiemgauer Straußenhof übrigens auch keine Sorgen machen. Das übernimmt Marcus Scherr, nicht persönlich selbstverständlich, sondern im Brutautomaten, der mindestens 36,5 Grad haben muss. „Überhaupt ist die Aufzucht von Straußen das Schwierigste an der ganzen Haltung“, plaudert der Landwirt aus dem Nähkästchen. Gut ein halbes Jahr dauert es, bis die Urviecher über den Berg sind. Die Babystube befindet sich deshalb in einem extra mit Fußbodenheizung ausgestatteten Gartenhäuschen. Denn Frost, Zug, Wind und Feuchtigkeit dürfen die kleinen Laufvögel im ersten halben Lebensjahr überhaupt nicht erwischen.

Ansonsten ist der Aufwand ähnlich wie bei der Rinderhaltung, erzählt Scherr, der die Strauße aus durchaus pragmatischen Gründen hält: „Meine Eltern hatten früher am Hof immer Rinder und ich wollte die Landwirtschaft wieder beleben.“ Eine Selbstvermarktung sollte es sein und ein Produkt, das im Chiemgau noch neu ist. So fiel die Wahl auf den Strauß. Am Faschingsdienstag 2012 begann die eigene Zucht mit einem Trio Strauße aus Donauries. Scherr, der auf seinem über einen Hektar großen, massiv eingezäunten Freilauf inzwischen mehr als 100 Strauße hält, hat diese Entscheidung bisher nicht bereut.

70 km/h schnell und ein Hirn wie eine Walnuß

Ich kann es verstehen, denn es ist fast schon meditativ, den großen Vögeln zuzusehen, die bei Ruhe ganz bedächtig einen Schritt vor den anderen setzen und hier und da mal etwas aufpicken. Bei Gefahr können die Laufvögel, die bis zu drei Kilometer weit sehen und eine Schrittlänge von 3,20 Meter auf den Boden bringen, allerdings bis zu 70 km/h schnell werden. Noch einen Superlativ bedienen die riesigen Vögel, aber einen nicht ganz so Positiven: Das Hirn ist nur so groß wie eine Walnuss.

Dafür hat so ein Vogel Strauss viel Fleisch auf den Rippen, das richtig gut mundet: „Das Fleisch der Strauße ist kurzfaserig, dunkelrot und schmeckt gut. Es zeichnet sich durch seine Zartheit aus und dadurch, dass es sehr fettarm ist“, schwärmt der Züchter, der die Produkte seiner Straußen auf dem Wochenmarkt in Traunstein (freitags) und im hofeigenen Selbstbedienungsladen verkauft. Neben vakuumverpackten Fleisch und Straußenwurst kann man sich hier an Hühnereiern oder Nudeln selbst bedienen. Als Souvenir gibt es auch die Schalen der riesigen Eier zu erstehen. Besuch vorbeikommender Radfahrer ist am Chiemgauer Straußenhof also erwünscht, gerne gibt die Familie Scherr Auskunft über ihre Urvögel.

Die Jungherde Strauße: das Highlight auf der Radtour Bauerhofsafari in Bayern

Die Jungherde Strauße: ein Highlight auf der Radtour im Chiemgau

Die Riesenvögel kommen auf Pfiff und tanzen

Apropos „Produkt“: Wie schwer fällt es denn, nach über zwei Jahren Aufzucht die schlachtreifen Strauße zu töten? „Eine schöne Arbeit ist es natürlich nicht“, so der Landwirt. Etwas leichter macht es ihm, dass man zu den Wildvögeln, die noch aus der Steinzeit stammen und sich seither nicht verändert haben, nicht wirklich eine Beziehung aufbauen kann: „Meine Vögel kommen zwar auf Pfiff, aber eine Beziehung wie zu einem Hund oder Pferd ist das nicht.“ Angst hat er trotzdem nicht wirklich vor seinen Straußen, die weder den Kopf in den Sand stecken noch ständig aggressiv sind. „Ich behandele die Strauße trotzdem immer mit gewissem Respekt, sie können nämlich schon gefährlich werden, besonders, wenn sie geschlechtsreif sind“, so Scherr.

Ich persönlich muss das nicht am eigenen Leib ausprobieren und bleibe brav auf der anderen Seite des Zaunes, als der 34-Jährige zu den Jungvögeln ins Gehege steigt. Was das Amüsanteste an den Straußen ist, frage ich den Züchter. „Morgens nach dem Aufstehen und auch manchmal, wenn ich zu ihnen ins Gehege gehe, stellen sie die Flügel auf und tanzen. Das schaut aus wie ein Indianertanz und ist wirklich lustig“, schmunzelt Marcus Scherr. Und so kommt’s, dass ich den Landwirt ganz kurz mit den Straußen tanzen sehe. So kurz, dass ich zu langsam war, das richtig gut auf meine Fotos zu bannen. Aber wer weiß, vielleicht haben Sie die Gelegenheit, Scherr und seinen Straußen einmal persönlich dabei zuzusehen.

Tipp

Weitere Highlights der Radtour Bauernhofsafari durch Bayern sind das Bauernhofmuseum Kienberg, der Erlebnisbauernhof Seimlhof , das Schloss Amerang, das Automobil– und das Bauernhofmuseum in Amerang.

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