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Hochfelln: Ein geschichtsträchtiger Berg im Chiemgau

Datum: 11. August 2014 . Autor: Cornelia Schierl . Kategorie: Almen . Ausflugsziele . Bergen . Genuss . Orte . Region . Wandern
Portrait-Franz-Josef
Cornelia Schierl

Er ist ein wandelndes Geschichtsbuch, liebt seine Heimat und hat einen berühmten Namensvetter: Franz Joseph Strauss aus Öd in der Gemeinde Bergen. Er lebt am Fuße des Hochfelln und weiß so ziemlich alles, was sich dort in den letzten beiden Jahrhunderten zugetragen hat. Wir treffen uns auf 1.674 m Höhe zu einem gemeinsamen Blick über den Chiemgau und darüber hinaus. Dabei kommen so manch interessante und lustige Erinnerungen in ihm hoch, an denen er uns teilhaben lässt.

So kam der Prophet zum Berg

Tabor-Kapelle

Die Tabor Kapelle am Hochfelln

Wir stehen unter dem Vordach der Tabor Kapelle, am höchsten Punkt des Hochfelln und blicken in die Landschaft hinaus. Man sieht den Watzmann, das Steinerne Meer, die Leoganger und Loferer Steinberge, die Zillertaler Alpen, die Kitzbüheler Alpen und über den Chiemsee bis nach München. Zum Hochfelln und vor allem zur Tabor Kapelle hat Franz Joseph Strauss eine ganz besondere Bindung. Ca. 50 mal im Jahr begibt sich der 77-Jährige hinauf auf den Gipfel, zu Fuß oder mit der Gondel.

„1970, als die Kapelle aufgrund eines Blitzschlages abbrannte, erhielt ich vom damaligen Kirchenpfleger den Auftrag, mich um die Finanzierung des Wiederaufbaues zu kümmern. Seither habe ich die Kapelle übernommen und pflege sie bis heute.“, erzählt Franz Joseph.

Er kümmert sich um die Kirche, die Kirchenglocke, ist Mesner bei Gottesdiensten und Trauungen und schlüpft auch gerne mal in die Rolle des Fremdenführers. „Aber manchmal muss ich dann einfach gehen, sonst komme ich vor lauter Erzählungen gar nicht mehr nach Hause.“, erklärt mir Franz Joseph mit lächelnden Augen. Ins Tal zurück geht er immer zu Fuß, denn die Einkehr in den 4 Almen entlang der Strecke lässt er sich nicht nehmen.

Vom Gipfelkreuz und der Gipfelhütte

Gipfelkreuz-Hochfelln

Das prunkvolle Gipfelkreuz wurde in der Max Hütte produziert

Das prunkvolle Gipfelkreuz am Hochfelln war der Ursprung der Erschließung von Bayerns schönstem Aussichtsberg. „Pfarrer Otto von Mayer ließ es von den Arbeitern der Max Hütte gießen und zu Ehren von König Ludwig I. aufstellen. 35 Zentner (1.750 kg) wiegt das Kreuz, das 1886 in einzelnen Teilen mit Roßfuhrwerken bis nach Bründling gefahren und dann auf den Gipfel getragen wurde. Fünf Stunden geht man von Traunstein auf den Hochfelln. Zu diesem Anlass fanden sich auch die sogenannten „Privatiers“ aus Traunstein und Umgebung ein. Der Aufstieg der „feinen Leute“ hat sich gelohnt. Sie waren begeistert von der Aussicht und beschlossen daher neben dem Kreuz auch eine Hütte zu errichten.“, erzählt Franz Joseph Strauss. „Interessant ist, dass schon damals die Kosten für so ein Projekt höher als geplant ausfielen. Ursprünglich sollten für die Finanzierung 9.000 RM aufgebracht werden, doch letztendlich kostete alles zusammen 65.000 RM.“, schmunzelt der Bayer.

1889 wurde dann der Grundstein für das Wirtshaus und die Kapelle gelegt und 1890 erfolgte die Einweihung. „Nächstes Jahr haben wir das 125-jährige Jubiläum und feiern am 6. August ein großes Patroziniumsfest, da dürfen wir sicherlich auch einen Bischof bei uns begrüßen.“, freut er sich.

Geschichtsträchtige Bilder in der Tabor Kapelle

Dass die Kapelle am Hochfelln ursprünglich ein anderes Erscheinungsbild hatte, zeigt das von Franz Joseph liebevoll angefertigte Modell, das in der Kirche ausgestellt ist. Einzig die Seitenwände sind noch aus dem Jahr 1889, denn als am 3.2. 1970 bei einem Wintergewitter der Blitz einschlug, brannte alles nieder. „Nur das Altarbild ist von dem Brand verschont geblieben. Wie durch ein Wunder hat es den Brand überstanden und hängt jetzt wieder an seinem Platz. Am Bild selbst wurde nichts präpariert.“

Die Tabor Kapelle von innen

Die Tabor Kapelle von innen

Die Wände der Kapelle werden von einem weiteren Gemälde geschmückt, dem Marienbild, zu dem es ebenfalls eine faszinierende Geschichte gibt: „Man muss sich vorstellen, zu Zeiten des dritten Reiches war der Hochfelln gesperrt, weil hier die Flugwachtstation angesiedelt war. Niemand durfte herauf und alles bewegliche oder wertvolle wurde auf den Speichern eingesperrt. So auch hier am Hochfellnhaus. Bis zum letzten Tag war die SS hier oben. Dann kamen die Amerikaner. Die sind natürlich auf den Speicher raufgegangen und haben alles untersucht. Als einer der Soldaten die Tür öffnete, bewegte sich das Bild durch den Luftzug und der Soldat schoss sofort los, weil er dachte es hätte sich jemand dahinter versteckt. So kamen die Einschusslöcher ins Marienbild.“, sagt Franz Joseph.

Die Einschusslöcher im Marienbild

Die Einschusslöcher im Marienbild

Woher hat die Tabor Kirche ihren Namen?

„Der Pfarrer Otto von Mayer war seiner Zeit auf dem Berg Tabor in Israel und hat von dort eine handvoll Erde mitgebracht. Als der Grundstein für die Kapelle am Hochfelln gelegt wurde, hat er diese Erde hier mit verstreut.“, wird mir erklärt.

1996 pilgerte Franz-Joseph Strauss ebenfalls ins Heilige Land und nahm einen Stein vom Berg Tabor mit in seine Heimat. Diesen betonierte er in die Außenwand der Kapelle und beschriftete ihn. „Wenn die Besucher den Stein sehen, streichen sie immer mit der Hand darüber, weil er aus dem Heiligen Land ist.“, erzählt er stolz.

Stein-vom-Berg-Tabor

Den Stein vom Berg Tabor brachte Franz Josef Strauss persönlich auf den Hochfelln

Zum Gedenken an die Initiatoren, Wirtsleute und Verunglückte

Gedenktafeln

Die Gedenktafeln hat Franz Josef selbst entworfen

Neben dem Eingang der Tabor Kapelle befindet sich eine kleine „Schatzkammer“ mit Informationen. Diese hat Franz Joseph Strauss angefertigt und in die Mauer integriert. Stolz präsentiert er die von ihm initiierte Gedenktafeln. Darauf verewigt sind alle Initiatoren, die am Bau des Wirtshauses, der Kapelle und an der Errichtung des Gipfelkreuzes beteiligt waren sowie alle Verunglückten. Informationen dazu lieferten ihm die Totenbücher der einzelnen Gemeinden. Was ich besonders faszinierend und beinahe unglaublich fand ist, dass er zu jedem Namen auch eine Geschichte erzählen kann.

Einen Teil seines Wissens sowie die schönsten Erinnerungsbilder rund um die Geschichte des Gipfellebens am Hochfelln hat Franz Joseph Strauss gemeinsam mit seiner Tochter Erika in einem Fotobuch verewigt. Aber das Geschriebene kann nur annähernd meiner Zeitreise mit dem Original das Wasser reichen. Ich könnte stundenlang seinen Geschichten lauschen.

Vielleicht haben auch Sie das Glück und sind gerade an einem der gut 50 Tage im Jahr am Hochfelln, an denen auch Franz Joseph Strauss am Gipfel anzutreffen ist und sich um seine Kapelle kümmert.

Tipp

Kehren Sie bei Ihrem Besuch am Hochfelln im Hochfellnhaus ein und probieren Sie das leckere selbst gebackene Bauernbrot mit Käse.


Datum: 11. August 2014 . Autor: Cornelia Schierl . Kategorie: Almen . Ausflugsziele . Bergen . Genuss . Orte . Region . Wandern
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3 Kommentare
  1. Andrea sagt:

    Ich war auch schon mal mit Franz Joseph Strauss am Hochfelln unterwegs, ein sehr sympathischer und unkomplizierter Mann. Grüße aus Traunstein, Andrea

  2. Andrea sagt:

    Ja, es ist wirklich wie Cornelia geschrieben hat: man könnte einfach stundenlang zuhören und die Aussicht auf die umliegenden Gipfel und den Chiemsee genießen 🙂