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Familienfreundliche Wanderung zum Taubensee: Kraxeln und Baden

Der Taubensee in seiner ganzen Pracht.
Andrea Obele

Die Wanderung zum Taubensee  – dem Auge des Chiemgaus, wie der tiefblaue See gern etwas poetisch genannt wird – ist eines der Highlights in den Chiemgauer Bergen. Schließlich kann nicht jeder von sich behaupten, schon mal in einem echten und richtig idyllischen Bergsee auf 1140 Meter Höhe geschwommen zu sein. Und zwar mit Genuss, denn im Sommer hat der See schon mal angenehme 24 Grad.

Das wollen wir natürlich auch einmal erleben, und so fahren wir über Schleching zum Ausgangspunkt, dem (kostenpflichtigen) Wanderparkplatz in der Nähe des Berggasthofes Streichen. Auf dem Weg hierher habe ich schon die in Alleinlage stehende Wallfahrtskirche St. Servatius auf dem Streichen gesehen,  die das bedeutendste Kunstdenkmal im Achental sein dürfte.

„Irgendwo zwischen Himmel und Erde“: Die Streichenkapelle

Vorbei an blühenden Almwiesen und neugierigen Kühen

Vorbei an blühenden Almwiesen und neugierigen Kühen

Wer kulturell interessiert ist, muss auch keinen weiten Abstecher vom Wanderweg machen, um die „Streichenkapelle“ zu besichtigen, über die der Wanderführer Marco Polo schreibt: „Sie verzaubert mit mehreren wertvollen Altären und kostbaren Wandmalereien aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Gewissermaßen kongenial ist die Lage der Kapelle: Irgendwo zwischen Himmel und Erde, einsam und scheinbar weit weg von allen menschlichen Kleinkrämereien.“ Gleich daneben liegt der Berggasthof Streichen, der jetzt schon zu einer Einkehr lockt.

In uns steckt aber die Wanderslust, und so geht es zwar Richtung Kapelle los, dann aber vorher links auf einen Trampelpfad über Almweiden Richtung Peterer-Alm bergauf. Die Stille der Bergwelt umfängt uns und ich bin froh, dass ich mir angewöhnt habe, auf Wanderungen immer mal wieder einen Blick zurück zu werfen, denn so kann ich Blicke auf die Gipfel von Geigelstein, Kampenwand und den Hochgern erhaschen.

Kinderparadies auf der Chiemhauser Alm

Rechts an der Petereralm vorbei führt der Weg weiter bis zu einer Kreuzung. Einer Forststraße folgend, die mitten durch eine Weide mit neugierigen Kühen führt, geht es weiter zur Donauer Alm. Steiler führt die Straße hier bergan und nach einer langgezogenen Rechtskurve sehen wir einen Wegweiser zur urigen Chiemhauser Alm. Hier finden Familien ein wahres Kinderparadies: frische Milch und ein wahrer „Alpen-Zoo“ mit Hühnern, Ziegen und Kühen laden zu einem kurzen, unterhaltsamen Abstecher ein.

Zum Taubensee: Kraxeln am Kroatensteig

Wir haben uns allmählich warm gewandert und biegen ein Stück nach dem Abzweig zur Chiemhauser Alm rechts von der Straße ab in den „Kroatensteig“. Der Name geht auf kroatische Soldaten zurück, die im österreichischen Erbfolgekrieg über diesen Saumpfad ins Land eingerückt sind.

Wir rücken auch vor: über Steine, Felsblöcke und Wurzeln führt der Steig, der bei Nässe glitschig und wirklich unschön zu begehen ist, durch lichten Bergwald steil nach oben. Sogar ein paar Drahtseile helfen weniger Trittsicheren an heiklen Stellen bergauf, für Kinder ist hier Kraxeln angesagt und eine Heidengaudi! Weiter zieht sich der Steig bergauf, doch schon bald erreichen wir einen Bergkamm. Ich freue mich, denn das Ziel ist fast erreicht! Es geht über einen ausgetretenen Pfad bergab und endlich gibt es Abkühlung!

Erfrischendes Bad im tiefblauen Bergsee

Empfehlenswert: Ein Bad im Taubensee!

Empfehlenswert: Ein Bad im Taubensee!

Ein Bad in einem der höchstgelegenen Bergseen Deutschlands kann ich wirklich jedem empfehlen. Das Wasser ist weich und erfrischend und seine „Bewohner“ und Namensgeber zeugen von der guten Wasserqualität. Nein, der Taubensee verdankt seinen Namen nicht etwa der gewöhnlichen Taube, sondern den Krebsen, welche im See leben. Diese nannte man früher in Tirol umgangssprachlich „Dauppn“ und daraus wurde der „Taubensee“. Mitten durch ihn hindurch führt übrigens die Grenze zu Österreich, so dass ein Teil der Strecke im „Ausland“ erwandert wird.

Was natürlich zum vollständigen Bergglück nach der Wanderung und dem Bad noch fehlt, ist eine „g’scheite“ Brotzeit. Am See kann man wunderbar picknicken, aber auch die Taubenseehütte mit traumhaften Aussichten, die etwa zehn Minuten vom See entfernt liegt,  empfiehlt sich für eine Einkehr. Wer mag, geht danach den gleichen Weg retour.

Rundtour über die Sauermöser Almen

Einkehr auf der Taubenseehütte mit prächtigem Ausblick

Einkehr auf der Taubenseehütte mit prächtigem Ausblick

Eine schöne Runde mit Bergblick, der zugegeben am See selbst ein wenig fehlt, kann man stattdessen über die Sauermöser Almen machen. Der Weg führt gut beschildert am See vorbei und zunächst wieder steiler bergauf. Am hier zu findenden Sonnwendköpfl hat man dann eine schöne Aussicht auf Kössen und die umliegende Bergwelt.

Wir wandern weiter, halten uns an den Almen links und steigen einen Pfad hinab. Über die Serpentinen des bei Nässe doch recht matschigen Luftbodensteiges geht es bis zu einer Almstraße, der wir nach links folgen. Nach einiger Zeit kommen wir zum „Kroatensteig“-Abzweig zurück und wandern zum Ausgangspunkt.

Tipp

Anfahrt: Auf der B 307 von Marquartstein durch Schleching, nach Ettenhausen über die Tiroler Aachen und kurz nach Wagrain links den Berg hinauf Richtung Achberg. Nach etwa zwei Kilometern geht es an der Gabelung nach rechts Richtung Streichen. Auf der Schotterstraße nochmals etwa einen Kilometer zum oberen (kostenpflichtigen) Parkplatz des Berggasthof Streichen. Kroatensteig und Luftbodensteig erforden Trittsicherheit und sind bei nasser Witterung nicht zu empfehlen.

Der Taubensee ist auch von Reit im Winkl aus erreichbar: Start ist der Parkplatz an der Tourist Info (kostenpflichtig), von hier geht es über den Wanderweg beim Hausbachfall zum Wetterkreuz, weiter über Hutzen- und Stoibenalm zur Sauermöseralm und zum See.


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5 Kommentare
  1. Göran Trompelt sagt:

    Hallo!
    Wir haben diesen wunderschönen See besucht. Aber sind von Kössen aus gewandert. Von Reit im Winkl aus die Tour würde mich sehr interessieren! Sollte ich jemals wieder richtig laufen können, werd ich’s packen. Ein schönes Stück Erde! Habe die Ehre!

  2. Hallo Göran, der Taubensee ist einfach zu jeder Jahreszeit ein Traum! Sehr zu empfehlen ist auch der Weg Taubensee Rundweg: http://www.chiemgau-tourismus.de/taubensee-rundweg
    Ganz viel Spaß beim Wandern 🙂 Viele Grüße, Corinna

  3. Thorwald sagt:

    Als Bub in Unterwössen/Au aufgewachsen sind wir ca. 1946 zum Taubensee gelaufen. Ein Sommerfrischler, der bei uns wohnte, war mit von Blut durchweichtem Schuh heimgekommen. Er hatte sich von einem Krebs beissen lassen beim baden. Dmals gab es noch Grenzer, und man konnte nicht um den See herum. Wir wollten die Krebse sehen, die so zupacken konnten. – Es war ein friedlicher Tag, und uns hat keiner erwischt. Der ruhige See ist ein sehr großer Gegensatz zum Kaltebach, an dem wir wohnten. Eine Unwetternacht hat damals – es war wohl vor Kriegsende – unglaubliche Verwäüstung gebracht, ein bewohntes Bienenhaus mitgerissen und den Unterlauf völlig verlagert. Aber in den Gumpen gabs ganz viele flinke Forellen…. Der Schulweg ging über die Wiesen, die jetzt völlig zugebaut sind. Später über die Schlecht zum Gymnasium in MArquartstein… Wir erlebten den „Endsieg“ in unserem friedlichen Dorf. Mit dem Wahnsinn spielen jetzt wieder Leute, die nie selber Not erlebt haben.
    B’hüet Euch der Himmi! Und die gesegnete Natur im Chiemgau. Thorwald

  4. Stickerlar sagt:

    Wir gehen auch gerne Wandern. Danke für die Mühe, die Sie gemacht haben, um das alles zusammenzutragen. Das sind sehr schöne Fotos.