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Salz-Alpen-Tour Kohleralm – Prima Aussichtsplateau und „himmlische Leiter“

Datum: 10. Oktober 2016 . Autor: Andrea Obele . Kategorie: Ausflugsziele . Inzell . Wandern
Schönste Aussicht auf einer Bank oberhalb der Kohleralm.
Andrea Obele

Wer eine Wanderung ohne richtigen „Gipfelsturm“, aber mit wahnsinnig schöner Aussicht und sogar historischem Hintergrund zu schätzen weiß, der sollte mir auf die Salz-Alpen-Tour Kohleralm bei Inzell folgen.

Ich weiß noch genau, wann ich das erste Mal vor der Himmelsleiter stand: Das war bei der 24 Stunden von Bayern Wanderung, die durchs Berchtesgadener Land und den Chiemgau führte. Ziemlich am Ende der einen, über 30 Kilometer langen Wanderstrecke, musste ich am Fuße der Himmelsleiter auf dem Wegweiser der Veranstalter lesen: „444 Stufen zum Himmel – und alle Sünden gebüßt“. Ich hatte vorher ja keine Ahnung, was mich an der „Himmelsleiter“ erwartet – und ich bin mir nicht ganz sicher, wer sich da verzählt hat. Nun stand ich da, schaute an der etwa 207 Meter langen Treppe, die steil nach oben „in den Himmel“ führt hinauf und sammelte meine letzten Kraftreserven. Der Brunnwart, der sich anno dazumal mehrmals täglich auf diesen Weg (rauf und runter!) machen musste, um die gusseisernen Leitungen für die Sole und den Hochbehälter droben an der Soleleitung zu kontrollieren, muss wirklich fit gewesen sein.

Ruhe am Falkensee

Idyllischer Falkensee.

Idyllischer Falkensee.

Aber eins nach dem anderen, eigentlich wollte ich ja ein wenig von der SalzAlpenTour Kohleralm berichten, die zunächst einmal am Gasthaus Zwing startet. Auf einem Forstweg, der sich in einem Tal schattig durch Berghänge windet, gelangt man an den Falkensee. Der liegt still und in allen Blautönen schimmernd mitten in einem Hochmoor und fängt mit seiner Idylle jeden Besucher ein. Runter kommen vom Alltag, sich einstellen auf die Tour – das kann man hier wirklich sehr gut.

Weiter geht’s…

…übrigens bis hier immer ohne nennenswerte Steigungen… durch den Wald und später über hügelige, aussichtsreiche Weiden bis nach Einsiedl zur Kirche St. Nikolaus. Sie ist die älteste und höchstgelegenste der vier Inzeller Kirchen. Das gotische Gotteshaus wurde 1212 von Graf Luitpold II. von Plain erbaut. Er wurde nach einem verheerenden Überfall auf Salzburg zur Strafe in die hiesige Wildnis unterhalb des Staufen verbannt, ließ dort die Kirche erbauen und errichtete nebenan eine Landwirtschaft. Dieser Hof trägt seither den Namen „Zum Einsiedl“. Seine Bewohner bewirtschaften auch die Kohleralm und halten dort oben über den Sommer ihr Jungvieh.

 Hinauf zur Kohleralm

Die Kohleralm mit grandioser Sicht in die Alpen.

Die Kohleralm mit grandioser Sicht in die Alpen.

Genau dahin wollen wir jetzt weiter wandern. Hinter der Kirche verschwindet der Wanderweg im Wald und uns erwarten etwa 800 Höhenmeter – und zwar ziemlich steil bergauf. Teils auf einer Forststraße, teils auf einem wurzeligen Steig zieht sich der Pfad immer in Serpentinen nach oben. Wieder erinnere ich mich an die 24 Stunden von Bayern: Da stauten sich nämlich die 444 Teilnehmer immer wieder, und wie eine bunte Schlange zogen sich die Wanderer hintereinander durch den Wald auf dem schmalen Steig den Berg hinauf.

Sehr viel ruhiger geht es da heute zu und in frischer Luft kommen wir ganz gut voran. Oft halte ich dennoch an, weil ich die Ausblicke auf den Chiemsee, die sich immer wieder bieten, nicht verpassen will. Schließlich strecken sich im Wald schroffe Felsen empor, das Gelände wird ruppiger und plötzlich habe ich einen Sattel erreicht: ich stehe auf dem Gelände der Kohleralm. Der unerwartete Blick auf das weitläufige Plateau, den weiß-blauen Himmel und das grandiose Panorama raubt mir fast den Atem. Rechts oberhalb der Alm finden wir dann eine schöne Rastbank und ruhen uns aus, während wir den Blick auf den Chiemsee genießen.

 Die Leiter zum Himmel

Wieder werden Erinnerungen wach: hier gab es bei der 24 Stunden Wanderung eine deftige Brotzeit, Alphornbläser spielten auf und die Kühe auf der Alm gingen mit den Wanderern, die sich über das ganze Gelände verteilt hatten, auf Tuchfühlung. Viel später können und müssen wir uns aber doch von der Ruhe und dem grandiosen Ausblick trennen und steigen hinter der Kohleralm wieder ab, Richtung Jochberg. Nachdem wir an der Staufenstube (einer DAV-Hütte) und dem Eckharter Hof vorbei gekommen sind, treffen wir auf die oben erwähnte Himmelsleiter.

Blick auf das „Bergstüberl“.

Blick auf das „Bergstüberl“.

Von der sogenannten Sole-Niederreserve im Brunnhaus Nagling wurde an dieser Stelle die Sole in Gussrohren mit einer Pumpe steil etwa 90 Meter nach oben in den Sole-Hochbehälter, das „Bergstüberl“, gepumpt. Oberhalb dieses Bergstüberls machen wir wieder eine Pause, denn hier steht eine schöne Rastbank mit Tisch und Aussicht ins Tal. Für das Projekt der Soleleitung war der Ort hier eine Schlüsselstelle, von der aus die Sole in sogenannten Deicheln, die am Soleleitungsweg auch jetzt noch zu sehen sind, mit natürlichem Gefälle wieder weiter lief.

 Die Arbeit des Brunnwarts

Die 420 Treppenstufen, die wir später auf der Salz-Alpen-Tour Kohleralm nach unten nehmen, wurden 1985 renoviert. In aktiven Zeiten der Soleleitung waren es noch 556 Stufen, die vom Brunnwart mehrmals am Tag erklommen werden mussten, um die Leitungen und Behälter zu kontrollieren. Bis 1810 war die Soleleitung hier aktiv, und Zeitzeugen berichten darüber, wie hart die Arbeit für den Brunnwart war, der mit seiner Familie im Brunnhaus Nagling wohnte. Wenn es zu Störungen in den Leitungen kam, musste er sich mit viel handwerklichem Geschick und viel Manneskraft an die Reparaturarbeiten machen, damit die Sole nicht versickerte. Sommer wie Winter natürlich, und es mag auch nicht viel Spaß gemacht haben, damals die enormen Schneemengen von den Treppenstufen und dem Soleleitungsweg zu schaufeln, um seinen Aufgaben nachkommen zu können …

Solche Schindereien bleiben uns heute erspart, es geht jetzt nur noch bergab und uns bleibt Zeit, die Informationstafeln zu studieren und die Gussleitungen genauer in Augenschein zu nehmen. Schon spannend, dass dieses, damals so innovative Bauwerk, die Gegend dermassen geprägt hat. Unten angekommen genießen wir den Spaziergang entlang des ruhig vor sich hin plätschernden Weißbaches. Unsere Beine können sich vom steilen Aufstieg und den vielen Treppen hinab ausruhen, schließlich geht es eben dahin und es gibt auch immer wieder Stellen, um die Füße ins Wasser zu strecken.

 Ein echter Film-Spot

Bester Blick auf die Weißbachfälle.

Bester Blick auf die Weißbachfälle.

Das nächste Highlight sind die Weißbacher Wasserfälle: Hier wurden schon Filme gedreht, was kaum verwundert, denn das Ambiente ist hier wirklich äußerst romantisch. Wir haben noch den Abstecher zum Gletschergarten unternommen, schließlich sieht man nicht jeden Tag ein Naturdenkmal, das einzigartig in den Ostalpen ist: Der Weißbacher Gletschergarten wurde bei den Bauarbeiten zur Alpenstraße erschlossen. Direkt an der Straße ist dieses Fels-Relikt aus der Eiszeit nun zu bewundern. 300 bis 400 Meter dick waren die Eismassen des Gletschers, die den Gletschergarten so spektakulär geformt haben. Die zu Rundhöckern geschliffenen Vorsprünge zeugen von den ungeheuren Kräften, die hier am Werke waren. Wasser höhlte riesige Gletschertöpfe aus, die die geschliffene Felswand durchsetzen.

 

Ich freue mich über die kleine Geschichtslektion, die mich die letzten Stunden begleitet hat, denn so hat die Salz-Alpen-Tour Kohleralm auch beim Abstieg auch noch Kurzweil zu bieten. Die vielen Höhepunkte der Tour enden im Gasthaus Zwing mit einem sehr leckeren Kaiserschmarren.

Fazit: Ich kann die Salz-Alpen-Tour Kohleralm nur empfehlen.

Tipp

Wer bei der Tour ein Gipfelerlebnis vermisst, der sollte sich etwa zwei Stunden mehr Zeit einplanen, Power für weitere 300 Höhenmeter im Auf- und Abstieg einpacken und den Gamsknogel besteigen, der von der Kohleralm über einen Steig gut erreichen ist. Auch sehr empfehlenswert!


Datum: 10. Oktober 2016 . Autor: Andrea Obele . Kategorie: Ausflugsziele . Inzell . Wandern
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2 Kommentare
  1. Haas sagt:

    Hallo, ich habe mit großem Interesse deinen Artikel gelesen. Wie lange braucht man denn für diese Tour?

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