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Dem Himmel ein Stück näher – Wanderung zum Gipfel des Hochfelln

Datum: 3. Juni 2015 . Autor: Andrea Obele . Kategorie: Almen . Bergen . Genuss . Orte . Region . Regionale Spezialitäten . Ruhpolding . Wandern
Hochfelln im Chiemgau ©Andrea Obele
Andrea Obele

Der Hochfelln ist immer einen Besuch Wert. Auch wenn Nebelschwaden die Sicht trüben, verspricht die „Aussichtsterrasse“ des Chiemgaus auf dem Gipfel des Hochfelln schönste Erlebnisse.

Hochfelln-Seilbahn ©Andrea Obele

Hochfelln-Seilbahn ©Andrea Obele

„Fahren wir heute zum Hochfelln (1.674 m) oder fahren wir nicht?“ – die Wetteraussichten versprachen zwar Sonne, aber irgendwie hatten wir das Gefühl, dass sich der Nebel nicht wie versprochen lichten würde. Und wer traut schon dem Wetterbericht… Trotzdem hofften wir auf unser Glück und starteten Richtung Hochfelln, um uns in aller Ruhe auf die Salzalpentour Bergen-Bründlingalm zu machen.

Um uns nicht an den Fahrplan der Hochfellnseilbahn halten zu müssen und den ganzen Tag ausnützen zu können, starteten wir nicht an der Talstation, sondern auf dem Parkplatz der Steinbergalm. Im Tal strahlte dann die Sonne und wir freuten uns über unseren Entschluss. Richtung Steinbergalm fuhren wir leider in dichte Nebelschwaden, von denen wir uns aber die Laune nicht vermiesen ließen.

Erste Halbzeit-Rast auf der Bründlingalm

Wanderung auf den Hochfelln ©Andrea Obele

Wanderung auf den Hochfelln ©Andrea Obele

Frohgemut starteten wir die Wanderung am Parkplatz und stiegen über einen gut befestigten Wanderweg zwischen Weiden bergauf. Wie leichter  Nieselregen umfing uns der kalte Nebel. Weiter führte uns der Weg über Treppen und durch nebelstillen Wald bis zur Bründlingalm. Sie liegt neben zwei anderen Kasern auf 1.161 m, ist eine der ältesten Almen im Hochfellngebiet und lädt Wanderer und Mountainbiker zu einer kleinen Halbzeit-Rast auf dem Weg zum Hochfelln Gipfel ein.

Diesmal allerdings war kein Gast weit und breit zu sehen, und wer das Gebiet kennt, weiß, wie selten das ist. Nur ein paar Kühe machten sich über die noch satt im Grün stehenden Kräuter und Rasenflächen der Almen her. Weitergehen oder abbrechen? Ganz sicher waren wir uns nicht, schließlich macht es ja wenig Sinn, im Nebelweiß gen Gipfel zu streben – oder?

Ein stilles Bergerlebnis der anderen Art

Aber wir waren erstens schon unterwegs und zweitens wollten wir uns den leckeren Brotzeitteller am Hochfellnhaus nicht entgehen lassen. So wanderten wir weiter bergan, immer wieder verwundert, wie anders sich der Berg und der Wald im Nebel anfühlt – und aussieht. Viel ruhiger – pure Erholung. Viel aufmerksamer ist man den kleinen Besonderheiten am Wegesrand gegenüber: Markierungen, Martel der Verunglückten aus längst vergangenen Zeiten und manch seltenes Gewächs und Getier säumte unseren Aufstieg. Andere Wanderer, die sonst Richtung Hochfelln unterwegs sind, trafen wir übrigens keine.

Leckerer Brotzeitteller am Hochfellnhaus. ©Andrea Obele

Leckerer Brotzeitteller am Hochfellnhaus. ©Andrea Obele

Plötzlich schien es, als ob die Sonne an Kraft gewinnt. Hier und da wurde ein Gipfel frei, ab und zu sah man Nebelschwaden ziehen und auch der Weg vor einem war nicht mehr nur auf ein paar Meter, sondern ein ganzes Stück weit gut zu sehen. Ein wahres Schauspiel aus weißen, nasskalten Nebelschwaden und Sonnenstrahlen, die sich mit all ihrer herbstlichen Kraft durch die milchige Suppe kämpften und hier und da ein Stück vom knallblauen Himmel freigaben, weckte unsere Aufmerksamkeit. Dann fiel der Dunst wieder herab und hüllte uns in sein Schweigen. Schließlich wanderten wir durch das „Felsentor“, durch das man zum Gipfelsturm auf den Osthang des Hochfellns gelangt. Und als ob Petrus ein Einsehen mit uns hatte, schoben sich hier die Nebelschleier beiseite und strahlendes Wunsch-Wetter mit wolkenlosem Himmel empfing uns.

Wanderung mit Sonne und Wattebäuschchen

Ein ständiges Schauspiel zwischen Nebelschwaden und blauem Himmel begleitete uns.

Ein ständiges Schauspiel zwischen Nebelschwaden und blauem Himmel ©Andrea Obele

Am Gipfel angekommen konnten wir uns gar nicht sattsehen: Dort, wo sonst der Chiemsee, zu sehen ist, blickten wir von oben auf ein Meer aus schneeweißen Wolken, die den Hochfellngipfel wie Wattebällchen umhüllten. Immer wieder schafften es auch umliegende Gipfel, sich einen kurzen Weg zur Sonne zu erkämpfen.

Wir beschlossen, hier in aller Ruhe Rast zu machen und die einzigartige Aussicht zu genießen. „Dem Himmel ein Stück näher“ – das, was sich im Flyer des Hochfelln so nett liest, ist beileibe kein Werbespruch, sondern Realität. Vor der Brotzeit wanderten wir zum Taborkircherl und entlang des Themenweges, auf dem 22 Tafeln Infos über die Entstehung des Hochfelln zusammenfassen.

Korallen und Muscheln treffen den Himmel

Besonders faszinierend war die Erkenntnis, dass hier oben der Himmel und der Meeresgrund fast aufeinander treffen. Wieso? Weil der kleine Gipfel am Hochfellnhaus aus Korallen- und Muschelkalk besteht. Ehemaliger Meeresboden wurde hier vor Urzeiten zu Berggipfeln aufgeschoben. Zwischen bunten Herbstblühern und dem Reigen von Schmetterlingen kann man hier auf einer der vielen Ruhebänke mit (nebelfreier) Aussicht bis zum Großglockner hin seine Seele so richtig baumeln lassen.

Hochfelln-Wanderung im Chiemgau ©Andrea Obele

Hochfelln-Wanderung ©Andrea Obele

Schließlich brachen wir auf die Salzalpentour weiter zu erwandern. Schon nach einigen Höhenmetern bergab tauchten wir wieder ein in das Wolkenmeer, das von oben so weich nach uns rief. Umgefallene Nadelbäume am Wegesrand wirkten wie stumme Skulpturen, feuchte Flechten und moosige Stämme zeigten uns, dass es hier, vorbei an Fellnalm und Farnbichlalm wohl immer etwas schattiger und feuchter ist. Ganz alleine waren wir im Nebel unterwegs, die Stille umfing uns. Man spürte die Entspannung und Erholung, die eine solche Ruhe im Bergwald mit sich bringt. Weder das Trällern eines Singvogels noch der Flügelschlag einer Dohle, die uns am Gipfel zahlreich mit ihren Flugkünsten unterhielten, war zu hören. Nur das leise Knacken von dünnen Ästen, die unter unseren Wanderstiefeln zerbrechen, störte diese fast unheimliche Atmosphäre.

Murmeltiere und hölzerne Naturskulpturen

Abstieg vom Hochfelln Chiemgau ©Andrea Obele

Abstieg vom Hochfelln ©Andrea Obele

Dann, wie so oft, wenn die Sonne allmählich am Horizont schwindet, verflüchtigte sich auch der Nebel mit ihr. Der Weg führte hinab aus dem Bergwald durch hüfthohe Gräser, die sich am Wegesrand wie Wellen im Wind wiegten. Es ist die Via Alpina bzw. der Maxmiliansweg, auf dem man sich hier befindet. Wer Glück hat, kann auch die verspielten „Mankein“, also Murmeltiere, beobachten. Schließlich bogen wir ab Richtung Bacherwinkel und Gemberger Alm.

Entlang am idyllischen Steinbach hatten wir nach unserem langen Tag noch eine unerwartete, steile Passage vor uns, die uns durch den Sonnenuntergang versüßt wurde. Über eine Holzbrücke ging es zum letzten Anstieg, der uns versteckt hinter einem Schuppen wieder auf den Parkplatz der Steinbergalm brachte. Bei Einbrechen der Dunkelheit packten wir unsere Rucksäcke ins Auto und waren uns einig: Ohne den Nebel wäre der Tag tatsächlich nur halb so schön gewesen, so viele neue Eindrücke und Erlebnisse hatte er uns verschafft.

Tipp
©Andrea Obele

©Andrea Obele

Planen Sie die Salzalpentour Bergen-Bründligalm zeitlich gut, damit Sie die letzte Bahn am Abend sicher erwischen – damit Sie sich den Weg von der Steinbergalm bis zum Parkplatz der Hochfellnseilbahn sparen. Oder starten Sie die Runde wie wir ohne Bahn direkt am (kostenpflichtigen) Parkplatz der Steinbergalm.

Wenn Sie schneller zum Gipfel möchten, können Sie mit der Hochfellnbahn nicht nur bis zur Mittelstation, sondern ganz rauf fahren.


Datum: 3. Juni 2015 . Autor: Andrea Obele . Kategorie: Almen . Bergen . Genuss . Orte . Region . Regionale Spezialitäten . Ruhpolding . Wandern
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