Surfen in der Chieminger Brandung - Chiemgau Geschichten

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Surfen in der Chieminger Brandung

Datum: 1. August 2016 . Autor: Kaiman . Kategorie: Aktiv . Chieming . Gleitschirmfliegen & Luftsport . Region . Wasser
Surfen in der Chieminger Brandung
Kaiman

An Tagen wie diesen ist die Brandung am „Bayerischen Meer“ der Spielplatz aller Surfer. Was man als Spaziergänger an der Chieminger Strandpromenade (zwischen Dampfersteg und Klinik Alpenhof) bei stürmischem Westwind beinah hautnah miterlebt, ist die Einlösung eines Surfer-Traumes (der als Markenname „Windsurfing Chiemsee“ um die Welt ging) – zumindest solange der Wind anhält. Es passiert unregelmäßig und ist selbst für die erfahrenen Surfer am Chiemsee nicht leicht vorhersehbar.

Surfen in der Chieminger Brandung

Auch das Zusehen ist interessant

Ich selbst war schon von klein auf hier beim Surfen und leitete beim langen Warten auf Wind ein paar Regeln ab. Bei Wetterumschwung sind die Chancen gut, dass es auffrischt. Auch vorbeiziehende Gewitter peitschen oft eine „steife Brise“ durch die Chieminger Bucht. Doch manchmal, da kommt es richtig gut: Anhaltender Starkwind aus West reißt die dahinjagenden Wolken überm „Weitsee“ auf und sorgt für Wellenbrecher im Sonnenschein!

 

Wenn im Sommer so ein Weststurm einsetzt, passieren mehrere Dinge gleichzeitig. Vom Wasser her bauen sich über die kilometerweite Seefläche (wie es sie in Bayern fast nur am Chiemsee gibt) schon in wenigen Minuten erste kleine Wellenbrecher auf, die sich bald zu einer – für Binnenverhältnisse –stattlichen Brandung steigern. Vom Land her ziehen athletische junge Menschen in glänzenden Wassersportmonturen mit einer Vielzahl von bunten Ausrüstungsgegenständen zum Ufer; bizarre Gerätschaften in lustigen Farben und Beschriftungen, flatternde Kites, deren meterlange Tubengerippe mit hydraulischen Handpumpen eilig in Form gebracht werden; Surfsegel, die knallhart auf Masten und Gabelbäumen gezurrt werden; schnittige Boards in wilden Designs (die Kite- und Windsurf-Bretter), hier auch liebevoll „Bredl“ genannt; all das wandert mit den Surfern auf die Uferwiese.

Für Zuschauer ist schon im Vorfeld faszinierend, wie nervöse Spannung in der Luft liegt, wenn an manchen Tagen mehr als fünfzig fanatische Surfer den Wind gewittert haben. Für sie gilt beim Aufbauen keine Zeit zu verlieren. Wer zuerst „ogricht is“, der surft zuerst! Und ein nervöser Gedanke treibt alle um, an diesen seltenen Tagen: Hoffentlich hält das „Gebläse“ lange an!

Surfen in der Chieminger Brandung

Surfen in der Chieminger Brandung

Hohe Sorgfalt ist bei den Vorbereitungen geboten. Denn nur wenn der Trimm stimmt, steht auch Surf-Spaß in Aussicht.

Dann endlich – rein in die Wellen!

Die Kitesurfer lassen ihre Lenkdrachen an langen Leinen in den Himmel schießen und starten oft schon im seichten Wasser – blitzschnell vorwärts gerissen. Wo eben noch jemand knöcheltief im Wasser stand … weg! Die Windsurfer hängen sich unter ihre dichtgezogenen Segel und reiten ihre Boards auf Hart-am-Wind-Kurs durch die Gischt, möglichst steil gegen den Wind, „Höhe ziehen“! Erstmal weg vom Ufer, hinaus auf den See! Jeder versucht so schnell wie möglich auf die offene Wasserfläche zu gelangen, wo der Wind weniger böig ist, das Wasser tiefer und wo sich die Kurse von Kite- und Windsurfern weniger häufig kreuzen. Denn ständige Ausweichmanöver sind extrem lästig!

Was sich dem Zuseher am Ufer oder auf den Aussichtsstegen selten erschließt, sind die Tücken dieses Reviers. Der Wind ist in Ufernähe sehr böig, was dem Können der Surfer viel abverlangt. Diese Luftwirbel entstehen u. a. durch die dicht stehenden Uferbäume – ein wunderschöner Anblick und leider ganz schlecht für versehentlich darin gelandete Kites. Und im Wasser liegt grobsteiniger „Haxenbrecher-“Grund, was das Gehen und Stehen anstrengend macht, wenn man gerade mit Wellen und einfallenden Böen beschäftigt ist.

Gerade die Kitesurfer können aber schon im Seichten starten und durchs Wasser schneiden, da Ihre Boards kurze Finne, also sehr wenig Tiefgang haben. Das Chieminger Flachwasser ist berüchtigt, man kann an den Steinen schon mal eine Finne einbüßen, was den Surf-Spaß ungemein trübt! Doch wer sich auskennt und technisch gut ist, den erwarten hier besondere Fahrfreuden, denn die schäumende Brecherzone ist hier relativ weitläufig. Hier kann man also durch und sogar mit der Welle reiten!

Surfen in der Chieminger Brandung

Kiten in einem Paradies

Das ist dann auch meine Stunde als surfkundiger Fotograf: Im Neoprenanzug und mit respektvoller Rücksicht auf die Surfer, wate ich weit ins Wasser und lasse die „Rider“ nahe heranfahren, auf der Jagd nach „Action“. Mitten unter den Sportlern mache ich Serienaufnahmen, Fahrt- und Bewegungsstudien, nutze extreme Weitwinkel für hautnahe Aufnahmen, „friere“ Spritzwasser ein (mit kurzer Belichtungszeit) und lasse wilde Bewegungswischer zu (mit langer Belichtung). Viele SurferInnen lassen sich ja nur allzu gerne ablichten und führen ihre wildesten Stunts vor.

Am Ende so einer Session wird es am Strand ganz entspannt.

Alle hatten eine tolle Zeit auf dem Wasser, sind glücklich und relaxt. Manche verschwinden schnell, andere tauschen sich noch lange aus, ratschen unter sich oder mit Zuschauern am Strand. Wieder andere nehmen am See-Kiosk noch eine Brotzeit und ein Getränk zu sich, sitzen z. T. noch im tropfnassen „Neo“, im Biergarten oder der Terasse. „Habtses an Lappn zum Unterleng?“ wird die Bedienung gefragt und alles lacht.

Wer von den Surfern dann zu mir kommt, dem gebe ich gerne meine E-Mail Adresse, damit er oder sie ein paar Aufnahmen von sich bekommen kann.

Ein glücklicher Tag für Surfer und Zuseher am Chieminger Strand!

Aber morgen, da fahre ich wieder selber raus, ob mit Boot oder Board

Alles fließt im Chiemgau
Tipp

Welche weiteren Möglichkeiten sich ebenfalls rund um das Wasser am Chiemsee bieten, zeigt eine andere G’schichte aus dem Chiemgau. Viel Spaß beim Lesen und Entdecken!


Datum: 1. August 2016 . Autor: Kaiman . Kategorie: Aktiv . Chieming . Gleitschirmfliegen & Luftsport . Region . Wasser
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