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Skating – mein erstes Mal

Datum: 8. Januar 2016 . Autor: Christian Bonk . Kategorie: Ausflugsziele . Langlaufen . Orte . Region . Ruhpolding . Winter
Langlaufkurs in Ruhpolding im Chiemgau
Christian Bonk

Langlaufen sieht einfacher aus als es ist, vor allem die heimliche Königdisziplin unter den Wintersportarten: Skating. Aber auch wenn der Anfang ein bisschen Mühe und Anstrengung kostet: Dieser naturnahe Ausdauersport macht süchtig!

Als ich in München losfahre sieht es so gar nicht winterlich aus, eine trübe Glocke hängt über der Stadt, hier und da ein paar Schneefetzen, aber Winterfeeling will so gar nicht aufkommen. Umso mehr freue ich mich auf meinen heutigen Trip ins verschneite Chiemgau, denn laut Webcam sieht es dort wirklich aus, wie im Winter.

Nach einer guten Dreiviertelstunde Fahrt bin ich sehr zufrieden mit meiner Entscheidung, heute das Projekt „Skating“ anzugehen: Im Tal hinter Ruhpolding liegt Schnee satt, und allmählich kämpfen sich die ersten blauen Himmelsflecken durch die Wolkendecke.

Endlich geht es los

Christian steigt in die Bindung im Chiemgau

Christian steigt in die Bindung

Ganz schön schmal sind die“, denke ich und schaue auf die beiden Ski, die vor mir im glitzernden Schnee liegen. Und ein bisschen Aufregung kann ich nicht verbergen, als mir Michi zeigt, wie ich in die Bindung steige und die Handschlaufen in die Griffe der dünnen Stöcke („Mann, sind die lang“) einrasten lasse. Ja, heut ist es soweit. Für die nächsten beiden Stunden heißt es Langlaufkurs, genauer gesagt Skating, mit Michi, dem Inhaber der Langlaufschule Ruhpolding.

Es ist halb zehn, knapp über Null Grad und die Sonne züngelt immer häufiger durch das Himmelgrau. Ein perfekter Tag zum Skifahren, denke ich mir, und versuche mit einem ungelenken Pflug vor Michi zum Stehen zu kommen. „Du brauchst Balance und Rhythmus“ sagt Michi, und schon fangen wir mit den ersten Übungen an. Von einem Ski auf den anderen springen, das Gewicht über einen leichten Hüftknick auf den Ski, mit dem ich mich abdrücken will. Ok, kenne ich eigentlich vom Alpinskifahren, wenn man zum nächsten Lift skatet. Kann nicht so schwer sein denke ich noch, als es mich zum ersten Mal nach rechts umhaut. Beim Aufstehen scheitere ich an den langen Stöcken, also raus aus der Handschlaufe, irgendwie hocharbeiten. Weiter geht’s, das Hin- und Herhüpfen klappt nach ein paar Minuten und schon geht’s im Zitterschritt auf die frisch präparierte Loipe zu. Ich fühle mich ein bisschen wie beim ersten Mal auf Schlittschuhen und bin ziemlich froh über die Stöcke, die mir wenigsten ein bisschen Stabilität verschaffen.

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen

Jetzt heißt es rechten Ski in die Spur und mit dem linken Bein abstoßen. Michi macht mir die Übung vor und wartet fünf eleganten Abstößen gut zwanzig Meter weiter auf mich. Ich quäle mich strauchelnd in seine Richtung und fange langsam an, meinen alten Freund Stefan zu verfluchen, der mir vom Langlaufen vorgeschwärmt hat und mindestens zweimal pro Woche seinen Runden hier in Ruhpolding dreht – quasi der Auslöser für meine Skating-Kursanmeldung.

Aller Anfang ist schwer im Chiemgau

Aller Anfang ist schwer

Michi kann sich ein Grinsen nicht verkneifen, als ich schließlich bei ihm ankomme. „Wirst sehen, mit Stockeinsatz geht das schon ganz anders, und jetzt weißt glaube ich, warum man Skating auch die Königsdisziplin unter den Wintersportarten nennt“, beruhigt er mich und zeigt mir, wie ich den Oberkörper beim Abstoßen mit den Stöcken so nach vorne beuge, dass ich richtig Druck auf die Stöcke bekomme. Und siehe da, die nächsten zwanzig Meter gehen. Wir drehen in der Loipe, wobei es mich wieder umhaut, dieses Mal nach links.
Ich arbeite mich hoch, und stelle mit einem wackligen Oberschenkel den linken Ski (die sind echt sehr dünn!) in die Loipenspur. Jetzt geht’s schon deutlich besser und ich mache die ersten Meter ziemlich souverän. Mein rechtes Bein ist eindeutig der bessere Abstoßer und prombt gelingen mir die ersten zehn Skating Schritte, gerade als ich anfange zu grinsen und Michi etwas zurufen will wie, „Hey, jetzt geht’s doch“, haut’s mich der Länge nach in die Loipe. Michi schmunzelt, und fasst während ich aufstehe, nochmal den Bewegungsablauf zusammen. „Druck aufs Abstoß-Bein, Ski leicht nach innen Kanten und während der Gleitphase kräftig mit den Stöcken schieben!

Eine halbe Stunde später bin ich Herr meines Loipenabschnittes

Skaten ist eine Frage des richtigen Rhytmus im Chiemgau

Skaten ist eine Frage des richtigen Rhytmus

Eine Stunde ist wie im Flug vergangen und allmählich bekomme ich einen Begriff davon, durch die Loipe zu gleiten. Ich spüre den richtigen Abdruckpunkt mit dem Ski, komme aber dauernd mit dem Stockeinsatz durcheinander. Drei Stürze weiter und mit inzwischen klatschnassem Rücken geht es leidlich gut und Michi zeigt sich zufrieden, als wir Pause machen. Ich habe aber keine Lust auf ein lange Pause. Denn jetzt will ich mehr, mehr von diesem Hochgefühl, über den glitzernden Schnee zu gleiten und richtig Tempo drauf zu bekommen. Wahnsinn, das macht wirklich Laune! Nach fünf Minuten Verschnaufen will ich wieder los – und siehe da: es geht wirklich, wenn ich mich konzentriere. Cooler Sport!

Jetzt schaun wir mal, wie es mit Deiner Koordination wirklich aussieht“, frotzelt Michi und zeigt mir mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht, wie ich aus den beiden Einzelübungen nun einen Bewegungsablauf mache. Was bei ihm spielerisch und elegant aussieht, erinnert bei mir eher an einen Clown, der mit viel zu großen Schuhen durch die Manege stolpert. Aber eine halbe Stunde später bin ich Herr meines Loipenabschnittes. Ja, ca. 100 Meter, die ich jetzt mindesten dreißigmal hin- und wieder zurück geskatet bin. Tolles Gefühl, wenn ich auch neidisch auf die vielen Könner schiele, die bei diesem schönen Wetter (der Himmel ist inzwischen blau geworden) an mir vorbeirauschen, während ich mal wieder aufstehe.

Pure Begeisterung

Christian ist Stolz auf seine Leistung im Chiemgau

Christian ist Stolz auf seine Leistung

Wie im Flug sind meine zwei Stunden Skating-Kurs vorbei. Der Virus hat mich gepackt. Als wir abschnallen und ich meine Daunenjacke überstreife, schau ich nicht ohne stolz auf „meine“ hundert Meter Loipe, die ich natürlich ganz schön zugerichtet hab in den vergangenen zwei Stunden. Michi bescheinigt mir, dass ich mit zwei drei Kursstunden mehr und ein bisschen Fleiß noch in diesem Winter hier im herrlichen Tal hinter Ruhpolding meine Runden drehen werde. Und das werde ich, und außerdem werde ich meinem Freund Stefan nach der ersten gemeinsamen Runde in der Loipe ein Weißbier und eine Brotzeit spendieren.

Ja, mit Langlaufskiern skaten, das ist wohl tatsächlich die Königsdisziplin der Wintersportarten. Und sie hat jetzt einen neuen Fan.

Langlaufen lernen im Chiemgau
Tipp

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Datum: 8. Januar 2016 . Autor: Christian Bonk . Kategorie: Ausflugsziele . Langlaufen . Orte . Region . Ruhpolding . Winter
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